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Sonntag, 12. August 2018

Early Typography

Nachdem das Project Gutenberg wieder allseits frei abrufbar ist, sei nachträglich diese „Neuerscheinung“ mit Bezug zum Textsatz angezeigt:

Auch als PDF im Internet Archive:

  • Skeen, William. 1872. Early Typography. W. Skeen. archive.org
Samstag, 28. Juli 2018

Firefox beerdigt RSS-Feeds

Vielleicht hat es der eine oder die andere noch nicht bemerkt: Firefox beerdigt RSS- und Atom-Feeds ab Version 63/64, die Ende des Jahres veröffentlicht werden. Betroffen sind sowohl die Darstellung im Browser als auch die Live-Bookmarks. Einen Ersatz für die bisherige Implementierung gibt es nicht. Nach der Umsetzung wird man Feeds in Firefox nur noch per Extension lesen können, die derzeit verfügbaren Erweiterungen sind aber eher darauf angelegt, einen möglichst vollständigen Feedreader im Webbrowser bereitzustellen, eine leichtgewichtige Lösung wie den bisherigen Standard gibt es nicht. Nach der Entfernung des Feedreaders werden die Bookmarks in eine OPML-Datei exportiert, die man in einer anderen Anwendung importieren kann, falls man das möchte.

Sören Hentzschel erklärt und verteidigt in seinem Blog den Hintergrund zu der Entscheidung aus der Sicht von Mozilla: Betroffen seien nur 0,1 Prozent der Benutzer, und die Komponenten, auf denen der Feedreader in Firefox aufbaut, ständen der Modernisierung des Webbrowsers im Wege. Eine Neuentwicklung des Feedreaders lohne sich nicht.

Angesichts dessen möchte ich nun nicht gleich den Untergang des Abendlands vorhersagen, aber eine Unterstützung des freien und offenen Webs, die sich Mozilla immer wieder auf seine Fahnen und in seine PR geschrieben hat, sähe natürlich ganz anders aus. Darüber hatte ich schon 2016 geklagt. Firefox entfernt sich damit immer mehr von einem effizienten Arbeitspferd für den Webworker und für die offene Gesellschaft – und gerade in einem Augenblick, in dem die Wiederkehr der Feeds angesagt ist, werden sie von Mozilla nicht mehr unterstützt. Damit fällt eine Technik aus, die es ermöglicht, sich abseits von verzerrenden und manipulierenden Algorithmen in Suchmaschinen und auf Sozialen Netzwerken zu informieren. So etwas sollte standardmäßig zur Verfügung stehen, nicht erst als eine nette Bastelei, die man erst einmal finden und hinzu installieren muss. Meine Erfahrungen aus acht Jahren IT-Schulungen in der Erwachsenenbildung zeigt, dass die Mehrheit Webfeeds nicht kennt, wenn man es den Menschen aber erklärt und zeigt, verstehen sie die Technik und ihren Nutzen sofort und setzen sie auch ein.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass auch FTP schrittweise aus Firefox entfernt wird?

Freitag, 27. Juli 2018

TUG2018 und Aquamacs 3.4

Auch bei der anhaltenden Hitzewelle gibt es Neues zu LaTeX und Umfeld zu vermelden:

  • Die Jahrestagung der TeX Users Group TUG2018 fand am vergangenen Wochenende in Rio de Janeiro statt. Sie wurde drei Tage lang live auf YouTube übertragen, und die einzelnen Beiträge sind seit vorgestern im Kanal des Instituto de Matemática Pura e Aplicada abrufbar – wenn ich es richtig sehe, wurden sie in der Reihenfolge des Programms eingestellt. Dort sind die Abstracts verlinkt, zu einigen Beiträgen gibt es Preprints der dazugehörigen Proceedings, die demnächst in der Zeitschrift TUGboat erscheinen werden. Hervorzuheben sind die beiden Vorträge von Frank Mittelbach über A quarter century of doc und über Compatibility in the world of LaTeX sprach. Den Preprint A rollback concept for packages and classes gibts schon länger auf der Website des LaTeX Project zu lesen. Hinzu trat in diesem Jahr die Beschäftigung mit barrierefreien PDFs, die pdfLaTeX nicht out of the box erzeugen kann. Weil sie immer öfter für digitale Veröffentlichungen nachgefragt (und teilweise aufgrund gesetzlicher Vorschriften an vielen Universitäten bzw. in vielen Ländern verlangt) werden, kommt aber auch die TeX-Gemeinde nicht mehr um sie herum. Ross Moor sprach über Authoring accessible `Tagged PDF' documents using LaTeX und Sandro Coriasco stellte in An automated method based on LaTeX for the realization of accessible PDF documents containing formulae das neue Paket axessibility vor – dazu heute ein Nachtrag von Anna Capietto in der Mailingliste accessibility. Joseph Wright hat in seinem Blog über die drei Tage der Tagung berichtet.

  • Am Rande der Konferenz hat Stefan Kottwitz die Eröffnung seines dritten lokalisierten TeX-Webforums bekanntgegeben. Nach der deutschen TeXwelt und der französischen TeXnique gibt es nun auch latex.net.br in brasilianischem Portugiesisch.

  • Und heute, schließlich, hat David Reitter Aquamacs 3.4 veröffentlicht. Der neue Release beruht nicht auf dem neuesten Emacs 26, sondern noch auf dem Vorgänger GNU Emacs 25.3.50. Es ist gleichwohl kein reines Update, sondern bringt auch ein paar Veränderungen unter der Haube mit. So wurde das Scrollen mit dem Touchpad besser an den Mac angepasst. Außerdem wurde die Druckausgabe deutlich verbessert. AUCTeX hat jetzt Version 12.1. Wer mehr über den Ansatz von Aquamacs erfahren möchte, möge die Übersicht der Features nachlesen. An der Konfiguration hat sich nach meinem ersten Eindruck nichts geändert; die Aquamacs-Seiten, die David Reitter im EmacsWiki pflegt, sind auch unverändert geblieben. Viel Zeit für einen Test gab es nicht: Der Release folgte dem Pretest schon nach einem Tag. Ich verwende Aquamacs schon mehrere Jahre, allerdings ohne die macOS-Anpassungen; wie man sie los wird, erklärt der Entwickler im EmacsWiki. Aquamacs läuft ab macOS 10.9. Mehr über den Hintergrund hatte ich 2015 geschrieben. Das Konkurrenzprojekt ist Emacs For Mac OS X, das keinerlei Erweiterungen und eigene Konfiguration bereitstellt, sondern nur die Emacs-Binaries für den Mac.

