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Donnerstag, 29. November 2018

Take your vitamins

Aus der November-Machtdose: Take your vitamins von Trusty Sea Creatures.

Mittwoch, 28. November 2018

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XVI

Bei Telepolis ist ein Buch zur automatischen Textgenerierung einschließlich Chatbots, die Auswirkungen auf den Journalismus und die Plattform-Ökonomie erschienen:

  • Weber, Stefan. 2018. Roboterjournalismus, Chatbots & Co: Wie Algorithmen Inhalte produzieren und unser Denken beeinflussen. 1. Auflage. Telepolis. Hannover: Heise Medien.

Thunderbird und Manually sort folders

Der größte Makel bei Thunderbird besteht darin, dass man bis heute standardmäßig weder die Konten noch die Ordner beliebig in der Seitenleiste anordnen kann. Abhilfe schafft das Add-on Manually sort folders, das aber in der letzten offiziellen Version 1.1.1 mit Thunderbird 60 nicht mehr kompatibel ist.

Da der Entwickler inaktiv wurde, kam es zu einem Fork des Add-ons auf GitHub, und der Pre-Release 1.2.0pre3 von Maxime Rijnders funktioniert wohl tatsächlich wieder mit dem aktuellen Thunderbird 60.3.1 unter macOS 10.13.6.

Der Entwickler bittet um mehr Rückmeldungen vor der offiziellen Veröffentlichung, es gab Berichte über Probleme unter Linux. Die Diskussion läuft im neuen Repositorium und an alter Stelle.

Donnerstag, 22. November 2018

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XV

Es gibt nun doch die ersten etwas umfangreicheren wissenschaftlichen Titel zum Thema, in diesem Fall ein Sammelband, der an der Universität Göttingen entstanden ist, die erste feministische Einführung in die Netzpolitik und wohl auch die erste(?) Dissertation, die 2017 an der TU Hamburg-Harburg angenommen wurde, aufgenommen auf die Shortlist für den Förderpreis Opus Primum der VolkswagenStiftung, sie wurde rezensiert von Friederike Habermann im Blog des IPB:

  • Busch, Andreas, Yana Breindl und Tobias Jakobi, Hrsg. 2018. Netzpolitik: Ein einführender Überblick. 1. Auflage 2019. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Springer VS. doi.org.

  • Ganz, Kathrin. 2018. Die Netzbewegung: Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft. 1. Auflage. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

  • Schallbruch, Martin. 2018. Schwacher Staat im Netz: wie die Digitalisierung den Staat in Frage stellt. 1. Auflage. Wiesbaden, Germany: Springer.

  • Schmidt, Francesca. 2019. Netzpolitik: Eine feministische Einführung. 1. Auflage. Politik und Geschlecht – kompakt. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Keine Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2018

Nach mehreren Jahren konnte ich die Messe dieses Jahr leider nicht besuchen. Aber man verfolgt natürlich schon, was man so vorfindet im Netz, die „Narrative“ von den sechs Millionen verlorenen Buchkäufern über die letzten etwa fünf Jahre hinweg und von dem fehlenden Verlegernachwuchs und so weiter.

Die Verlagsbranche sucht nach ihrer Postwachstums-Strategie. Wenn man der New York Times glaubt, ist das ein Gemischtwarenladen, eine Buchhandlung im Hessischen ersetzt den Bäcker und den Metzger im Ort und reagiert damit auf den Umsatzrückgang bei den Büchern.

In Publishers Weekly kam die Nachlese schon am Freitagabend: Alles im grünen Bereich, stable for a fourth-straight year—a sign that the fair has found solid footing again after attendance declines in the recession-challenged years following the 2009 event. Ja, da war was, wenn es jetzt noch weiter geschrumpft wäre, wäre bald kaum noch was übrig, was den ganzen Bohei noch rechtfertigen könnte.

