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Das Kunstwerk in Zeiten des Internets

Michael Schmalenstroer berichtet über die große Hieronymus-Bosch-Ausstellung, die derzeit noch im Noordbrabants Museum im niederländischen ’s-Hertogenbosch stattfindet, danach wird sie im Prado zu sehen sein. Das Problem: … die Ausstellung … ist … voll. Gerappelt voll. Gedrängelt voll. Genauer gesagt ist sie leider zu voll. Das kleine Provinzmuseum, das sie ausrichtet, wird überrannt von Besuchern. Und so zählt Schmalenstroer auf, wo man die Werke stattdessen online betrachten kann. Siehe da: Die Wikimedia Commons haben den Heuwagen in einer Auflösung von 9843×6475 Pixeln und im Vergleich stellt man fest, dass die digitale Version mehr Details erkennen lässt als das Original. Und er resümiert die Rolle des Web angesichts solcher Kunstevents: … das Internet, dieses Netzwerk, das eigentlich dazu gedacht ist, dass Menschen miteinander kommunizieren, bietet hier einen Ausweg: Denn es bietet genau das, was wir beim Museumsbesuch wünschen. Privaten, individuellen Zugang zu den Werken, ungestört von anderen Besuchern und mit weiterführenden Informationen nur einen Klick entfernt. Und trotzdem ist es leider irgendwie etwas anderes, nach Nordbrabant zu fahren, Boschs Werke als Original zu sehen und dann die wirklich sehr schöne Stadt zu erkunden. Der Fetisch des Originals, es gibt ihn einfach.

Das Vertrauen zu Google

Das Ausmaß der Manipulation, die von den Suchmaschinen ausgeht, zeigt eine Studie, die die amerikanische PR-Firma Edelman gerade veröffentlich hat.

Quartz zufolge glauben die Teilnehmer der Studie einer Nachrichten-Schlagzeile in Google News mehr als derselben Schlagzeile auf einer Nachrichten-Website. Diese Schere habe sich 2013 geöffnet. Unter 33000 Teilnehmern an der Untersuchung aus 28 Ländern hätten 63 Prozent erklärt, sie „vertrauten Suchmaschinen“. Das wird nur noch getoppt von Nachrichten, die man von Freunden erhält (78 Prozent). Wissenschaftler halten dagegen nur 65 Prozent für vertrauenswürdig. Am Ende stehen Journalisten mit 44 Prozent – also Journalisten, deren Beiträge die Leute nicht bei Google News lesen.

Die Unterschiede in den Vertrauensniveaus bei der Mediennutzung werden in der Studie in einem Zusammenhang mit dem Einkommen und den Zukunftserwartungen der Nutzer gesehen. Sie seien ein Zeichen zunehmender Ungleichheit in der Gesellschaft. Die Unterschiede bei der Wahrnehmung der Medien zeige eine sich vergrößernde Kluft zwischen der „informierten Öffentlichkeit“ und der allgemeinen Bevölkerung, die sich seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 kaum verändert habe. Diese Kluft sei am größten in den USA, in Frankreich und in Indien. Die größte Einkommensungleichheit – jeweils zweistellig – gebe es in den USA, in Frankreich und in Brasilien. Unter diesen Umständen vertraue man am ehesten „einer Person wie man selbst“.

Der Beitrag problematisiert das Ergebnis nicht, sondern meint, dies sei ein Zeichen für das „Marketing-Können“ von Google, das den amerikanischen Suchmaschinen-Markt zu 64 Prozent bediene. Er läßt auch viele weitere Punkte unerwähnt.

Der Text bei Quartz läßt leider auch offen, ob man der Studie selbst trauen kann, über die dort berichtet wird. Sie hat mich bisher nur über Online-Medien erreicht, und „online only“ vertrauen dort nur knapp die Hälfte der Befragten, 53 Prozent (via Newsletter von socialmediawatchblog.org).

Probleme bei Tor Browser 5.0 und Firefox 40

Heute zwei Upgrades mit Problemen:

  • Tor Browser 5.0 unterdrückt nicht mehr die eindeutige ID beim Surfen. Außerdem wird in den Einstellungen das Häkchen nicht angezeigt; man weiß daher nicht, welche der Optionen gerade aktiv ist. Beides getestet unter OS X Mavericks 10.9.5. Habe daher wieder auf Version 4 zurückgeschaltet und natürlich einen Bugreport geschrieben. – Update, 15. August 2015: Es hat doch einige Berichte über diese und weitere Probleme mit der Version 5.0 gegeben. Ärgerlich ist auch, daß diese Version in Zukunft automatisch Updates einspielen soll, ohne Kontrolle durch den Benutzer. Es könnte sein, daß Version 4.5 für eine Weile die letzte war, die man empfehlen kann.

  • Firefox 40 beschwert sich über nicht-signierte Add-ons. Dazu gehören auch HTTPS-Everywhere und der Privacy Badger, beide von der EFF. – Update, 15. August 2015: It's not easy.

  • Abgesehen davon telefoniert Firefox 40 Download-Daten automagisch an Google – man wird sehen, wie wir das wieder abschalten. Falls nein, gibt es für Downloads ja immer noch wget und curl.

  • Ist Firefox am Ende? – Update, 15. August 2015: Hier läuft Firefox 40 auf manchen Websites mit einer ziemlich konstanten CPU-Last von 25 Prozent. Das kann ja wohl kein Dauerzustand sein.

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