Donnerstag, 5. Juli 2018
Dienstag, 12. Juni 2018

Englische TeX-FAQ neu aufgesetzt

Die große Zeit der FAQs ist eigentlich vorbei. Ihr Ursprung lag in den Mailinglisten und im Usenet, wo die Regulars es leid waren, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten. Deshalb stellten sie Listen zusammen von häufig gestellten Fragen und häufig daraufhin gegebenen Antworten. Sie werden noch heute bei faqs.org gesammelt, aber man sieht, das letzte Update liegt schon eine Weile zurück.

Die deutsche TeX-FAQ Fragen und Antworten (FAQ) über das Textsatzsystem TeX und DANTE, Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V. von Bernd Raichle, Rolf Niepraschk und Thomas Hafner wurde bis 2003 in elf Teilen in de.comp.text.tex gepostet, meistens sonntags, und das war aufgrund der langen Haltezeiten auf den Newsservern ein zentraler Informationskanal. Daneben gab es Fassungen als PDF auf CTAN und in HTML für das Web.

Mit dem Aufkommen der Wikis in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre ließ das Interesse an den FAQs nach. Gleichzeitig sank die Bedeutung des Usenets. Die Blogs und die Webforen traten an seine Stelle, später auch die Sozialen Netzwerke. Außerdem wurde nun gegoogelt; das Suchen ersetzte die Diskussion. Seit Ende der 2000er-Jahre gab es wieder einen regelmäßigen Pointer in de.comp.text.tex, der aber keine Inhalte mehr bereitstellte, sondern, wie der Name schon sagt, nur auf Ressourcen im Web verweist. Die Einführung in dctt wurde wohl bis Dezember 2015 gepostet.

Nach einem Intermezzo im Vereinswiki von DANTE kam es zum vollständigen kollaborativen Neuschrieb der deutschen FAQ auf texfragen.de, begonnen von Patrick Gundlach und seit 2017/2018 fortgeführt von Stefan Kottwitz. Ein PDF-Export aus dem Dokuwiki steht auf CTAN bereit, derzeit allerdings auf dem Stand von 2013. Das Wiki ist also aktueller als der auf CTAN verfügbare Export.

Daneben gab und gibt es die umfangreiche und – ich glaube, man kann es mit Recht so sagen – bis heute nicht erreichte UK TeX FAQ, in der Robin Fairbairns zuletzt 469 Fragen und Antworten nicht nur gesammelt, sondern auch in eine sehr lesbare Form gebracht hatte. Aus Robins FAQ hatte auch ich über die Jahre immer wieder einiges gelernt. Leider stammt die letzte Fassung in der Version 3.28 aus dem Sommer 2014, was in der heutigen Zeit auch in der TeX-Welt schon ein ziemlich langer Moment ist. Robin Fairbairns hat zudem, seit er den Ruhestand angetreten hatte, seine Mitarbeit im CTAN-Team und seine Beiträge für die FAQ eingstellt.

Zum vierten Jahrestag der Veröffentlichung der letzten Fassung haben nun David Carlisle, Stefan Kottwitz, Karl Berry und Joseph Wright bekanntgegegen, dass sie die englische FAQ weiter pflegen möchten – die Liste der bisherigen Beiträger aus früheren Tagen ist freilich etwas länger. Um die Textsammlung weiter bearbeiten zu können, wurden die Quellen nach Markdown konvertiert und in ein Repository auf GitHub übetragen. Mittels GitHub Pages kann die FAQ von dort aus unmittelbar und ohne einen weiteren Zwischenschritt gehostet und unmittelbar als Website gelesen werden. Die kanonische URL ist von nun an texfaq.github.io bzw. texfaq.org. Und auch der Name wurde leicht geändert: Aus UK TeX FAQ wurde The TeX Frequently Asked Question List.

Und obwohl, wie eingangs erwähnt, die FAQs durch die Webforen und die Suchmaschinen, die heutzutage fast alle Fragen direkt und schnell beantworten, etwas an den Rand gedrängt worden sind, ist dies alles ganz sicherlich eine gute Nachricht, denn eine freie und aktuelle Referenz zu TeX & Friends ist weiterhin sehr wünschenswert und auch notwendig. Ein längerer Text, der Grundlagen erklärt, Zusammenhänge herstellt und der auch gut lesbar ist.

Kritisch angemerkt sei die Frage, ob man für das Hosting tatsächlich auf die Infrastruktur eines kommerziellen Dienstes zurückgreifen sollte oder ob es nicht doch vorzugswürdig wäre, die Web-Version auf einem eigenen Hosting zu betreiben? Oder gleich auf CTAN? Es sollte heute eigentlich kein Problem mehr sein, zumindest tägliche Snapshots aus einem Repositorium auf CTAN für das Web zu spiegeln.

Update 13. Juni 2018: Ich vergaß ja ganz, dass es auch etwas wirklich Neues in Bezug auf die englische FAQ anzumerken gibt: Sie wurde nunmehr unter eine CC-0-Lizenz gestellt.

Montag, 11. Juni 2018

Yahoo Messenger, 1998–2018

Nach 20 Jahren schließt Yahoo seinen Instant-Messaging-Dienst.

In der Diskussion dazu beschreibt ein Teilnehmer am Heise Forum die Entwicklung:

Als Urgestein würde ich IRC bezeichnen und das lebt immer noch, auch wenn es nicht mehr sehr verbreitet ist.

Sterben tun nicht die Standards, sondern proprietäre Dienst unter Kontrolle einer einzelnen Firma werden abgeschaltet, wenn sie keine Gewinne mehr einfahren. Ein offener Standard ohne zentrale Verwaltung kann nicht abgeschaltet werden. Es können höchstens die Nutzer ausbleiben.

Er empfiehlt Matrix zum Chatten; kann aber noch mehr.

Samstag, 9. Juni 2018

Kaum einen Hauch VI

Es sind ja nicht nur Blogs, auch im Journalismus ändert sich etwas. Der ORF zieht sich weitgehend von Facebook zurück, schreibt der Standard: Die derzeit rund 70 ORF-Auftritte auf Facebook sollen auf rund 15 eingedampft werden, wegen „Datenmissbrauch und Intransparenz“ des Netzwerks. Man schalte keine Werbung mehr auf Facebook und YouTube, und es solle auch keine Uploads von Videos auf YouTube geben. Stattdessen Links auf die eigene TVThek.

