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Dienstag, 18. Juni 2019

Aus der Werkstatt

Es ist ja viel die Rede von Jürgen Habermas derzeit, zum 90. Geburtstag kann man das auch schon mal machen. Viele haben über ihn geschrieben, die Deutsche Welle (sic!) hat mit seiner Lektorin Eva Gilmer gesprochen, und da gab es eine Stelle, an der man als Nerd denn doch aufhorcht, weil davon ja sonst so gar nicht die Rede ist:

DW: In welchem Zustand kommen die Manuskripte bei Ihnen an und wie lange dauert es, bis Habermas eine Publikation wie „Auch eine Geschichte der Philosophie“ fertigstellt?

Gilmer: Auf den ersten Teil der Frage möchte ich am liebsten antworten: In Form von Word-Dateien, die via E-Mail übermittelt werden. Aber natürlich meinen Sie etwas anderes. …

Montag, 17. Juni 2019

Literaturkritik in der Abseitsfalle

In ihrem Interview im Börsenblatt hatte Iris Radisch nicht viel zu sagen, als sie von Stefan Hauck auf die Buch-Blogger angesprochen wurde:

Man muss sie ernst nehmen, denn das alte Reich-Ranicki-Imperium der Literaturkritik, das gibt es nicht mehr.

Ende der Durchsage. Es folgt noch eine Beschreibung des Umfelds, in dem sie selbst arbeitet: Die Anzeigeneinnahmen gehen zurück. Die Literaturredakteure müssen selbst ran. Die Freiberufler werden prekär entlohnt:

Es gibt im Journalismus wenig Formate – außer großen Recherchen und Reportagen –, die so zeitaufwendig sind wie die Literaturkritik. Dennoch bekommt ein Kritiker für eine mittellange Kritik nur 350 bis 450 Euro. Daran arbeitet er aber inklusive der Lesezeit mindestens zwei Wochen.

Umgekehrt hat die Bedeutung der Literaturkritik für den Markt immer mehr nachgelassen. Man setzt sich immer weniger mit Themen, Texten und Sprache auseinander, und seit dem Tod von Marcel Reich-Ranicki ist man ziemlich in der Versenkung verschwunden und wird immer weniger wahrgenommen. Ich würde ergänzen: Die Verlage tun ein übriges dazu, indem sie ihre besten Texte hinter die Paywall stellen und für Mondpreise verkaufen wollen. Die Paywall ist die große Abseitsfalle des Internets. Okay, das kann schon mal passieren, aber irgendwann hätten sie es merken müssen in den Redaktionen, welche Mechanismen da am Werk sind.

Zum Beispiel die Buch-Blogger, die man „ernst nehmen muss“. Aber was sonst noch? Vielleicht müsste man sich auch einmal damit auseinandersetzen, warum sie präsent sind, im Gegensatz zu den Feuilletons? Weil sie online auffindbar sind, auch längerfristig, denn jedes Blog ist per se ein Archiv mit Permalinks, während die Verlagswebseiten in immer kürzeren Abständen neu aufgezogen werden, wobei die Weblinks, die auf eine Website gesetzt werden, kaputt gehen. Cool URIs don't change, sagte einst der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee. Diesen Anspruch erfüllen bis heute nur die klassischen Formate des Web 2.0, nämlich Wikis und Blogs.

Wenn Iris Radisch die „die echten literarischen Debatten“ fordert, die es früher einmal gab, liest sich das tatsächlich wie ein romantischer Blick in eine Vergangenheit, die ein für alle Mal perdu ist. Und die Literaturkritik-Debatte im Perlentaucher war 2015.

Heute wird das Bild, das sich das lesende Publikum von Büchern macht, im wesentlichen von Intermediären wie den Suchmaschinen oder den Sozialen Netzwerken bestimmt, von dem, was man halt so findet. Die Feuilletons gibt es noch, aber sie haben genauso an Bedeutung eingebüßt wie alles übrige, was die Zeitungsverlage so hervorbringen. Wie bei jedem schweren Tanker gibt es auch hier einen langen Bremsweg.

Montag, 10. Juni 2019

Kaufmann und Esperanto

Zu Pfingsten der Hinweis auf einen Text aus der Münchener Allgemeinen Zeitung vom 2. Oktober 1921, Seite 5 f., abzurufen bei DigiPress, den Zeitungsportal der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort beschrieb Dr. oec. publ. Dr. jur. Fr. Franke, München, die Vorzüge von Esperanto für Kaufleute. Ein absolut lesenswerter Beitrag, aus dem man ersehen mag, wie schnell sich schon seinerzeit die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen veränderten.

Das gilt auch für andere Länder. Ein Blick in ProQuest Historical Newspapers, zu nutzen über Nationallizenz, zeigt die Häufigkeit, mit der der Begriff Esperanto in den amerikanischen Zeitungen auftauchte, die in der Datenbank enthalten sind. Der Höhepunkt lag zwischen 1900 und 1909, die Kurve sinkt dann ab bis Ende der 1920er-Jahre und bricht völlig ein während des Zweiten Weltkriegs. Ab den 1960er-Jahren geht es wieder etwas bergauf, sinkt ab den 1970er-Jahren aber schon wieder und bleibt seitdem etwa auf gleichem Niveau.