Während andere linke Verlage auf der Buchmesse waren, hielt sich Konkret dem teuren Trubel fern – und rang wegen einem Titelbild mit dem Presse-Grosso – anscheinend erfolgreich. Erfahrungen, die sonst nur Titanic trafen – aber das ist schon eine Weile her. Sonneborn aktualisiert derweil lieber einen Auftritt, den es Anfang der 1970er Jahre auf der Messe gab, als zuletzt jemand mit einer alten Uniform in Frankfurt unterwegs war. Das Originalfoto war bis heute in der Ausstellung mit Aufnahmen von Inge Werth aus der Zeit um 1968 im Frankfurter Museum Giersch zu sehen.

Und First Monday brachte rechtzeitig eine Themenausgabe zum digitalen Lesen – sehr zu empfehlen, im Anschluss an die Diskussion vom letzten Jahr.

Mal schauen, worum es im kommenden Jahr gehen wird.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Zotero mit Unpaywall

Eine kurze Durchsage: Zotero nutzt in der neuesten Version Unpaywall, um auf PDFs von Aufsätzen zuzugreifen, die von den Verlagen ansonsten hinter einer Bezahlschranke versteckt werden. Der Geist ist aus der Flasche, es gibt kein Zurück mehr. Die Paywall wird immer löcheriger und ist schon lange am Ende. Wer wird denn da noch prozessieren?

Sonntag, 30. September 2018

Aquamacs nicht kompatibel mit macOS Mojave

David Reitter weist auf der Mailingliste OS X Emacs darauf hin, dass Emacs 25 und 26 – also auch der aktuelle Aquamacs – nicht mit macOS Mojave kompatibel seien. Auf Nachfrage war die Rede von Problemen bei der Textdarstellung, ohne weitere Einzelheiten. Wer also mit Emacs teXt oder sonst arbeitet, sollte seinen Mac derzeit noch nicht auf das vergangene Woche veröffentlichte System upgraden.

Dienstag, 18. September 2018

Keine Zotero-Erweiterung mehr für Safari 12

Eine Woche vor dem Release von macOS Mojave hat Apple schon heute mehrere Updates für Sierra und High Sierra veröffentlicht, darunter auch den neuen Safari 12.

Da Apple sein Ökosystem immer mehr schließt, müssen nun alle Erweiterungen für Safari durch die AppStore bezogen werden. Frei verteilte Versionen von Safari-Erweiterungen mit der Dateiendung .safariextz funktionieren nicht mehr, sie werden beim ersten Start von Safari 12 deaktiviert und gelöscht.

Das betrifft einige weit verbreiteter Erweiterungen, in meinem Fall vor allem den Werbeblocker uBlock Origin und den Connector zu der Literaturverwaltung Zotero.

Im Zotero-Forum wird darüber schon seit Juni diskutiert, und die Entwickler haben sich dafür entschieden, das Bookmarklet zu überarbeiten, mit dem man aus Safari in die lokale Zotero-App speichern kann. Beim nächsten Synchronisieren wandern die neu erstellten Einträge dann in die ggf. angebundene Cloud. Eine Zotero-Erweiterung für die AppStore soll es aber nicht mehr geben.

Wer also weiter mit Safari und Zotero arbeiten will, bleibt nur der Workaround über das Bookmarklet. Der weitere Betrieb von Safari 11 unter Sierra und High Sierra ist möglich, aber aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen. Wer flexibler ist, kann stattdessen den Webbrowser wechseln und Firefox oder Google Chrome einsetzen, denn deren Zotero-Erweiterungen funktionieren natürlich weiterhin klaglos.

