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Muße

Im Deutschlandfunk ging es heute abend um ein „Forschungsprojekt zur Muße“. Joachim Bauer von der Uniklinik Freiburg erklärte, worin ein Problem bei der Digitalisierung liege: Im Kern der Muße ist eine bestimmte Beziehung zum Zeit-Erleben. Die modernen westlichen Gesellschaften sind geprägt davon, dass die meisten Menschen einen großen Teil ihrer Zeit in einem Reiz-Reaktions-Modus erleben und verleben. Das heißt: Wir sind als Menschen Adresse von sehr vielen Reizen, die auf uns einwirken, vor allem auch durch die modernen Kommunikationsmedien, die uns permanent erreichen, weil wir sie bei uns tragen, und die uns dazu verführen, auf jeden eintreffenden Reiz, auf jeden Signalton sofort zu reagieren. Die Reizüberflutung verführe den Menschen dazu, in einen Modus zu kommen, der uns zu Reiz-Reaktions-Maschinen macht und, wo wir nicht mehr innehalten, und nicht mehr zu uns kommen, in dem Sinne, dass wir auf uns schauen, wie von außen auf uns schauen und uns im Innehalten überlegen, was jetzt das ist, was wir wirklich wollen, sondern wir werden fremdgesteuert durch diese Reizflut. – Muße zu praktizieren heißt Mensch sein.

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