Häufigkeit des Suchbegriffs „Esperanto“ in ProQuest Historical Newspapers (1843–1988, Bildzitat)

Interessant ist aber, wie sich die Einstellung zu der „Welthilfssprache“ in der Zeit verändert hat. Zu Anfang nahm man das Projekt ernst und berichtete über Erfolge. Mittlerweile ist es nur noch eine kuriose Randnotiz wert.

Also zurück in die 1920er-Jahre. Dr. Franke begann seinen Beitrag mit einer Betrachtung, die man durchaus auch heute noch findet, mit einer Art Marketing-Weisheit:

Jede große Idee wird im ersten Jahrzehnt totgeschwiegen, im zweiten Jahrzehnt verspottet, im dritten bekämpft, und in den vierten zehn Jahren setzt sich die Idee durch.

Sie kann aber auch fast gänzlich von der Bildfläche verschwinden und sich ganz in einen inner circle zurückziehen, die Idee.

Samstag, 25. Mai 2019

Schräg nach oben

Erst summt es leise, dann wackelt etwas oben links in mein Blickfeld hinein. Ich schaue vom Bildschirm auf. Ein kleiner Marienkäfer ist hereingekommen und sitzt nun seitlich am Aichberger, genauer gesagt: am Aichberger-Karton, auf der Seite, die dem Schönfelder-Karton zugewandt ist, der daneben auf meiner Fensterbank liegt. Ich halte ihm ein kleines Stück Papier entgegen, der Einkaufszettel für nächste Woche. Der Marienkäfer fällt herunter auf den Rücken und zappelt mit seinen Beinchen, hält sich dann aber schnell wieder an dem Zettel fest. Ich drehe den Zettel um und führe ihn in Richtung Balkontüre. Und dann fliegt der Käfer davon in einem eleganten Bogen schräg nach oben zu Licht und Himmel, wo er herkam, bevor ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Das muss ich gleich aufschreiben, damit es nicht verlorengeht.

Sonntag, 5. Mai 2019

TeX Live 2019

Installation von MacTeX 2019 erfolgreich abgeschlossenZugegeben, ich bin etwas spät dran in diesem Jahr mit dem Upgrade, aber sooo viel Neues hat sich bei TeX Live 2019 im Vergleich zu 2018 ja nun auch wieder nicht ergeben. Jedenfalls nichts, was mich beträfe.

Die New-Features-Seite zu MacTeX liest sich betont entspannt und besteht zu einem großen Teil aus Hinweisen, die auf Neuigkeiten bis ins Jahr 2010 zurückgehen.

In diesem Jahr hatte ich leider an den Pretests nicht teilnehmen können. Das Setup lief klaglos durch, und bisher sind mir auch noch keine Probleme aufgefallen. Seit heute Morgen sind auch die ersten neuen Pakete auf dem CTAN-Mirror meines Vertrauens verfügbar.

Mein Dank geht an die Kolleg/inn/en, die die neue Version auch in diesem Jahr erstellt haben.

Alle Macht dem Zertifikat

Die überaus nervösen Reaktionen auf den Zertifikats-GAU bei Firefox (binnen eines Tages 1000 Beiträge im Heise-Forum, 420 bei Hacker News) zeigen, wie anfällig ein Sicherheitskonzept ist, das auf Add-Ons beruht – und wie viel Kontrolle Mozilla über seine Produkte tatsächlich ausübt. Und wie abhängig die Freie Software von ihrem einzigen verbliebenen Browser-Projekt ist.

Die bei Heise empfohlene Lösung in about:config funktionierte nicht: Am Ende des Tages stellte sich heraus, dass man die Zertifikatsprüfung im normalen Firefox nicht händisch abschalten konnte, nur in der Nightly-Version (manchen Berichten zufolge auch in der ESR-Version) soll es funktioniert haben; und dass nicht der User, sondern der Hersteller das letzte Wort hat. Angeblich um zu verhindern, dass Erweiterungen von Installern ungefragt und unkontrollierbar in den Firefox-Profilordner geschrieben werden.

Wütend und enttäuscht reagierten vor allem Linux-Anwender, die sich am ganz langen Hebel wähnten. In de.comm.software.mozilla.browser war einiges zu lesen. Zumal die Erweiterungen nicht erst nach einem Neustart ausfielen, sondern im laufenden Betrieb ohne Vorwarnung direkt abgeschaltet wurden. Ein Fenster ging auf, und weg waren sie. Und der Hotfix wurde dann nicht als Update, sondern per „Studien“ verteilt, was nur funktionierte, nachdem man diese wieder eingeschaltet und die Übertragung von Telemetrie-Daten aktiviert hatte. Dieses Pflaster gabs aber nur für den regulären Firefox, nicht für ESR und auch nicht für die mobile Version.