Samstag, 1. September 2018

Horrido

Das ist ja ein richtiger Aufbruch, die Rückkehr von Jürgen Siebert zu seinem Fontblog: Man bloggt wieder, man liest wieder, die Menschen nehmen sich wieder Zeit dafür. So ist es. Und NetNewsWire ist auch wieder da, liest man dort, Brent Simmons macht auch weiter. Wenn ich auch mit Vienna ziemlich glücklich bin. Und Fefe gefällt die Beta-Version der neuen ARD-Mediathek – leider ohne den täglichen Newsletter zum Radioprogramm, den ich viele Jahre abonniert hatte. Am 16. August 2018 wurde er ganz still beerdigt. Noch gibt es radio.ard.de, mein Profil sei aber gelöscht worden, schreiben sie mir. Ich weiß noch nicht, wie ich jetzt meine Lieblingssendungen quer durch die Republik verfolgen werde – ist ja nicht alles als Podcast zu abonnieren. Aber die Mediatheken sind wohl insgesamt auf dem richtigen Weg – wie man an dieser drei Jahre alten Sendung zu Patricia Highsmiths Todestag sieht. Das wäre vor noch nicht allzulanger Zeit nach einer ebensolche schon gelöscht worden. Wenn sie jetzt noch endlich mal eine brauchbare Suchfunktion einbauen würden, die mich von MediathekView unabhängig macht, auch fürs Radio, könnte man ins Gespräch kommen. Abschließend, das darf man nach einer gewissen Absenz doch noch nachtragen: Jörg Kantel freute sich vor einer Woche über einen Backlink vom großen Dave Winer – Horrido! :)

Dienstag, 21. August 2018

Writer2LaTeX 1.6.1

Ziemlich unbemerkt hat Henrik Just die Entwicklung des Konverters Writer2LaTeX wieder aufgenommen. Nach einer Pause von drei Jahren (sic!) gab es im März 2018 erstmal eine neue Roadmap und die neue Version 1.6. Ein Bugfix 1.6.1 kam am 20. August heraus, herunterzuladen von Sourceforge.

Ab Version 2.0 soll Writer2LaTeX neu ausgerichtet werden. Zielformate sollen ab dieser Version nur noch LaTeX/BibTeX und HTML5/MathML sein, die von der Extension aus LibreOffice exportiert werden oder auf der Kommandozeile ausgehend von ODT konvertiert werden können. EPUB und XHTML als Zielformate werden entfallen, was zu verschmerzen ist, weil EPUB mittlerweile von LibreOffice nativ unterstützt wird und XHTML nicht mehr wirklich angesagt sein dürfte.

Zur Qualität der aktuellen Version kann ich nichts sagen, da Java in LibreOffice auf meinem Mac seit dem Umstieg von Snow Leopard auf Mavericks schon nicht mehr funktioniert und ich mich da auch nicht wirklich herausgefordert fühle, weil ich heutzutage in dieser Hinsicht eher mit Pandoc und org-mode arbeite, was mir völlig ausreicht, da ich sowieso fast alles in Emacs mache. Beide Konkurrenten haben eine sehr rührige Benutzer- und Entwicklergemeinde, sehr aktive Mailinglisten und laufen stabil. Trotzdem sollte man Writer2LaTeX auf dem Schirm behalten, denn LibreOffice ist gut etabliert, und wenn Henrik Just so aktiv weitermacht wie in den letzten Monaten, könnte da etwas Interessantes und Zeitgemäßes entstehen.

Sonntag, 12. August 2018

Early Typography

Nachdem das Project Gutenberg wieder allseits frei abrufbar ist, sei nachträglich diese „Neuerscheinung“ mit Bezug zum Textsatz angezeigt:

Auch als PDF im Internet Archive:

  • Skeen, William. 1872. Early Typography. W. Skeen. archive.org
Samstag, 28. Juli 2018

Firefox beerdigt RSS-Feeds

Vielleicht hat es der eine oder die andere noch nicht bemerkt: Firefox beerdigt RSS- und Atom-Feeds ab Version 63/64, die Ende des Jahres veröffentlicht werden. Betroffen sind sowohl die Darstellung im Browser als auch die Live-Bookmarks. Einen Ersatz für die bisherige Implementierung gibt es nicht. Nach der Umsetzung wird man Feeds in Firefox nur noch per Extension lesen können, die derzeit verfügbaren Erweiterungen sind aber eher darauf angelegt, einen möglichst vollständigen Feedreader im Webbrowser bereitzustellen, eine leichtgewichtige Lösung wie den bisherigen Standard gibt es nicht. Nach der Entfernung des Feedreaders werden die Bookmarks in eine OPML-Datei exportiert, die man in einer anderen Anwendung importieren kann, falls man das möchte.