Ein Paradigmenwechsel. Im besten Fall werden wir uns einmal an die Zeit der Datenkraken erinnern wie wir heute an die Zeit zurückdenken, als es sie noch gar nicht gab. Man darf gespannt sein, welchen Weg die heutigen Benutzer wählen werden – diejenigen, die dort noch immer aktiv sind. Es kann alles nur besser und freier werden.

red. 2018. Teilrückzug: ORF dampft seine Facebook-Auftritte um 80 Prozent ein. derStandard.at. 7. Juni. derstandard.at (zugegriffen: 9. Juni 2018).

Freitag, 8. Juni 2018

LaTeX lebt

Dear TeXers,

Summer with its conferences is upon us. I am writing this text after a full day at the Joint Conference on Digital Libraries at Fort Worth, TX. As befits JCDL, at registration we were given the proceedings volume in digital form. By the way, I've run pdfinfo on the files and found out that of 102 papers presented there, 68 were typeset in TeX. I think the rumors of the imminent demise of TeX in the academic world are somewhat exaggerated. […]

Boris Veytsman, TeX Announce Mailing List, 7. Juni 2018.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Kaum einen Hauch V

Natürlich legt Jörg Kantel den Finger in die Wunde, wenn er darauf hinweist, dass die kommerziellen und durch Datenhandel finanzierten Datensilos nicht so einfach zu ersetzen sein werden, wie die Freie-Software-Gemeinde es sich mitunter wünscht. Es ist pragmatisch, sie trotz allem zu nutzen. Und er legt heute noch einmal nach und entwirft ein Szenario für ein Web ohne Server und ohne Browser. Das wäre natürlich ein veritabler Pradigmenwechsel.

Der Content läge dann nicht mehr im Web, begraben in Datensilos, sondern lokal auf den Rechnern der Benutzer. Er wäre dort auch frei im Sinne von: jederzeit weiter zu verarbeiten, denn er läge in einem Metaformat wie Markdown – oder m.E. sympathischer: Org-mode – vor, reduziert auf die Elemente, die man zur Auszeichnung von Text tatsächlich braucht. Und der Content wäre in diesem Sinne auch dezentral vorhanden, denn man könnte ihn leicht in mehrere Clouds als Backup spiegeln. Das Web verbliebe als öffentlicher Spiegel des lokalen Archivs, bereitgestellt als Quelle, als (X)HTML zum Surfen, zum Drucken, zum Forken, Kopieren usw. Und damit es einfach und praktikabel bleibt (siehe oben), könnte dieser letzte Schritt der Veröffentlichung dann auch auf kommerziellen Plattformen spielen, damit es handhabbar und einfach und möglichst hoch verfügbar wäre.

Aber warum denn nun noch den letzten Schritt bei der Krake ansiedeln? Weil es in diesem Bild immer noch einfacher erscheint, statische Seiten zu erzeugen, die man der Krake übergibt, nur zum Weiterreichen an andere, als die Krake selbst zu ersetzen.

Und gerade das überzeugt mich nicht. Denn etwas fehlt in diesem Bild, nämlich Der Ekel vor dem Netz, wie Günter Hack es genannt hatte – ja, ich wiederhole mich bisweilen. Dieser Ekel sorgt nämlich für Stress, weil man ja die ganze Zeit hinweg dann doch wieder etwas tut, was man eigentlich gar nicht will: Im Datensilo, bei der Datenkrake oder in einem „sozialen“ Netzwerk für Content sorgen und damit seine Leser der dortigen Schnüffelei aussetzen. Jeder Blogpost bei WordPress.com nährt das Ökosystem aus Datensammelei und Datenhandel – man lese sich nur einmal die sogenannte Datenschutzerklärung von Automattic an. Jedes Repositorium bei GitHub (hab da ja auch eines) nährt nunmehr Microsoft.

Was wir wirklich bräuchten, wäre eine genossenschaftliche Struktur, um diese „letzte Meile“ im Publikationsprozess auch noch sauber und appetitlich abzudecken, um den Ekel aus der Kette endlich ganz zu tilgen. Wenn es so schwierig ist, das selbst zu machen, wäre das doch ein Ziel: Unabhängig werden von den Konzernen. Basisdemokratisch und so. Ist das schon zu lange her? Geht das heute nicht mehr? Ich dachte, die Windräder wären so im Kommen. Wo ist der Wind für das Web ohne Konzerne? Sonst hat das doch alles am Ende keinen Sinn.

Ich glaube nicht, dass es statische Seiten sein müssen. Die Entscheidung für statische Seiten ist für mich vor allem eine Frage der Wartbarkeit und der Langzeitarchivierung. Ich möchte eine Quelle haben, die auch langfristig funktionieren wird, so wie meine LaTeX-Dokumente von vor achtzehn Jahren heute auch immer noch lesbar sind und größtenteils kompilierbar. Ob Markdown dafür die richtige Wahl ist, bezweifle ich, denn es ist zu sehr an die großen kommerziellen Lösungen wie GitHub angedockt. Ein richtiges Nerd-Format wie Org-mode ist wohl doch eine bessere Wahl auf lange Sicht.

Das Für und Wider von datenbankbasierten Bloggersystemen wie WordPress und statischen Systemen wie Hugo oder Jeckyll erinnert mich eher an die Glaubenskriege zwischen CLI und GUI, wie sie in dem Essay In the beginning was the command line von Neal Stephenson beschrieben wurden – ein Text, der übrigens derzeit wohl nur noch in dezentralen Archiven zu finden ist, wenn man das so nennen will. Glücklich, wer noch eine lokale Kopie davon hat.

Dienstag, 5. Juni 2018

On the track III

Die Übernahme von GitHub durch Microsoft erinnert an das – rein fiktive – Startup My beloved pet dot com, das Constanze Kurz und Frank Rieger einst in ihrem Buch Die Datenfresser auftreten ließen, um zu demonstrieren, wie Datenhandel funktioniert. Das sympthische kleine Unternehmen wird von dem riesigen Weltkonzern geschluckt, um die Benutzerdaten weiterzureichen und zu verwerten. Es zeichnet sich ab, dass zumindest ein Teil der Community neue Wege gehen wird. Das Web ist in ständiger Re-Organisation, es verteilt sich immer wieder neu, und der Name Microsoft ist nicht gerade vertrauensstiftend. Ob GitLab ein Ausweg ist? Eher nein. Dezentrale Lösungen für Offene Daten würden gebraucht. Sowas sollte zur Grundausstattung einer Zivilgesellschaft gehören.