Manch einer wird nach mehr als zehn Jahren mal wieder für Stunden ein Internet ohne Werbeblocker erlebt haben. Und mit den mühsam selbst gestopften Sicherheitslücken. Der Zwischenruf eines Users in der Mozilla-Browser-Newsgroup

Das ist mein Rechner und auf dem entscheide ausschließlich ich, was da läuft und sonst niemand!

wird noch länger nachhallen.

Freitag, 22. März 2019

Die Schrift wird zum Leben VI

Das Bloggen gleicht inzwischen dem Schreiben auf einer alten Triumph Adler. Hemmungslose Lektorats- und Redaktionsfreiheit. Deadlinefreiheit. Leserfreiheit. Kein anderes Medium derart in der Lage, das Durcheinander, die Skizze, die Beobachtung und den Gedanken, die haltlose Assoziation und den hinfälligen Zusammenhang in ähnlicher Diskretion, ähnlicher Verantwortungslosigkeit, ähnlicher Willkür aneinanderzureihen. Das Fotografieren, genauso Augenblicksprotokoll wie Projektionsfläche für alles mögliche, das Notat, je kürzer desto interpretierbarer, der Name Goncourt, irgendwann im Fluge aufgeschnappt, dann mit Wörtern, Gesten, Blicken gefüllt, dann wieder entleert.

Goncourt's Blog, On blogging, 20. März 2019

Samstag, 16. März 2019

Such a Shame

Ja, Mark Hollis' Tod liegt schon wieder ein paar Wochen zurück, und ich hinke etwas hinterher, aber dafür gibt es einen guten Grund, nämlich die Veröffentlichung des neuen Albums von Andy aka Richard Andrews The Golden Fascination auf Bandcamp heute Abend. Hören, bitte. Ehemals Uniform Motion mit vielen Releases im Internet Archive und im Free Music Archive. Suchen, bitte. Im Jahr 2013 coverten sie Such a Shame, und das kann man durchaus mal wieder spielen, obwohl all rights reserved:

Bonus track: The Neon Nest, Live at the Pacé Library aus dem Jahr 2014 (cc-by-nc-sa 3.0):

Klingt schon etwas anders 2019 – Decipher, all rights reserved:

Freitag, 8. März 2019

Medienwandel in der Justiz

Der Global Legal Monitor der Law Library der Library of Congress weist darauf hin, dass der Oberste Gerichtshof von Schweden – entspricht dem deutschen Bundesgerichtshof – seit Anfang März 2019 kein Telefax mehr empfängt oder versendet. Stattdessen werde empfohlen, Schriftstücke per E-Mail einzureichen. Die E-Mail ersetze das Telefax, soweit dieses früher ausreichend war, um die Formvorschriften zu wahren.

Samstag, 23. Februar 2019

„Tizian und die Renaissance in Venedig“ im Städel Museum, Frankfurt am Main

Tizian und die Renaissance in Venedig ist eine geballte Ladung Kunstgeschichte auf zwei Etagen. Die Ausstellung ist in Schwerpunkte gegliedert und erzählt die Neuansätze bei der Darstellung und der Funktion der Landschaft in der seinerzeitigen Malerei, der Darstellung von Frauen und Männern im Porträt sowie die Umsetzung antiker und biblischer Stoffe im Bild. Die Schau endet mit einem Überblick über die Rezeption der venetianischen Renaissance bis in die Gegenwart – darunter ein unerwartetes Wiedersehen mit zwei Bildern von Thomas Struth aus der Becher-Klasse (2017 an gleicher Stelle zu sehen), auf denen die museale Verarbeitung reflektiert wird. Bilder im Bild sind darauf zu sehen, darunter auch die Madonna mit dem Kaninchen aus dem Louvre, die im ersten Teil gezeigt wird.

Durchgehend sind Beispiele für bedeutsame Buchausgaben zu sehen, die die Bilder gut ergänzen. Die alten Bücher wirken besonders eindrucksvoll, weil sie die Typografie und die gestalterische und handwerkliche Kunst aus der Anfangszeit des Buchdrucks demonstrieren. Sehr schöne und hervorragend erhaltene Feder-, Kreide- und Pastellzeichnungen, teils weiß gehöht auf farbigem Papier, teils Studien, ergänzen die Gemälde, oft aus der grafischen Sammlung des Städel.

Es ist keine reine Tizian-Schau, sondern, wie der Titel sagt, ein Blick auf Tizian und Umfeld im Venedig um 1500, als die Malerei Farb- und Luftperspektive lernte, weiter Entferntes daher meist sehr blau, aber nicht mehr so flach wie noch kurze Zeit vorher bei den Italienern ausgeführt. Einen guten Eindruck von der Präsentation gibt dieses Werbefilmchen:


Der Weg durch das Haus zur Sonderausstellung führt übrigens durch eine weitgehend neu gehängte klassische Moderne, die ebenfalls sehenswert ist, weil sich dadurch neue Zusammenhänge erschließen und teils auch Werke aus dem Depot geholt wurden, die es absolut verdient haben. Außerdem ist Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht noch bis 17. März zu sehen. Selten war das Städel an einem Freitagnachmittag so gut besucht wie gestern.