Sören Hentzschel erklärt und verteidigt in seinem Blog den Hintergrund zu der Entscheidung aus der Sicht von Mozilla: Betroffen seien nur 0,1 Prozent der Benutzer, und die Komponenten, auf denen der Feedreader in Firefox aufbaut, ständen der Modernisierung des Webbrowsers im Wege. Eine Neuentwicklung des Feedreaders lohne sich nicht.

Angesichts dessen möchte ich nun nicht gleich den Untergang des Abendlands vorhersagen, aber eine Unterstützung des freien und offenen Webs, die sich Mozilla immer wieder auf seine Fahnen und in seine PR geschrieben hat, sähe natürlich ganz anders aus. Darüber hatte ich schon 2016 geklagt. Firefox entfernt sich damit immer mehr von einem effizienten Arbeitspferd für den Webworker und für die offene Gesellschaft – und gerade in einem Augenblick, in dem die Wiederkehr der Feeds angesagt ist, werden sie von Mozilla nicht mehr unterstützt. Damit fällt eine Technik aus, die es ermöglicht, sich abseits von verzerrenden und manipulierenden Algorithmen in Suchmaschinen und auf Sozialen Netzwerken zu informieren. So etwas sollte standardmäßig zur Verfügung stehen, nicht erst als eine nette Bastelei, die man erst einmal finden und hinzu installieren muss. Meine Erfahrungen aus acht Jahren IT-Schulungen in der Erwachsenenbildung zeigt, dass die Mehrheit Webfeeds nicht kennt, wenn man es den Menschen aber erklärt und zeigt, verstehen sie die Technik und ihren Nutzen sofort und setzen sie auch ein.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass auch FTP schrittweise aus Firefox entfernt wird?

Freitag, 27. Juli 2018

TUG2018 und Aquamacs 3.4

Auch bei der anhaltenden Hitzewelle gibt es Neues zu LaTeX und Umfeld zu vermelden:

  • Die Jahrestagung der TeX Users Group TUG2018 fand am vergangenen Wochenende in Rio de Janeiro statt. Sie wurde drei Tage lang live auf YouTube übertragen, und die einzelnen Beiträge sind seit vorgestern im Kanal des Instituto de Matemática Pura e Aplicada abrufbar – wenn ich es richtig sehe, wurden sie in der Reihenfolge des Programms eingestellt. Dort sind die Abstracts verlinkt, zu einigen Beiträgen gibt es Preprints der dazugehörigen Proceedings, die demnächst in der Zeitschrift TUGboat erscheinen werden. Hervorzuheben sind die beiden Vorträge von Frank Mittelbach über A quarter century of doc und über Compatibility in the world of LaTeX sprach. Den Preprint A rollback concept for packages and classes gibts schon länger auf der Website des LaTeX Project zu lesen. Hinzu trat in diesem Jahr die Beschäftigung mit barrierefreien PDFs, die pdfLaTeX nicht out of the box erzeugen kann. Weil sie immer öfter für digitale Veröffentlichungen nachgefragt (und teilweise aufgrund gesetzlicher Vorschriften an vielen Universitäten bzw. in vielen Ländern verlangt) werden, kommt aber auch die TeX-Gemeinde nicht mehr um sie herum. Ross Moor sprach über Authoring accessible `Tagged PDF' documents using LaTeX und Sandro Coriasco stellte in An automated method based on LaTeX for the realization of accessible PDF documents containing formulae das neue Paket axessibility vor – dazu heute ein Nachtrag von Anna Capietto in der Mailingliste accessibility. Joseph Wright hat in seinem Blog über die drei Tage der Tagung berichtet.

  • Am Rande der Konferenz hat Stefan Kottwitz die Eröffnung seines dritten lokalisierten TeX-Webforums bekanntgegeben. Nach der deutschen TeXwelt und der französischen TeXnique gibt es nun auch latex.net.br in brasilianischem Portugiesisch.