Demgegenüber meldet der Verbraucherzentrale Bundesverband einen kleinen Erfolg: Apple hat laut VZBV eine Unterlassungserklärung abgegeben, der zufolge die Teilnahmebedingungen für Schülerkurse in den Apple Stores geändert werden müssen. Der Verband hatte die Bedingungen fast vollständig als rechtswidrig kritisiert.

Was macht die Schule in einem Apple Store?

Apple bot in seinen Verkaufsläden „Entdeckungsreisen“ für Schülergruppen an. In den Kursen konnten die Kinder unter Anleitung und mithilfe von Geräten des Konzerns ihre Projekte gestalten.

Und was war dabei rechtswidrig?

Apple behielt sich das Recht vor, die Kinder während der Kurse zu fotografieren und zu filmen und die Aufnahmen umfassend zu verwerten. Außerdem lehnte das Unternehmen jegliche Haftung ab. Das sollten die Eltern mit ihrer Unterschrift auf einer Einverständniserklärung bestätigen.

Über das Eindringen der Konzerne in die Schulen wird viel zu wenig berichtet. Apple liefert coole iPads, und Google hat einen Einplatinen-Computer, den empfiehlt die Internetbotschafterin der Bundesergierung. Eine ganze Generation von Schülerinnen und Schülern wird erfasst und auf ihrem weiteren Weg „begleitet“ und vermarktet. Und das ist modern.

Samstag, 2. Juni 2018

William Kentridge, „O Sentimental Machine“ im Liebieghaus, Frankfurt am Main

In der Mitte des dunklen Raums steht eine phantastische Maschine. Ein großer, unentwegt atmender „Elefant“ als Holz und Metall, der vor sich hin arbeitet, ohne Pause, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Ziel, aus sich heraus und für sich. Große Hebel, schiebende Flügel. Es dreht sich und es hebt sich etwas. Und trotz der Bewegung ruht er doch in sich. Ich glaube, es liegt an dem warmen Material Holz. Rundherum nicht weniger phantastische Filmszenen aus fünf Projektoren, die teils auf Holzplatten, teils auf die Reliefs im Rom-Saal des Liebieghauses leuchten und Szenen zeigen, Fragmente aus der Kunst, aus der Wissenschaft, Szenen einer Ehe, die Prozession einer politischen Bewegung. Und Metronomen, immer wieder. Vieles wird vorbeigetragen. Das ganze zu nicht weniger phantastischer Musik. Sie ist das schwächste Element von allen und kann sich nur deshalb gegen die Optik behaupten, weil sie über vier mächtige Lautsprecher gespielt wird, die in den Ecken ziemlich an der Decke platziert sind, vermehrt um vier Megafone, die frei im Raum verteilt sind und über die immer wieder gesungene, deklamierte oder gemurmelte Texte zu hören sind. Die Zuschauer können sich frei im Raum bewegen oder sich auf ein paar um den „Elefant“ verteilte Stühle – einfache Holzstühle und Drehstühle – setzen. Man muss sich immer wieder hin und her drehen, man bleibt in Bewegung, ist Teil der Bewegung, der Dynamik.

The refusal of time von William Kentridge, das zurzeit im Liebieghaus zu sehen ist, ist ein wahres Spektakel. Es dauert eine halbe Stunde, aber man meint, es wäre ein ganzes Leben. Ich habe schon lange nicht mehr in so kurzer Zeit so viel Zeit erlebt. Der „Elefant“ relativiert die Zeit und macht sie bewusst. Und es ist nur eines von 80 Werken in der Ausstellung, aber es ist bei weitem dasjenige, das mich am meisten angeregt hat. In der gestern neu eröffneten Kunsthalle Mannheim sei es auch zu sehen. Es gibt also mehrere davon. Wie beruhigend.

In diesem Interview im Louisiana Channel erzählte Kentridge 2017 – ebenfalls eine halbe Stunde lang – über das Werk, das zuerst 2012 bei der documenta 13 gezeigt worden war:

William Kentridge. O Sentimental Machine. Bis 26. August 2018 im Liebieghaus, Frankfurt am Main. Kuratoren: Vinzenz Brinkmann und Kristin Schrader. Katalog im Kerber Verlag, im Museum 39,90 Euro.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Kaum einen Hauch IV

Schon wieder zwei Blogs weniger in meinem Feedreader. Aber nicht alle Blogs, die derzeit geschlossen werden, werden wegen des Inkraftretens der Datenschutz-Grundverordnung geschlossen. Das ist auch kein Anzeichen einer Entdigitalisierung. Es ist einfach eine Bereinigung der Kommunikationskanäle, die man unterhält. Too much information.

Es ist ein Bewusstwerden über die allgemeine Verzettelung. Man konzentriert sich auf das, was wirklich wichtig ist. Ein Anlass zur Beschränkung. Was wertvoll ist, erhält man, was entbehrlich ist, kann weg.

Und man vergewissert sich der dunklen Seite des digitalen Lebensstils. Bloggen heißt Publizieren und damit Ansprüchen Dritter ausgesetzt zu sein. Die Sozialen Medien haben einen sozialen, und das heißt auch: einen rechtlichen Bezug.

Das alles vor dem Hintergrund des Ekels vor dem Netz und des Rückzugs aus der Öffentlichkeit in private Grüppchen bei privaten Datenkranken seit 2013/14.

Natürlich verändert sich damit die digitale Öffentlichkeit. Allzu Privates schwindet, das Kommezielle tritt noch mehr hervor als bisher schon. Es ist eben ein Umbruch, aber weil er mit einer Selbstvergewisserung verbunden ist, ist es ein Umbruch zum Besseren hin.