Tizian und die Renaissance in Venedig. Städel Museum, Frankfurt am Main. Kurator: Bastian Eclerc (Sammlungsleiter italienische, französische und spanische Malerei vor 1800, Städel Museum). Wissenschaftliche Beratung: Hans Aurenhammer (Goethe-Universität, Frankfurt am Main). Katalog und Begleitheft im Museum zu erwerben. Audioguide zur Miete. App für Android und iOS kostenlos. Digitorial. – Bis 26. Mai 2019.

Mittwoch, 23. Januar 2019

„Moderne am Main 1919–1933“ im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

In der Ausstellung „Moderne am Main 1919–1933“, die vergangene Woche im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main zum Baushausjahr eröffnet worden ist, ist auch viel Neue Typografie und Vorarbeiten bzw. künstlerisches Umfeld zu sehen – wer also Gelegenheit hat, nach Frankfurt zu kommen, möge sich die Schau nicht entgehen lassen. Der kleinformatige, aber dicke Katalog ist auch schön gemacht und mit informativen Texten versehen. Leider muss man viel Wissen mitbringen, um die Zusammenhänge zwischen den Ausstellungsstücken und dem Hintergrund herzustellen, in der Ausstellung gibt es nur kurze Wandtexte, und der Katalog liegt leider auch nicht aus – ich habe das beim Gehen angeprangert, und das Museum verspricht Besserung. Wir haben etwas gewikipediat, um unsere Lücken zu füllen, und das ging gut.

Moderne am Main 1919–1933. Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Kuratiert von Grit Weber, Annika Sellmann, Klaus Klemp und Matthias Wagner K. Bis 14. April 2019. Katalog: 29 Euro.

Sonntag, 13. Januar 2019

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XVIII

Geert Lovink hat ein neues Buch geschrieben. Der Essay, der dem Band den Namen gab, ist bei Eurozine vorab zu lesen. Er erscheint im Mai.

  • Lovink, Geert. 2019. Sad by design. Eurozine. 10. Januar. www.eurozine.com (zugegriffen: 13. Januar 2019).

aus:

  • Lovink, Geert. 2019. Sad by design. On platform nihilism. London: Pluto Press.
Freitag, 11. Januar 2019

Wildnis in Frankfurt und Mondrian in Wiesbaden

Die „Wildnis“, die derzeit in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main gezeigt wird, ist ein gutes Beispiel dafür, was ein Kurator bitte nicht machen sollte: Wer mit der Tür ins Haus fällt und gleich im ersten Raum Thomas Struth, Gerhard Richter und Henri Rous­seau (und zwar in dieser Reihenfolge) verbrät, kann sich kaum noch steigern. Hundert Bilder, Skulpturen, Assemblagen und Videos, und es kommt kaum noch wirklich Überzeugendes mehr nach.

Die Künstlichkeit der Kunst – geschenkt – wer hätte das nicht schon gewusst, dass die Bilder „in der Werkstatt“ entstehen. Okay, am Ende kommt es dunkelrot, und wo kommt eigentlich der viele Nebel her? Aber will man das wirklich wissen?

Die Wildnis, die hier gezeigt wird, setzt um die Mitte des 19. Jahrhhunderts ein, und es ist zunächst einmal eine dokumentierte Natur. Es gab ja gerade erst eine gewisse Irritation über das Format der Reportage, und als hätten sie sich abgesprochen: Auch hier wird das Hochgebirge gefaket, und die untergehende Sonne strahlt rot, als käme sie direkt aus dem Abklingbecken der Kunstgeschichte.

Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, aber hier ist es einfach zuviel. Man denke sechs Jahre zurück, da gabs sowas schon mal in der Schirn, die „letzten Bilder“, die ziemlich zusammenhanglos und assoziativ gelockert nebeneinander an der Wand hingen. Nichts verband sie, als dass es eben mehr oder weniger zufällig die letzten ihrer Art waren. Ganz ähnlich hier: Irgendwas mit Natur. Die längste Kegelbahn der Welt ist nicht leicht zu bespielen, aber etwas mehr Raum gelassen, und Helmut Middendorfs Electric Night käme zur Wirkung; hier aber: wie in einer Ecke abgestellt, wo gerade noch dafür Platz war. Die beiden Werke von Jean Dubuffet bleiben im Gedächtnis.

Ein gutes Gegenbeispiel für eine größtenteils geglückte Dramaturgie ist dagegen die Ausstellung zu Piet Mondria(a)n, die derzeit im Museum Wiesbaden zu sehen ist. Fast der ganze Mondrian ist in, wenn ich mich noch richtig erinnere, sieben oder acht Räumen zu sehen. Von der frühen Landschaftsmalerei zu den bekannten Kompositionen mit Rechteckmuster in den Primärfarben rot, gelb und blau – der Museumsshop verkauft dazu die passenden Brillenputztücher und Servietten, falls man das mag.