  • Und heute, schließlich, hat David Reitter Aquamacs 3.4 veröffentlicht. Der neue Release beruht nicht auf dem neuesten Emacs 26, sondern noch auf dem Vorgänger GNU Emacs 25.3.50. Es ist gleichwohl kein reines Update, sondern bringt auch ein paar Veränderungen unter der Haube mit. So wurde das Scrollen mit dem Touchpad besser an den Mac angepasst. Außerdem wurde die Druckausgabe deutlich verbessert. AUCTeX hat jetzt Version 12.1. Wer mehr über den Ansatz von Aquamacs erfahren möchte, möge die Übersicht der Features nachlesen. An der Konfiguration hat sich nach meinem ersten Eindruck nichts geändert; die Aquamacs-Seiten, die David Reitter im EmacsWiki pflegt, sind auch unverändert geblieben. Viel Zeit für einen Test gab es nicht: Der Release folgte dem Pretest schon nach einem Tag. Ich verwende Aquamacs schon mehrere Jahre, allerdings ohne die macOS-Anpassungen; wie man sie los wird, erklärt der Entwickler im EmacsWiki. Aquamacs läuft ab macOS 10.9. Mehr über den Hintergrund hatte ich 2015 geschrieben. Das Konkurrenzprojekt ist Emacs For Mac OS X, das keinerlei Erweiterungen und eigene Konfiguration bereitstellt, sondern nur die Emacs-Binaries für den Mac.

Donnerstag, 5. Juli 2018
Dienstag, 12. Juni 2018

Englische TeX-FAQ neu aufgesetzt

Die große Zeit der FAQs ist eigentlich vorbei. Ihr Ursprung lag in den Mailinglisten und im Usenet, wo die Regulars es leid waren, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten. Deshalb stellten sie Listen zusammen von häufig gestellten Fragen und häufig daraufhin gegebenen Antworten. Sie werden noch heute bei faqs.org gesammelt, aber man sieht, das letzte Update liegt schon eine Weile zurück.

Die deutsche TeX-FAQ Fragen und Antworten (FAQ) über das Textsatzsystem TeX und DANTE, Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V. von Bernd Raichle, Rolf Niepraschk und Thomas Hafner wurde bis 2003 in elf Teilen in de.comp.text.tex gepostet, meistens sonntags, und das war aufgrund der langen Haltezeiten auf den Newsservern ein zentraler Informationskanal. Daneben gab es Fassungen als PDF auf CTAN und in HTML für das Web.

Mit dem Aufkommen der Wikis in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre ließ das Interesse an den FAQs nach. Gleichzeitig sank die Bedeutung des Usenets. Die Blogs und die Webforen traten an seine Stelle, später auch die Sozialen Netzwerke. Außerdem wurde nun gegoogelt; das Suchen ersetzte die Diskussion. Seit Ende der 2000er-Jahre gab es wieder einen regelmäßigen Pointer in de.comp.text.tex, der aber keine Inhalte mehr bereitstellte, sondern, wie der Name schon sagt, nur auf Ressourcen im Web verweist. Die Einführung in dctt wurde wohl bis Dezember 2015 gepostet.

Nach einem Intermezzo im Vereinswiki von DANTE kam es zum vollständigen kollaborativen Neuschrieb der deutschen FAQ auf texfragen.de, begonnen von Patrick Gundlach und seit 2017/2018 fortgeführt von Stefan Kottwitz. Ein PDF-Export aus dem Dokuwiki steht auf CTAN bereit, derzeit allerdings auf dem Stand von 2013. Das Wiki ist also aktueller als der auf CTAN verfügbare Export.

Daneben gab und gibt es die umfangreiche und – ich glaube, man kann es mit Recht so sagen – bis heute nicht erreichte UK TeX FAQ, in der Robin Fairbairns zuletzt 469 Fragen und Antworten nicht nur gesammelt, sondern auch in eine sehr lesbare Form gebracht hatte. Aus Robins FAQ hatte auch ich über die Jahre immer wieder einiges gelernt. Leider stammt die letzte Fassung in der Version 3.28 aus dem Sommer 2014, was in der heutigen Zeit auch in der TeX-Welt schon ein ziemlich langer Moment ist. Robin Fairbairns hat zudem, seit er den Ruhestand angetreten hatte, seine Mitarbeit im CTAN-Team und seine Beiträge für die FAQ eingstellt.