Sonntag, 27. Mai 2018

„Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“ im Städel Museum, Frankfurt am Main

Es ist eine kleine Ausstellung von meist sehr eindrücklichen Radierungen und Zeichnungen. Die Blätter werden in einem betont ruhigen Umfeld gezeigt, gedämpftes Licht – der Raum temperiert durch eine ziemlich kühle Klimaanlage. Lucian Freud und Frank Auerbach teilen die Emigration als Kinder aus Nazi-Deutschland nach Großbritannien. Sie waren befreundet, die gegenseitige Beeinflussung fühlt man förmlich, aber auch die jeweils eigene Handschrift. Ein Blickfang ist das Selbstbildnis Auerbachs in Graphit auf Velin: Überdimensionaler Kopf in groben Zügen, schwarze und graue Linien, grob und unruhig und doch plastisch und lebendig im guten Sinne. Freud dagegen: detailreich, und alles andere als modelhafte Modelle aus irritierendem Blickwinkel. Was beide Künstler eint ist, dass sie uns das genaue Hinsehen lehren, die Suche nach dem, was hinter der Linie liegt und was die gar nicht leicht skizzierten und in die Druckplatte geritzten Striche auf Dauer miteinander verbindet. Eine absolut sehenswerte Ausstellung. Zum Schluss ein Blick auf die handwerkliche Seite der Radierung. Leider fehlt Francis Bacon, der dritte der „Londoner Schule“, derzeit in der Gegenwartskunst.

Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter. Kuratorin: Regina Freyberger. Städel Museum, Frankfurt am Main. Bis 12. August 2018. Katalog: 15 Euro. – Einführung von Regina Freyberger im Städel-Blog: „Wie ein Ungeheuer, das in die Welt hinausstolziert“.

Samstag, 26. Mai 2018

Kaum einen Hauch III

Wie eine Furie des Verschwindens entgleitet uns die netzpolitische Diskussion aus den Händen. Der Anlass: Ein Schnelllöschantrag auf die Weiterleitung 0zapftis in Wikipedia. Leitet weiter zu Online-Durchsuchung. Da war doch was? Aber was? Der Bayerntrojaner – vom CCC im Jahr 2011 beschrieben. Aber weder spiegel.de noch zeit.de liefern: null. Heise: Nur zehn Treffer, davon die Hälfte aus WWWW (also nicht zu gebrauchen) und einmal c't (also nicht frei abrufbar). Genios: Nur ein ziemlich schwacher Beitrag aus der Welt und ein Kommentar aus der Rhein-Zeitung. Archive.org: Fehlanzeige. Netzpolitik.org verlinkt dann endlich die alten Beiträge bei der Zeit und bei der FAZ. Auf GitHub via dieser Notiz zum 28C3. Via WorldCat zu diesem Paper. – Aber meine Güte: Wo ist unsere Geschichte geblieben? Sie verrinnt vor unseren Augen und verschwindet im Netz, das angeblich nichts vergisst. Alle reden von Snowden, und keiner erinnert sich mehr an die hausgemachten Skandale.

  • Biermann, Kai. 2011. Onlinedurchsuchung: CCC enttarnt Staatstrojaner. Die Zeit, 8. Oktober, Abschn. Digital. www.zeit.de (zugegriffen: 26. Mai 2018).
  • Carbone, Richard und Canada. 2013. Malware memory analysis for non-specialists: investigating publicly available memory image Ozapftis (R2D2). Place of publication not identified: Defence Research and Development Canada. publications.gc.ca (zugegriffen: 26. Mai 2018).
  • N.N. 2011a. Chaos Computer Club analysiert Staatstrojaner. Chaos Computer Club. 8. Oktober. www.ccc.de (zugegriffen: 25. Mai 2018).
  • ---. 2011b. Addendum Staatstrojaner. Chaos Computer Club. 9. Oktober. www.ccc.de (zugegriffen: 25. Mai 2018).
  • Rieger, Frank. 2011. Ein amtlicher Trojaner: Anatomie eines digitalen Ungeziefers. FAZ.NET, 9. Oktober, Abschn. Feuilleton. www.faz.net (zugegriffen: 26. Mai 2018).
Freitag, 25. Mai 2018

Kaum einen Hauch II

Wer zählt die E-Mails, wer die Klicks, die angeblich notwendig waren gestern und heute, angeblich um dem Datenschutz zu genügen? Wo wäre der Datenschutz heute ohne sie?

… Daher bitten wir Sie um Rückmeldung, falls Sie in Zukunft keine E-Mails mehr von uns erhalten möchten …… Wenn Sie weiterhin Informationen vom uns erhalten möchten, müssen Sie nichts weiter tun. Möchten Sie jedoch aus unserem Verteiler entfernt werden, bitten wir Sie um eine kurze Nachricht per E-Mail, dass Ihre Daten gelöscht werden sollen …… benötigen wir nun Ihre ausdrückliche Zustimmung, wenn wir Ihre E-Mailadresse weiterhin elektronisch speichern wollen und Ihnen über die Mailingliste weiterhin den Newsletter mit unseren Informationen zukommen lassen möchten …… aktualisieren wir zzt. unsere Daten. Vor dem Hintergrund der am 25. Mai 2018 in Kraft tretenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bitten wir Sie daher um eine (nochmalige) Bestätigung Ihrer Newsletter-Anmeldung – ansonsten werden wir Ihnen nach dem 25.5. keinen Newsletter mehr zusenden …… Um auch dann weiterhin diese Newsletter rechtssicher an Sie versenden zu können, ist an dieser Stelle (evtl. nochmals seufz, aber das ist vorgeschrieben) Ihre Einwilligung erforderlich …

Bei einem Berliner Verein taucht die neue Datenschutzerklärung tatsächlich drei Stunden vor Ablauf der Frist noch auf der Website auf. „Unser Unternehmen“. Ah. Und entschuldige bitte den langen Brief, ich hatte keine Zeit, dir einen kurzen zu schreiben.

Endzeitstimmung macht sich breit. Blogs schließen ihre Kommentare (ich ja auch). Newsletter werden abbestellt oder nicht verlängert. Mailinglisten wechseln den Admin aus, weil sich der alte nicht mehr traut weiterzumachen. Und ganz viele Accounts werden geschlossen.

Es ist abzuwarten, wie es weitergeht mit dem Internet, das nichts vergisst. Mit ewigen Archiven, vollständig und unverrückbar, eigentlich nur mit Bibeln zu vergleichen.