Nur bitte nicht auf die Idee kommen, die Bilder wären chronologisch gehängt – das sind sie nicht. So entgeht einem das Hin- und Herschwingen zwischen figurativen und abstrakten Malweisen zwischen These, Antithese und Synthese, auch bei den Materialien, über Jahrzehnte hinweg.

Und es hätte nicht so enden müssen. Das rote Quadrat im letzten Raum war nicht zwingend oder unvermeidlich. Es wirkt eher wie eine Form, die auf etwas wartet, das dann noch folgt.

Wildnis. Kuratorinnen: Esther Schlicht und Johanna Laub. Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main. Bis 3. Februar 2019. – Digitorial.

Piet Mondrian. Natur und Konstruktion. Kurator: Roman Zieglgänsberger. Museum Wiesbaden. Partner: Gemeente Museum, Den Haag. Bis 17. Februar 2019.

Mittwoch, 9. Januar 2019

TeX: A branch of desktop publishing evolution

Die letzte und die folgende Ausgabe der IEEE Annals of the History of Computing widmen sich der Geschichte des Desktop Publishings. Darin auch ein zweiteiliger Aufsatz zur Geschichte von TeX:

  • Barbara Beeton, Karl Berry, and David Walden: TeX: A branch of desktop publishing evolution. In: IEEE Annals of the History of Computing, 2018 and 2019. Part 1: vol. 40, no. 3, pp. 78–93, July-September 2018. doi.orgieeexplore.ieee.org

Ergänzende Materialien findet man auf der Website der TeX Users Group.

Dienstag, 1. Januar 2019

Some TeX Developments, TeX und GitHub, Org-mode 9.2, MediaWiki2LaTeX, Variable Fonts

Das neue TeX-Jahr beginnt mit einem Glückwunsch an Joseph Wright: Nachdem bereits TeX & Friends auf sein Zehnjähriges zurückgeblickt hatte, ist es heute auch für Some TeX Developments soweit, wie wir nebenan lesen.

Das Beispiel zeigt: Die teXnische Blogosphäre hat sich etabliert, auch wenn die Abrufzahlen im Vergleich eher niedrig sind, leisten doch auch die Blogs einen wertvollen Beitrag zur Information und zur Dokumentation über die Mitgliederzeitschriften und die Webforen hinaus.

Joseph Wright hat aber auch noch einmal bekanntgegeben, dass er sein Blog von WordPress auf GitHub Pages umgestellt habe. Dementsprechend liegt der RSS-Feed nun unter www.texdev.net, und das eigentliche Blog liegt nicht da, sondern dort. Etwas verwirrend. Aber: Der Trend zu kommentarlosen Blogs hält also an, ich bin nicht der einzige, der es so macht. Und auch der Trend zu Blogs mit statischen Seiten ist ungebrochen.

Bleibt nur zu hoffen, dass es den TeX-Projekten mal nicht auf die Füße fallen wird, dass man in der Zeit ab 2018 so sehr auf GitHub gesetzt hatte. Nach dem LaTeX Project und der englischen TeX-FAQ nun also auch Blogs. Dezentralisierung wäre angesagt.

Der auch von TeX-Anwendern häufig verwendete Org-mode beispielsweise betreibt sein eigenes Git-Repositorium. Zwischen den Jahren wurde Version 9.2 veröffentlicht, die ggf. einige Änderungen in der Konfiguration erforderlich macht. – Beim 35C3 hat es eine Assembly von Karl Voit zu Org-mode gegeben – kein Video, aber die Gliederung zum Vortrag ist veröffentlicht worden, wie sich das halt so gehört für einen Talk zu einem Outliner.

Über MediaWiki2LaTeX hatte ich zuerst (und zuletzt) 2013 geschrieben. Dirk Hünninger hat sein Projekt jetzt in einer neuen Version auf WMFLabs bereitgestellt. Man kann damit nicht nur Seiten aus Wikimedia-Projekten, sondern beliebige MediaWiki-Seiten online nach PDF, EPUB oder ODT wandeln. Der LaTeX-Quelltext kann gezippt heruntergeladen werden. Das Projekt steht unter einer GPL-Lizenz und steht nicht auf GitHub, sondern auf Sourceforge zur Verfügung.