Zum vierten Jahrestag der Veröffentlichung der letzten Fassung haben nun David Carlisle, Stefan Kottwitz, Karl Berry und Joseph Wright bekanntgegegen, dass sie die englische FAQ weiter pflegen möchten – die Liste der bisherigen Beiträger aus früheren Tagen ist freilich etwas länger. Um die Textsammlung weiter bearbeiten zu können, wurden die Quellen nach Markdown konvertiert und in ein Repository auf GitHub übetragen. Mittels GitHub Pages kann die FAQ von dort aus unmittelbar und ohne einen weiteren Zwischenschritt gehostet und unmittelbar als Website gelesen werden. Die kanonische URL ist von nun an texfaq.github.io bzw. texfaq.org. Und auch der Name wurde leicht geändert: Aus UK TeX FAQ wurde The TeX Frequently Asked Question List.

Und obwohl, wie eingangs erwähnt, die FAQs durch die Webforen und die Suchmaschinen, die heutzutage fast alle Fragen direkt und schnell beantworten, etwas an den Rand gedrängt worden sind, ist dies alles ganz sicherlich eine gute Nachricht, denn eine freie und aktuelle Referenz zu TeX & Friends ist weiterhin sehr wünschenswert und auch notwendig. Ein längerer Text, der Grundlagen erklärt, Zusammenhänge herstellt und der auch gut lesbar ist.

Kritisch angemerkt sei die Frage, ob man für das Hosting tatsächlich auf die Infrastruktur eines kommerziellen Dienstes zurückgreifen sollte oder ob es nicht doch vorzugswürdig wäre, die Web-Version auf einem eigenen Hosting zu betreiben? Oder gleich auf CTAN? Es sollte heute eigentlich kein Problem mehr sein, zumindest tägliche Snapshots aus einem Repositorium auf CTAN für das Web zu spiegeln.

Update 13. Juni 2018: Ich vergaß ja ganz, dass es auch etwas wirklich Neues in Bezug auf die englische FAQ anzumerken gibt: Sie wurde nunmehr unter eine CC-0-Lizenz gestellt.

Montag, 11. Juni 2018

Yahoo Messenger, 1998–2018

Nach 20 Jahren schließt Yahoo seinen Instant-Messaging-Dienst.

In der Diskussion dazu beschreibt ein Teilnehmer am Heise Forum die Entwicklung:

Als Urgestein würde ich IRC bezeichnen und das lebt immer noch, auch wenn es nicht mehr sehr verbreitet ist.

Sterben tun nicht die Standards, sondern proprietäre Dienst unter Kontrolle einer einzelnen Firma werden abgeschaltet, wenn sie keine Gewinne mehr einfahren. Ein offener Standard ohne zentrale Verwaltung kann nicht abgeschaltet werden. Es können höchstens die Nutzer ausbleiben.

Er empfiehlt Matrix zum Chatten; kann aber noch mehr.

Samstag, 9. Juni 2018

Kaum einen Hauch VI

Es sind ja nicht nur Blogs, auch im Journalismus ändert sich etwas. Der ORF zieht sich weitgehend von Facebook zurück, schreibt der Standard: Die derzeit rund 70 ORF-Auftritte auf Facebook sollen auf rund 15 eingedampft werden, wegen „Datenmissbrauch und Intransparenz“ des Netzwerks. Man schalte keine Werbung mehr auf Facebook und YouTube, und es solle auch keine Uploads von Videos auf YouTube geben. Stattdessen Links auf die eigene TVThek.

Ein Paradigmenwechsel. Im besten Fall werden wir uns einmal an die Zeit der Datenkraken erinnern wie wir heute an die Zeit zurückdenken, als es sie noch gar nicht gab. Man darf gespannt sein, welchen Weg die heutigen Benutzer wählen werden – diejenigen, die dort noch immer aktiv sind. Es kann alles nur besser und freier werden.

red. 2018. Teilrückzug: ORF dampft seine Facebook-Auftritte um 80 Prozent ein. derStandard.at. 7. Juni. derstandard.at (zugegriffen: 9. Juni 2018).