In den letzten Wochen trennte ich mich von meinen letzten Nur-Lese-Accounts bei Facebook und Twitter. Flickr hatte ich schon seit 2015 nicht mehr verwendet. Das ist ein Teil von Yahoo. Man glaubt es gar nicht, wo man überall noch Konten hatte. Ein Anbieter schreibt mir auf Englisch, als ich den Zugang schließen möchte, eine Right-to-be-forgotten-Anfrage könne nur bearbeitet werden, wenn eine Kopie eines amtlichen Dokuments beigebracht werde, auf dem der Name des Betroffenen und die E-Mail-Adresse zu lesen sei, unter der man sich registriert habe. – Schnell weg da, weg da, weg!

YouTube ist unter folgender Anschrift zu erreichen: YouTube LLC, 901 Cherry Ave., San Bruno, CA 94066, USA. Die Datenschutzerklärung findet man unter policies.google.com

Dienstag, 22. Mai 2018

Blogroll

Die Frage, welche Blogs man lesen sollte oder wie man überhaupt lesenswerte Blogs finde, wird öfter gestellt. Vor allem Anfänger im Bloggen stellen sich das Lesen von Blogs als eine regelmäßige Lektüre vor, wie man eine Zeitung abonniert hat oder wie jeden Abend um 20 Uhr die Tagesschau in der ARD ausgestrahlt wird.

Natürlich ist das nicht ganz fernliegend – man kann das so machen. Aber das Lesen im Netz ist doch etwas anders als das lineare Lesen auf Papier. Es ist eben ein Lesen im Netzwerk – von Hypertexten im Netzwerk – und ein Schreiben von Hypertexten – im Netzwerk.

Die Blogroll ist seit je eine Liste der Blogs, denen man folgt, die man liest, mit denen man sich verbunden fühlt. Aber im Laufe der Zeit verschwand sie immer öfter, die Blogroll, ziemlich zu der Zeit, als die Sidebar in den Blogs immer seltener zu sehen war, als das responsive Weblayout häufiger wurde.

Nachfolgend also eine Liste von Blogs, auf einer eigenen Seite. Die Liste ist thematisch geordnet, aber sie ist nicht abschließend, sie ist bis auf weiteres in Bewegung und ich werde sie in der nächsten Zeit noch öfter bearbeiten. So, stay tuned …

Datenschutzerklärung

Verantwortlich im Sinne von Art. 4 Ziff. 7 DSGVO: Dr. Jürgen Fenn, Friedensallee 174 / 20, 63263 Neu-Isenburg, Deutschland. E-Mail: juergen.fenn@gmx.de .

Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung ist Art. 6 I 1 lit f DSGVO.

Beim Betrieb dieses Blogs werden keine personenbezogenen Daten erhoben. Es sind keine Tracking-Dienste eingebunden, es werden keine Webfonts verwendet und auch keine Cookies gesetzt. Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.

Das Blog wird bei antville.org gehostet. Die dabei verwendete Software setzt beim Aufruf der Website einen Session-Cookie. Antville.org loggt keine IP-Adressen oder sonstige Daten beim Lesen der Website.

Antville ist unter folgender Anschrift zu erreichen: antville – Verein für Entwicklung, Betrieb und Unterstützung freier Publishing-Software, Gisela-Legath-Gasse 5/27, 1220 Wien, Österreich, E-Mail: mail@antville.org . Die Datenschutzerklärung findet man unter about.antville.org.

Für die Suchfunktion ist eine Abfrage bei DuckDuckGo integriert. Das Unternehmen DuckDuckGo ist erreichbar unter der Anschrift: Duck Duck Go, Inc., 20 Paoli Pike, Paoli, PA 19301. Die Datenschutzerklärung von DuckDuckGo findet man unter duckduckgo.com.

In manchen Blogbeiträgen sind Videos eingebunden, die auf der Plattform Vimeo gehostet werden. Das Unternehmen ist unter folgender Anschrift zu erreichen: Vimeo, Inc., 555 West 18th Street, New York, New York 10011, USA. Die Datenschutzerklärung findet man unter vimeo.com.

In manchen Blogbeiträgen sind Videos eingebunden, die auf der Plattform YouTube gehostet werden. Das Unternehmen ist unter folgender Anschrift zu erreichen: YouTube LLC, 901 Cherry Ave., San Bruno, CA 94066, USA. Die Datenschutzerklärung findet man unter policies.google.com.

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Zuständige Aufsichtsbehörde für Beschwerden ist: Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Postfach 3163, 65021 Wiesbaden, E-Mail über das Kontaktformular; eine E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme ist zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Erklärung (Mai 2018), soweit ersichtlich, nicht veröffentlicht worden.

Im übrigen verweise ich auf den 18. Erwägungsgrund zur Datenschutz-Grundverordnung.

Montag, 21. Mai 2018

(La)TeX auf Wikidata

Über die Wikidata-Query-Abfrage kann man sich die Liste der (La)TeX-Befehle für Sonderzeichen ausgeben lassen, die in Wikidata einen eigenen Eintrag haben. Damit sich in dem Formular etwas tut, muss man dann noch auf das blaue Dreieckssymbol links klicken. Es werden 67  Items ausgegeben (via Wikidata Status Update 312).

Mittwoch, 16. Mai 2018

ZoteroBib

ZoteroBib ist eine Web-Lösung, die auf der Literaturverwaltung Zotero aufsetzt und sich wohl an Anwender richtet, die Zotero (noch) nicht installiert haben. Der Blogpost aus der vergangenen Nacht gibt eine etwas ausführlichere Einführung. Einträge können per URL, ISBN oder DOI erstellt und im lokalen Browser-Cache gesammelt werden (wenn man das zulässt). Man kann also weitersurfen und immer wieder zu der Seite zurückkehren. Jeder Eintrag kann händisch nachbearbeitet werden, was z.B. notwendig wird, wenn das Tool Probleme mit Umlauten hat. Die Formatierung erfolgt über das bekannte Reservoir an den in Zotero verfügbaren Zitierstilen (derzeit sind es über 9000, wie man liest). Am Ende können sowohl einzelne Einträge als auch die komplette Literaturliste formatiert exportiert werden, entweder in die Zwischenablage, als Datei (RTF, RIS, BibTeX, HTML) oder direkt zur Übernahme ins lokal installierte Zotero. – Eine Notlösung, natürlich, wohl vor allem für mobile Anwender, die neugierig machen will in einem hart umkämpften Markt, in dem man bekanntlich nicht zimperlich ist, wenn es um Gratis-Varianten und Campus-Lizenzen geht.