Zum Schluss ein Hinweis auf einen Beitrag zur Typografie: Christoph Zillgens erklärt in t3n , was es mit Variablen Fonts auf sich hat, ein neues OpenType-Feature, das man in der deutschsprachigen Wikipedia noch vergebens sucht, nur die englische und die russische haben dazu einen Artikel. Und natürlich das Typolexikon von Wolfgang Beinert. Seit Ende 2018 sollten demnach alle relevanten Webbrowser Variable Fonts unterstützen, so dass man sie demnächst wohl denn auch häufiger sehen wird.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Zweimal ConTeXt und Open Access für TUGboat

Stefan Kottwitz weist auf eine neue Einführung zu ConTeXt hin, die Axel Kielhorn auf GitHub veröffentlicht hat. Context-Intro erklärt auf insgesamt 45 Seiten, was es mit der Alternative zu LaTeX auf sich hat. Das PDF ist etwas versteckt in einem Unterverzeichnis zu finden.

Weitere Einführungen findet man übrigens in der Zeitschrift der TeX Users Group TUGboat, in der mindestens 16 Aufsätze zum Thema erschienen sind, zuletzt ConTeXt for beginners von Willi Eggers. Es gibt dort aber sicherlich noch mehr Beiträge, die ConTeXt betreffen, interessant dürfte auch Exporting XML and ePub from ConTeXt von Hans Hagen sein.

Was uns zu der revidierten Open-Access-Policy von TUGboat führt: Seit diesem Jahr ist das Online-Archiv der Zeitschrift allgemein zugänglich. Nur die jeweils neueste Ausgabe bleibt zunächst den Mitgliedern vorbehalten. Viel Stoff zum Stöbern, also. Ein Fundgrube für TeX-Anwender.

Der Trend zum freien Zugriff steht leider in einem gewissen Widerspruch zur Praxis in der TeX-Gemeinde, was die Kommunikation angeht. Man zieht sich immer mehr auf die geschlossenen Kanäle zurück und vernachlässigt die öffentlichen Listen und Newsgroups. So wurde denn auch die Veröffentlichung von Context-intro zuerst in der geschlossenen Vereins-Mitgliederliste von DANTE bekanntgegeben und danach erst anderweitig verbreitet. Der Trend zum digitalen Biedermeier, in dem sich die geschlossenen Hinterzimmer immer weiter ausbreiten, dürfte im ganzen nachteilig für TeX and Friends sein. Ich wurde vor etwa 20 Jahren nicht zuletzt deswegen auf LaTeX aufmerksam, weil die Community damals sehr offen aufgetreten und unmittelbar zugänglich war, jedenfalls zugänglicher als heutzutage. Freie Software gehört ins freie Web.

Donnerstag, 20. Dezember 2018
Mittwoch, 19. Dezember 2018

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XVII

  • Böhm, Markus. 2018. Manipulation der US-Öffentlichkeit: Das verraten zwei neue Studien über Russlands Propaganda. Spiegel Online, 18. Dezember, Abschn. Netzwelt. www.spiegel.de (zugegriffen: 18. Dezember 2018).
  • Brühl, Jannis. 2018. Merkel warnt vor „Vernichtung der Individualität“. sueddeutsche.de, 4. Dezember, Abschn. digital. www.sueddeutsche.de (zugegriffen: 5. Dezember 2018).
  • Endt, Christian. 2018. Aktivisten stellen alle Bundesgesetzblätter ins Netz. sueddeutsche.de, Abschn. digital. www.sueddeutsche.de (zugegriffen: 10. Dezember 2018).
  • Fanizadeh, Andreas. 2018. Oodi-Bibliothek in Helsinki: Bollwerk gegen Populismus. Die Tageszeitung: taz, 17. Dezember, Abschn. Kultur. www.taz.de (zugegriffen: 17. Dezember 2018).
  • Hermann, Jonas. 2018. Haben Bots die Debatte um den Migrationspakt einseitig beeinflusst? Neue Zürcher Zeitung, 13. Dezember, Abschn. Deutschland. www.nzz.ch (zugegriffen: 18. Dezember 2018).
  • Lembke, Gerald und Ingo Leipner. 2018. Die Lüge der digitalen Bildung: warum unsere Kinder das Lernen verlernen. 3., überarbeitete Auflage. München: Redline Verlag.
  • Muth, Max. 2018. Wann ist ein Bot ein Bot? Süddeutsche Zeitung, 18. Dezember, Abschn. digital. www.sueddeutsche.de (zugegriffen: 18. Dezember 2018).
  • N.N. 2018. Urteil: Krankenkassen dürfen Foto von Versicherten nicht dauerhaft speichern. Spiegel Online, 18. Dezember, Abschn. Wirtschaft. www.spiegel.de (zugegriffen: 18. Dezember 2018).

Nachtrag am 19. Dezember 2018: Laut dpa haben sich CDU und Bündnis 90/Die Grünen in Hessen auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. In der neuen Landesregierung werde es

ein neues Digitalministerium unter Führung der CDU geben

liest man in der Frankfurter Rundschau.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Der TeX Catalogue sucht neue Mitarbeiter

Im Sommer dieses Jahres hatte ich mich von einem Projekt getrennt, das ich 2001 begonnen hatte, den Topic Index zum TeX Catalogue, der das Ziel verfolgte, alle TeX-Pakete im Comprehensive TeX Archive Network CTAN thematisch zu erschließen.

