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Analogisierung

Das erste Drittel des Advents ist schon vorbei, und obwohl es in dieser Saison gleich mehrere digitale Adventskalender in meinen Feedreader geschafft haben, freue ich mich über das Analoge. Das Öffnen kleiner Türchen, und das Blättern in einem kleinen Buch. Ich habe auch meinen Terminkalender seit etwa vier Wochen vollständig analogisiert. Einen DIN-A6-Timer und ein DIN-A5-Notizbuch sind alles, was ich brauche, und der Computer kann ausbleiben. Alle schon vereinbarten Termine habe ich übertragen. Die Lösung ist so klein, daß sie immer in meinem Rucksack Platz findet. Für Flexibilität beim Planen sorgen kleine bunte Klebezettel und ein weicher Bleistift mit Radiergummi, der in einer Schlaufe am Buchblock des Kalenders steckt. Und in das Notizbuch kann ich jederzeit einen kleinen Elefanten zeichnen. Nicht die immer weitergehende Digitalisierung, sondern die Analogisierung ist der richtige Weg für mich. Die Suche nach dem menschlichen Maß. Dieser Trend hatte sich schon während des laufenden Jahres immer mehr abgezeichnet. Er wird sich im kommenden Jahr fortsetzen.

NPR und CBC

Die Website von NPR ist wieder einen Schritt weiter auf seiner Website: Der Player läuft weiterhin ohne Flash, man kann jetzt aber auch zwischen dem bundesweiten Program Stream und fünfzehn (in Zahlen: 15) Musik-Streams umschalten. Und solange man auf der Website bleibt, spielt der Player weiter. Im Desktop-Player – wie gehabt – als MP3 und AAC.

Die kanadische CBC hingegen hat ihren Service deutlich zurückgefahren. Die 128er-Livestreams wurden für die Wiedergabe im externen Player im Ausland gesperrt. Auf der Website spielt nur noch Radio One (ohne Flash). Die offiziellen Livestream-URLs wurden auf 48 kb/s gedrosselt. Für das Kulturprogramm Radio 2 gibt es nur noch zwei internationale Streams – mit derselben Datenrate. Die weiteren Livestreams sind gleich ganz geo-geblockt.

Radio New Zealand und Radio Vatikan im Netz

Cool URIs don't change. Aber bei den Livestreams von Hörfunksendern muß man auch im Jahr 2016 immer noch mit allfälligen Änderungen rechnen. Da ich sowohl im VLC media player als auch in iTunes Radio höre, muß ich die Änderungen immer doppelt einpflegen. Schöne Überraschung dabei: Radio New Zealand hat seine Website vollständig überarbeitet und streamt nun endlich auch in mp3. Windows Media wurde zu Grabe getragen.

Demgegenüber hat sich Radio Vatikan fast vollständig vom freien Web verabschiedet. Auf der Website finden sich nur noch veraltete Angaben zu den Stream-URLs, in jeder Sprachversion, auch der deutschen. Der Sender scheint mittlerweile ganz und gar auf Apps und auf intransparente Player im Browser zu setzen. Ein Schritt nach vorn, und zwei zurück. (Die Redaktion ist informiert.)

Neues bei NPR (im Vergleich zu anderen Sendern)

Wieder Neues zum Online-Angebot von National Public Radio: Der Livestream auf der Website des Senders läuft nun auch weiter, wenn man auf der Website navigiert. Außerdem gibts mittlerweile zwei Codecs: AAC und MP3. Sehr schön, nachdem die BBC ihre AAC-Streams vor einem Jahr sehr kurzfristig abgeschaltet und durch MP3 ersetzt hatte. Was damals bei manchen für Unmut gesorgt hatte. Nachdem WMA den Weg von des Real-Codecs angetreten hat und weitgehend in der Versenkung verschwindet, ist MP3 derzeit auf dem Rückzug. Auch der Australische Rundfunk ABC streamt weiterhin parallel AAC und MP3 (Empfehlung: Radio National entspricht etwa dem Deutschlandfunk). Der AAC-Stream ist stets vorzuziehen, weil er weniger Bandbreite benötigt, aber meist besser klingt.

Mozilla II

Das Interesse an Thunderbird schwindet immer mehr. Vom 15. April datiert eine Meldung auf MacGadget (sic) über die Veröffentlichung von Thunderbird 45. Gestern traf dann die Mail von Bürgert-CERT ein, und heute bringt der Schockwellenreiter einen Hinweis. Die üblichen Technik-Portale, die ansonsten jeden Pieps von Microsoft oder Apple transportieren, schweigen sich aus.