Montag, 14. Mai 2018

Kaum einen Hauch

Das ist ein Umbruch, den wir erleben, und ich merke, dass ich in den letzten Wochen ein bisschen wehmütig geworden bin. Ist es tatsächlich schon über zehn Jahre her, dass die Netzgemeinde aufbrach, um aus dem Nest, das sie sich gebaut hatten, das „Neuland“ zu vertreiben? Dreizehn Jahre ist es her, dass der AK Vorrat gegründet wurde? Zwölf Jahre: die Piratenpartei? Acht Jahre seit der Einrichtung der Enquète-Kommission Internet und digitale Gesellschaft? Fünf Jahre seit der Snowden-Affäre? Drei Jahre seit der Safe-Harbor-Entscheidung des EuGH? Zwei Jahre seit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung?

Ihr naht euch wieder, wankende Gestalten, und einige haben einen eigenen Wikipedia-Artikel bekommen, andere nicht. Nicht mehr; die Karawane war schon weitergezogen, als sie endlich relevant gewesen wären, denn irgendwann haben wir aufgehört, Dinge ins Internet zu schreiben. Ich merke, dass es mich anrührt, wenn ich sehe, dass sich auch heute noch Lücken auftun, und habe deshalb nach der letzten Sendung von Scobel auf 3sat von der re:publica Jeanette Hofmann und Judith Simon zwei Artikel geschrieben. Wie soll es denn je weiter vorangehen, wenn wir unsere Themen und Akteure nicht an dem Ort einbringen, wo der Mainstream stattfindet? Überhaupt: die re:publica gibts auch schon seit elf Jahren, und sie ist im Vergleich zu damals heute nicht mehr wiederzuerkennen.

Und jetzt: die DSGVO. Auch sie ein Umbruch, nicht so sehr für die Internetkonzerne und die Datenhändler – die nehmen das ganz cool, Google My Activities und so –, sondern vor allem für die Netzkultur. Gilt die DSGVO überhaupt für Blogger? Darüber würde ich mir weniger Sorgen machen, denn das echte Bloggen gibt es mittlerweile so selten, dass die Teilnehmer an meinen WordPress-Kursen, die einfach nur so drauflos schreiben wollen, die absolute Ausnahme geworden sind. Der Schwerpunkt liegt heute ganz klar im Bereich Werbung und PR, auch das ein großer Unterschied zu damals(TM), so dass man als Blogger erst einmal darzulegen hätte, dass man noch zur alten Schule gehört, so wie du oder ich. Was damals der Normalfall war, ist heute ein Geheimtipp, den man wie ein Trüffelschwein im dunklen Wald erst suchen muss.

Immerhin, auch die Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen (also die Vereinigung der Rechtsbibliothekare) nimmt die Einführung der DSGVO zum Anlass, ihren Newsletter einzustellen. Ach, sie verweisen auf ihren RSS-Feed – mon amour. Und Tacheles schließt sein Hartz-IV-Forum – wenn auch zumindest auch aus anderen Gründen (Die „Qualität“ in der Beratung ist deutlich den Bach runter gegangen, und deswegen ziehen wir jetzt die Reißleine.). Ja, das war mal Kult. Herr Larbig, um nochmal auf die Blogger zurückzukommen, entfernt Twitter- und Instagram-Buttons aus seinem Blog und lässt die Google-Webfonts weg. Das muss ihm weh getan haben. Sei der Erste der einen Kommentar abgibt!

Über allen Blogs ist Ruh, – über allen Plattformen spürest du – kaum einen Hauch.

Das ist ein Umbruch, den wir erleben, und ich merke, dass ich in den letzten Wochen ein bisschen wehmütig geworden bin.

Samstag, 28. April 2018

TeX Live 2018 veröffentlicht

Installation von MacTeX 2018 PretestKarl Berry hat in der vergangenen Nacht den Release von TeX Live 2018 bekanntgegeben. Das Projekt ist früh dran – in den Vorjahren kam die neue Version der Distribution meist erst im Spätsommer heraus. Diesmal also rechtzeitig zur TeX-Tagung im polnischen Bachotek.

TeX Live 2018 ist die erste Version, die mit dem neuen LaTeX-Kernel ausgeliefert wird, der UTF-8 als Standard-Eingabekodierung auch für die Engine pdfTeX einführt – wer XeTeX oder LuaTeX verwendet, musste schon bisher direkt in UTF-8 arbeiten, alle anderen können es nun ebenfalls. Die meisten Benutzer sollten davon nichts bemerken, weil sie für alles, was über 7bit hinausging, schon immer auf das Paket inputenc angewiesen waren, das natürlich immer noch funktioniert, aber es ist doch ein Einschnitt in der TeX-Welt und kam auch erst recht kurzfristig vor dem Release der Distribution herein. Der Issue auf GitHub datiert vom 25. März, kurz darauf kamen die LaTeX News 28 mit der offiziellen Ankündigung heraus.

Soweit die Theorie. In der Praxis ruckelt es dagegen bisweilen noch heftig. Beispielsweise funktioniert derzeit das Paket csquotes für die Formatierung von Zitaten noch nicht ganz reibungslos mit UTF-8-kodierten Quelltexten. Davon sind auch Klassen und Pakete betroffen, die csquotes hinzuladen, wessen sich der Anwender bisher ggf. noch gar nicht bewusst war. In diesen Fällen kann ein beherztes \UseRawInputEncoding ganz zu Beginn eines LaTeX-Dokuments dafür sorgen, dass der Text dann doch noch kompiliert werden kann. Das ging auch früher schon, ist aber nur ein kruder Hack, denn LaTeX wählt dann wirklich genau das, was im Quelltext steht, und wendet keinerlei eigenes Mapping mehr an. An Abhilfe an den Paketen wird derzeit gearbeitet. Falls ein Dokument dagegen wegen einer Änderung im LaTeX-Kernel nicht mehr kompiliert, kann man mit dem Paket latexrelease immer eine frühere Version des Kernels auswählen.

Das obige Zitat hat es schon gezeigt: Die LaTeX-Entwicklung ist mittlerweile auf GitHub umgezogen, was zu einem sehr viel lebhafteren Kontakt mit der Nutzergemeinde geführt hat als das alte Repository plus Mailingliste.