Wir haben den Topic Index auf CTAN in den Obsolete-Zweig verschoben, um ihn zu erhalten, aber gleichzeitig klarzustellen, dass er von nun an nicht mehr aktualisiert werden wird.

Der Grund für meinen Rückzug aus dem Projekt ist kurz erzählt. Der Topic Index war ursprünglich ein reines Prokrastinations-Projekt, das ich während meiner Promotion begonnen hatte, um mich zu zerstreuen und gleichzeitig etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Bis dahin gab es noch keine thematisch geordnete Übersicht über die TeX-Pakete. Der TeX Catalogue bestand nur aus automatisch generierten endlos langen Listen, die entweder alphabetisch oder systematisch sortiert ausgegeben und bereitgestellt wurden. Man konnte aber nicht direkt nach einem Paket suchen, das einen bestimmten Zweck erfüllen sollte. Das änderte sich mit dem Topic Index. Von nun an gab es eine weitere endlose Liste, die allerdings thematisch sortiert war. Das war ein großer Fortschritt für die Benutzer. Aber da der Paketbestand auf CTAN erfreulicherweise ständig wächst, muss auch der TeX Catalogue laufend aktualisiert werden. Und hier bin ich im Laufe der Jahre leider immer weniger aktiv gewesen. Mea culpa.

Es war an der Zeit, daraus Konsequenzen zu ziehen, vor allem im Interesse der Benutzer, die sich bei einem offiziellen Angebot wie dem TeX Catalogue vor allem aktuelle Daten erwarten, die mit dem Stand auf CTAN übereinstimmen.

Die aktuellen Angaben zu den TeX-Paketen findet man heutzutage auf dem CTAN-Portal, wo sie auch laufend gepflegt werden, einschließlich einer thematischen Erschließung, wie sie der Topic Index bisher geboten hatte. Das Portal bietet gegenüber der Liste den erheblichen Vorteil einer effizienten Suchfunktion, die zudem den gesamten aktuellen Bestand erfasst. Jedes Paket, das auf CTAN aufgenommen wird, erscheint also auch ohne weitere Verzögerung in der Suche und im thematischen Index.

Aus persönlichen Gründen habe ich mich gegen eine Mitarbeit bei ctan.org entschieden. Man muss auch einmal loslassen können. Meine regelmäßige Kolumne zu den Neuen Paketen auf CTAN in der DTK führe ich aber gerne fort.

Außerdem möchte ich ausdrücklich dazu ermuntern, den Kolleginnen und Kollegen bei ctan.org unter die Arme zu greifen und dort mitzuarbeiten, wenn man sich ein Engagement bei der Pflege der Bestandsdaten vorstellen kann. Das kleine Team kann Hilfe gut gebrauchen.

Näheres zur Geschichte des TeX Catalogues und über eine Mitarbeit bei ctan.org habe ich in einem kleinen Aufsatz in der aktuellen TeXnischen Komödie Nr. 4/2018 zusammengefasst, der den gleichen Namen trägt wie dieser Blogpost.

Freitag, 14. Dezember 2018

Rückblicke

Heute ist es zehn Jahre her, dass der erste Blogpost bei TeX & Friends erschien. Damals gab es eine Inhaltsangabe der letzten Ausgabe der TeXnischen Komödie, aber auch schon ein Blick auf das TeX-affine Umfeld in Form von Erweiterungen, die es damals für OpenOffice.org gab. Übrig geblieben ist davon mittlerweile nur noch Writer2LaTeX, das es mittlerweile in Version 1.9.3 alpha gibt.

TeX & Friends war formal mein erstes Blog – wobei ich ja immer die Ansicht vertreten habe, dass das Blog nur eine Spielart des Schreibens in Datennetzen ist. Das Usenet und die Mailinglisten gingen ihm voraus, und wie bei jedem Medienwandel ersetzen neue Medien die alten nicht, sondern ergänzen sie. Die schneeschmelze folgte im Januar 2009, der albatros genau vier Jahre später, aber so richtig erst seit 2015.

Blogs sind Zeugnisse von Übergängen – gesellschaftliche ebenso wie persönliche. Man beginnt ein Blog, man führt es, es entwickelt sich, was die Frequenz und die Inhalte angeht, man schreibt mal mehr, mal weniger, vielleicht schreibt man eines Tages gar nichts mehr oder nimmt das Blog ganz vom Netz. Bekanntschaften entstehen, Blog-Nachbarschaften auch, und lösen sich wieder. Das Netz folgt den Regeln der bürgerlichen Gesellschaft, die „kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen [hat], als das nackte Interesse, als die gefühllose ‚baare Zahlung.‘“ Und das freie Netz, das es vor zehn Jahren durchaus noch gab, gibt es nicht mehr. Die Folge: Immer mehr ziehen sich in virtuelle Hinterzimmer zurück, in ein digitales Biedermeier von geschlossenen Gruppen, geschlossenen Mailinglisten, geschlossen halt. Immer mehr verschließen sich, der Diskurs im Netz, von dem ich einmal ein Teil war, löst sich auf und verschiebt sich in private E-Mail-Verteiler, wo man weiß, an wen man sich wendet. Die Sklavensprache nach außen, die vertraulichen Verteiler als engstes Band nach innen. Und der Ekel vor dem Netz, den Günter Hack im Dezember 2013 ausgemacht hatte, legt sich über all das und bedingt es.