E-Book und Book-Book IV

Sozusagen im Vorprogramm der Leipziger Buchmesse hat sich Birgit Zimmermann für die Nachrichtenagentur DPA mit dem Abklingen des E-Book-Hypes beschäftigt (via VÖBBLOG).

Zur Erinnerung: Der Hype-Zyklus nach Gartner beschreibt den Verlauf der öffentlichen Aufmerksamkeit für ein neues, innovatives Produkt: Die Kurve beginnt bei den early adopters, steigt dann steil an, bis sie den Gipfel der überzogenen Erwartungen erreicht hat, fällt bis auf ein absolutes Minimum und steigt dann, wenn die late adopters, also der Massenmarkt, endlich aufspringen, auf ein realistisches Niveau, auf dem sich die Nutzung des Guts stabilisiert. Entweder ist es bis dahin akzeptiert worden, oder es verschwindet wieder vom Markt, weil bis dahin allgemein bekannt geworden ist, daß es keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber den ursprünglich geweckten Erwartungen bietet.

So ist es auch mit den E-Books gekommen. Der Börsenverein beziffert die Umsätze mit den Buch-Substituten im Zeitraum 2010 bis heute zwischen 0,5 und 4,5 Prozent vom Gesamtmarkt, nimmt davon aber Fach- und Schulbücher sowie Selfpublisher und Abo-Modelle aus. Wenn man diese einbezieht, gelangen die Verlage auf „niedrig zweistellige“ Umsatzanteile – im Vergleich zu einem Viertel in den USA. Als Hauptgrund für diesen Unterschied wird vor allem die Buchpreisbindung genannt, die auch weiterhin für ein dichtes Netz an Buchhandlungen in Deutschland sorge. Außerdem die schöne Ausstattung der Bücher hierzulande.

Das ist eine interessante Wasserstandsmeldung, denn sie deckt sich nicht mit meinem Eindruck als S-Bahn-Fahrer, wo in den letzten Jahren die E-Book-Reader und die Tablets, auf denen unterwegs sehr oft E-Books gelesen werden, zugenommen haben. Die gebrauchten Tablets, übrigens, denn wer möchte schon ein Gerät, das so teuer wie ein billiger Laptop ist, im öffentlichen Nahverkehr, abends gar, offen in der Hand halten, wenn er unterwegs ist. Und der billige Reader taugt nicht lang, wie man hört. Das E-Book – das wäre ein weiteres Monitum an dem Bericht – ist nicht nur zur Urlaubszeit in der Breite angekommen, sondern ganz offensichtlich ganzjährig. Nutzung und Absatz sind eben zwei Paar Schuhe.

Radio France ohne Flash

Radio France hat die Websites für seine Programme überarbeitet und pad-tauglich gemacht. Der Player wurde jetzt ins Webinterface integriert. Und er verstummt auch nicht, denn bei jedem Klick auf einen Link der Website öffnet sich ein neues Tab. Das ist effektiv, wenn auch mit der Zeit sicherlich etwas unübersichtlich. Und im Gegensatz zu NPR geht das alles auch ganz ohne Flash. Empfehlung: France Culture und FIP.

Leslie Lamport in Heidelberg

Über TeX-D-L erreicht uns der Hinweis auf einen Vortrag, den der LaTeX-Erfinder Leslie Lamport am 24. August 2015 beim Heidelberg Laureate Forum gehalten hat: A Mathematical View of Computer Systems. Hier einbinden kann ich das Video leider nicht. Wer den HTML5-Player der dortigen Website auf seinem System nicht nutzen kann (es wurden Probleme unter Linux berichtet), möge sich die mp4-Datei direkt herunterladen.

Sonntagslektüre II

Nicht im mindesten

Die Zeit vom 21. Mai 2015, S. 21: Der Zeitverlag gehört zu den Gründungsmitgliedern des Projekts – was seine Journalisten nicht im mindesten daran hindert, unabhängig über Google zu berichten. – Wenn es so wäre, bräuchte man es nicht hervorzuheben, sondern täte es einfach.