Die übrigen Neuerungen von TeX Live 2018 gegenüber der Vorjahresversion halten sich dagegen in Grenzen: Für die meisten Diskussionen hatte bisher eine Änderung in der Bibliothek Kpathsea gesorgt, in deren Folge auf unixoiden Systemen einschließlich macOS bei erfolglosen Suchvorgängen eine weitere case-insensitive Suche durchgeführt wird. Im Manual wird beschrieben, wie man das abschalten kann. Bei LuaTeX wird der Umstieg auf Lua 5.3 vorbereitet; die Binary luatex53 ist auf den meisten Plattformen vorhanden, muss aber zu luatex umbenannt werden, damit man sie nutzen kann. Es gibt neue grafische Bedienoberflächen für den Paketmanager tlmgr, die auf die Namen tlshell und tlcockpit hören – ersteres funktioniert mit Tcl/Tk, das Cockpit dagegen mit einem möglichst rezenten Java. Auf dem Mac wurde es nicht getestet (und läuft bei mir auch nicht), wer mit macOS arbeitet, benötigt aber beide neuen Lösungen nicht, denn hier gibt es seit je die TeX Live Utility in MacTeX.

MacTeX 2018 enthält außerdem einige plattformspezifische Anpassungen und zusätzliche Anwendungen. Unterstützt werden in der aktuellen Version macOS 10.10 bis 10.13 (also Yosemite, El Capitan, Sierra und High Sierra). Für ältere Apple-Plattformen gibt es Binaries als x86_64-darwinlegacy. Mac OS X 10.5 Leopard fiel diesmal weg (dazu übrigens ein länglicher Thread in der macports-users-Liste, to whom it may concern), wie auch Windows XP erstmals nicht mehr unterstützt wird. (Update 29. April 2018: Windows XP wird schon seit 2014 in TeX Live nicht mehr berücksichtigt.)

Download von TeX Live 2018 in den nächsten Tagen von CTAN. Es empfiehlt sich, mit dem Herunterladen noch etwas abzuwarten, denn es wird definitiv ein paar Tage dauern, bis alle Spiegelserver auf dem neuesten Stand sind.

TeX Live 2018 ist dem polnischen TeX-Freund Staszek Wawrykiewicz gewidmet, der im Februar verstorben war. Norbert Preining hat in seinem Blog an ihn erinnert. – R.I.P.

Mittwoch, 25. April 2018

Thunderbird löst sich von Mutter Mozilla V

Einer der nächsten Schritte bei der Entwicklung von Thunderbird ist die Frage, was aus den Adblockern wird. Während die Browser-Hersteller dazu übergagengen sind, Content-Blocker in ihre Produkte zu integrieren, deren Funktion für die Benutzer kaum durchschaubar ist, zeigen sich die Entwickler von Adblock Plus und uBlock origin derzeit wenig geneigt, bei der Umstellung der Add-ons auf Webextensions auch Thunderbird weiterhin zu unterstützen. Aber ohne Werbeblocker sei es kaum mehr möglich, RSS-Feeds (mon amour) noch in Thunderbird zu lesen – schreiben diejenigen, die das derzeit tun. Deshalb wird auf der Mailingliste tb-planning darüber diskutiert, ob angesichts dessen ein Werbeblocker direkt in Thunderbird integriert werden sollte. Ob also Thunderbird in den Konflikt mit der Werbeindustrie einsteigen und – wie Google Chrome und Safari – ebenfalls Content blockieren sollte.

Dienstag, 24. April 2018

Geschichte der Suchmaschinen

Das Poster zur Geschichte der Suchmaschinen ist im Rahmen eines studentischen Projektseminars unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Lewandowski entstanden. Es beschreibt die Geschichte der Suchmaschinen auf unterschiedlichen Ebenen, von technischen bis hin zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Fokus der Darstellung ist international; besonders berücksichtigt wird aber die Entwicklung in Deutschland.

via InetBib, 23. April 2018.

Freitag, 20. April 2018

RSS, mon amour

Man redet so viel von RSS in der letzten Zeit, von der Wiederkehr der klassischen Technik des Web 2.0, von der Rückkehr der Feedreader angesichts des Facebook-Cambridge-Analytica-Skandals (war da was? – anscheinend, ja). Und prompt liefert der MDR (sic!) für das von evangelisch.de (sic! sic!) geerbte Journalisten-Watchblog Altpapier einen ebensolchen Feed nach. Eine Website, die bis dato das RSS scheute wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser und allerhöchstens einen Newsletter bediente und ansonsten natürlich die datenkragigen Sozialen Netzwerke. Bei einer Zunft als Zielgruppe, die eigentlich nur noch twittern mochte, wollte man meinen. Und sie bewegt sich also doch, auch diese Zunft. Da war wohl doch was.

Interessant auch die Nachweise bei Jörg Kantel zur Debatte um ein neues Web, angesichts von Walled Gardens, von Plattformökonomie und gar nicht so abwegigen Gedanken von Christian Hauschke zum kürzlichen Ende von Twingly. Aber das nur am Rande. GitHub Pages werden das Web übrigens nicht retten. Aber GitHub lebt, wie früher mal die Bloggerplattformen, vor dem Aufkommen der sozialen Netzwerke und der Zeit, als wir aufhörten, Dinge ins Internet zu schreiben.

Freitag, 13. April 2018

R.I.P. Twingly Blog Search, 2018

Und schon wieder ein Nachruf: Vier Jahre nach Google hat nun auch Twingly seine Blog-Suche geschlossen:

The Twingly Blog Search is closed. If you are interested in API access to the widest coverage of Blog Data in the world, other social data or News, please have a look at our different API offerings.

Gegen cash, natürlich. Keine freien Angebote mehr.

Die Blogosphäre als solches verschwindet zunehmend aus dem Blickfeld. Sie wird nicht mehr abgebildet, sondern vermischt sich mit anderen Angeboten. Der Begriff des Blogs wird diffuser, verliert an Kontur gegenüber Nachrichtenwebsites und Social Media. Die Suchmaschine als eine Konstruktion des Webs zeigt die Blogs nicht mehr als eigene Kategorie, die es wert wäre, gesondert wahrgenommen zu werden. So folgen die Blogs den Wikis, die – mit Ausnahme der Wikipedia – ja auch schon lange nicht mehr in den Suchmaschinen auftauchen. Nach oben gespült wird das, was mit Suchmaschinenoptimierung gepusht wird, ganz unabhängig von Format und Qualität.

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