Ich glaube, ich gehöre zu denen, die sich mittlerweile doch wenigstens ein bisschen ausgebloggt und auskommentiert haben. Man ist müde geworden, die 15 minutes of world-fame kennt man schon, und ich wundere mich über die Kolleginnen und Kollegen, denen ich schon so lange folge und die es immer noch schaffen, regelmäßig etwas zu veröffentlichen und immer so weiter zu machen wie früher, und wenn man ihre Blogs mitliest, meint man tatsächlich, es wäre alles noch wie damals, oder jedenfalls ganz ähnlich. Wie wenn da einer… Chapeau! Ich meine das sehr ernst, und etwas depressiv gestimmt, durchaus.

Simone Stratil hat ihr Blog Papiergeflüster im Oktober geschlossen. Ein Jahr, nachdem sie bereits an ihrer Rolle gezweifelt hatte. Zu dieser Buchmesse war es soweit. I bid you farewell.

Bei Robert Basics plötzlichem Tod Anfang November 2018 war dieser stille Punkt zu fühlen, als die Gemeinde, die man in dem Moment zu Recht auch so nennen sollte, Rückschau hielt auf den gemeinsamen Weg, die Richtung unbekannt, und, wenn man es genau nimmt, schon so viele sind zumindest aus dem Blickfeld verschwunden. Die Zeit ist lang geworden. Das „Berliner Buch“ Zero Comments von Geert Lovink datiert von 2008, es ist so alt wie TeX & Friends. Ich stieg also ein, als es schon zuende ging. Pardauz.

Zum Schluss noch ein paar TeX-Neuigkeiten: Die LaTeX News 29 beschreiben den Dezember-2018-Release von LaTeX2e. Und LyX 2.2.3 ist heute veröffentlicht worden.

Zeit für ein Update.


Donnerstag, 29. November 2018

Take your vitamins

Aus der November-Machtdose: Take your vitamins von Trusty Sea Creatures.

Mittwoch, 28. November 2018

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XVI

Bei Telepolis ist ein Buch zur automatischen Textgenerierung einschließlich Chatbots, die Auswirkungen auf den Journalismus und die Plattform-Ökonomie erschienen:

  • Weber, Stefan. 2018. Roboterjournalismus, Chatbots & Co: Wie Algorithmen Inhalte produzieren und unser Denken beeinflussen. 1. Auflage. Telepolis. Hannover: Heise Medien.

Thunderbird und Manually sort folders

Der größte Makel bei Thunderbird besteht darin, dass man bis heute standardmäßig weder die Konten noch die Ordner beliebig in der Seitenleiste anordnen kann. Abhilfe schafft das Add-on Manually sort folders, das aber in der letzten offiziellen Version 1.1.1 mit Thunderbird 60 nicht mehr kompatibel ist.

Da der Entwickler inaktiv wurde, kam es zu einem Fork des Add-ons auf GitHub, und der Pre-Release 1.2.0pre3 von Maxime Rijnders funktioniert wohl tatsächlich wieder mit dem aktuellen Thunderbird 60.3.1 unter macOS 10.13.6.

Der Entwickler bittet um mehr Rückmeldungen vor der offiziellen Veröffentlichung, es gab Berichte über Probleme unter Linux. Die Diskussion läuft im neuen Repositorium und an alter Stelle.

Donnerstag, 22. November 2018

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XV

Es gibt nun doch die ersten etwas umfangreicheren wissenschaftlichen Titel zum Thema, in diesem Fall ein Sammelband, der an der Universität Göttingen entstanden ist, die erste feministische Einführung in die Netzpolitik und wohl auch die erste(?) Dissertation, die 2017 an der TU Hamburg-Harburg angenommen wurde, aufgenommen auf die Shortlist für den Förderpreis Opus Primum der VolkswagenStiftung, sie wurde rezensiert von Friederike Habermann im Blog des IPB:

  • Busch, Andreas, Yana Breindl und Tobias Jakobi, Hrsg. 2018. Netzpolitik: Ein einführender Überblick. 1. Auflage 2019. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Springer VS. doi.org.

  • Ganz, Kathrin. 2018. Die Netzbewegung: Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft. 1. Auflage. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

  • Schallbruch, Martin. 2018. Schwacher Staat im Netz: wie die Digitalisierung den Staat in Frage stellt. 1. Auflage. Wiesbaden, Germany: Springer.

  • Schmidt, Francesca. 2019. Netzpolitik: Eine feministische Einführung. 1. Auflage. Politik und Geschlecht – kompakt. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.

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