Apple im nächsten Jahr

Mark Gurman schreibt bei 9to5mac über die Pläne von Apple zur weiteren Abschottung der Plattformen iOS und OS X: Even with this Rootless feature coming to OS X, sources say that the standard Finder-based file system is not going away this year. Die Betonung liegt auf this year. Was sie sich nächstes Jahr einfallen lassen werden, muß man wohl abwarten. Und dann gibt es ja immer noch den Midnight Commander? (via heise)

NPR und Flash

NPR hat zu Pfingsten seine Website renoviert, und der Livestream (mit neuer Adresse), den man gleich auf der Startseite oben anstoßen kann, läuft dort ohne Flash Player – aber nur, solange man auf der Startseite bleibt. Und dann braucht man Flash doch wieder, um einzelne Beiträge anzuhören; das ist inkonsequent. Dann aber wieder die text-only version. Schön, daß es das heute noch gibt.

E-Book und Book-Book III

Der Anteil der E-Books am Markt liege bei vier Prozent. Der Absatz der Verlage habe sich durch die Digitalisierung nicht erhöht, er verteile sich nur neu. Die Verlage versuchten, durch den Betrieb eigener Webforen und Blogs, Werbung zu treiben: Siv Bublitz vom Ullstein-Verlag in einem Interview bei Deutschlandradio Kultur. – Von den Marketing-Aktivitäten der Verlage bei Wikipedia ein andermal mehr.

Die Verhältnisse in Amerika

Als die Honorare des Kanzlerkandidaten Steinbrück für seine Reden bei Events von diversen Konzernen und Verbänden ins Gerede kamen, ging es um bis zu fünfstellige Beträge pro Auftritt. Die Whistleblower-Plattform Cryptome (die ich nicht verlinke) hat nun ein 20-seitiges Formular veröffentlicht, in dem die Auskunft der möglichen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton über ihre Einkünfte nachzulesen ist. Die Einnahmen beginnen bei sechsstelligen Dollar-Beträgen. I think I will take up speaking engagements…, kommentiert das ein User auf einer Mailingliste.

Neues vom Ozonloch

Das Ozonloch – in den 1980er Jahren … eines der wichtigsten Aufregerthemen, neben dem sauren Regen, dem Waldsterben und der Bedrohung durch die Kernwaffen der Machtblöcke – könnte sich demnächst langsam wieder schließen. Es gebe Prognosen, denen zufolge es bis 2050 wieder auf dem Stand von 1980 zurückgehen könne, schreibt Susanne Dambeck. Der Klimawandel bleibe davon aber unberührt (via Mark Thoma).

Zum Aufhängen geeignet

Die MOOC-Plattform FutureLearn weiß, wozu die Zeugnisse, die sie für etwa 40 Euro ausstellt, gut sind: Statements are also a great souvenir of taking part in a course and many learners hang them proudly on their walls.

Übergänge

Wir haben die Produktionsmittel, die man heute braucht, um „senden“ zu können – Blogs, Wikis, soziale Netzwerke; sie stehen allgemein zur Verfügung, auch sie werden geteilt, nicht nur die Inhalte. Wir sind gut ausgebildet, haben Erfahrung und sind überdurchschnittlich gut informiert. Was bei den Massenmedien die „Reichweite“ war, ist heute die „Vernetzung“. Blogger sind daher „Journalisten“. Die fehlende professionelle Ausbildung wird leicht durch ein Training on the job ersetzt. Der politische Kampagnen-Journalismus, der nur ein Transmissionsriemen für die Spindoktoren war, schwindet. Dadurch verändert sich die Öffentlichkeit. Das macht auch Spaß, aber es ist kein Spaß, sondern es ist schon ziemlich ernst. Es passiert jetzt. Wer weiterhin nach röhrenden Hirschen sucht, findet sie in den kommerziellen Blogs und Plattformen und bei denen, die sich noch kommerzialisieren lassen, aber der aufgeklärte Teil der Öffentlichkeit entfernt sich immer mehr davon und läßt die anderen ihres Wegs ziehen. Deshalb merken die Massenmedien, daß sie immer mehr im Abseits stehen. Sie versammeln immer weniger Leser, Zuhörer, Zuschauer, ihre Attraktivität hat nachgelassen. Die Öffentlichkeit fragmentiert und reflektiert dadurch die Vielfalt der Gesellschaft, die sich in ihr zeigt und ausdrückt.

Lieber nicht

Auf einer Website gibt es zwei Gruppen von Interviews und Interviewten. Man kann wählen zwischen: „Querdenker & Visionäre“ sowie „Mahner & Bewahrer“. – Nein, danke, ich möchte lieber nicht.

Radfahren, um zu lesen

Gestern beim Joggen gesehen: Eine schon etwas ältere Dame überholt mich auf ihrem Fahrrad. In der rechten Hand, die sie von oben auf den Lenker drückt, hält sie ein Buch. So fuhr sie lesend, aber aufmerksam und routiniert durch den Wald.