Freitag, 8. Juni 2018

LaTeX lebt

Dear TeXers,

Summer with its conferences is upon us. I am writing this text after a full day at the Joint Conference on Digital Libraries at Fort Worth, TX. As befits JCDL, at registration we were given the proceedings volume in digital form. By the way, I've run pdfinfo on the files and found out that of 102 papers presented there, 68 were typeset in TeX. I think the rumors of the imminent demise of TeX in the academic world are somewhat exaggerated. […]

Boris Veytsman, TeX Announce Mailing List, 7. Juni 2018.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Kaum einen Hauch V

Natürlich legt Jörg Kantel den Finger in die Wunde, wenn er darauf hinweist, dass die kommerziellen und durch Datenhandel finanzierten Datensilos nicht so einfach zu ersetzen sein werden, wie die Freie-Software-Gemeinde es sich mitunter wünscht. Es ist pragmatisch, sie trotz allem zu nutzen. Und er legt heute noch einmal nach und entwirft ein Szenario für ein Web ohne Server und ohne Browser. Das wäre natürlich ein veritabler Pradigmenwechsel.

Der Content läge dann nicht mehr im Web, begraben in Datensilos, sondern lokal auf den Rechnern der Benutzer. Er wäre dort auch frei im Sinne von: jederzeit weiter zu verarbeiten, denn er läge in einem Metaformat wie Markdown – oder m.E. sympathischer: Org-mode – vor, reduziert auf die Elemente, die man zur Auszeichnung von Text tatsächlich braucht. Und der Content wäre in diesem Sinne auch dezentral vorhanden, denn man könnte ihn leicht in mehrere Clouds als Backup spiegeln. Das Web verbliebe als öffentlicher Spiegel des lokalen Archivs, bereitgestellt als Quelle, als (X)HTML zum Surfen, zum Drucken, zum Forken, Kopieren usw. Und damit es einfach und praktikabel bleibt (siehe oben), könnte dieser letzte Schritt der Veröffentlichung dann auch auf kommerziellen Plattformen spielen, damit es handhabbar und einfach und möglichst hoch verfügbar wäre.

Aber warum denn nun noch den letzten Schritt bei der Krake ansiedeln? Weil es in diesem Bild immer noch einfacher erscheint, statische Seiten zu erzeugen, die man der Krake übergibt, nur zum Weiterreichen an andere, als die Krake selbst zu ersetzen.

Und gerade das überzeugt mich nicht. Denn etwas fehlt in diesem Bild, nämlich Der Ekel vor dem Netz, wie Günter Hack es genannt hatte – ja, ich wiederhole mich bisweilen. Dieser Ekel sorgt nämlich für Stress, weil man ja die ganze Zeit hinweg dann doch wieder etwas tut, was man eigentlich gar nicht will: Im Datensilo, bei der Datenkrake oder in einem „sozialen“ Netzwerk für Content sorgen und damit seine Leser der dortigen Schnüffelei aussetzen. Jeder Blogpost bei WordPress.com nährt das Ökosystem aus Datensammelei und Datenhandel – man lese sich nur einmal die sogenannte Datenschutzerklärung von Automattic an. Jedes Repositorium bei GitHub (hab da ja auch eines) nährt nunmehr Microsoft.

Was wir wirklich bräuchten, wäre eine genossenschaftliche Struktur, um diese „letzte Meile“ im Publikationsprozess auch noch sauber und appetitlich abzudecken, um den Ekel aus der Kette endlich ganz zu tilgen. Wenn es so schwierig ist, das selbst zu machen, wäre das doch ein Ziel: Unabhängig werden von den Konzernen. Basisdemokratisch und so. Ist das schon zu lange her? Geht das heute nicht mehr? Ich dachte, die Windräder wären so im Kommen. Wo ist der Wind für das Web ohne Konzerne? Sonst hat das doch alles am Ende keinen Sinn.

Ich glaube nicht, dass es statische Seiten sein müssen. Die Entscheidung für statische Seiten ist für mich vor allem eine Frage der Wartbarkeit und der Langzeitarchivierung. Ich möchte eine Quelle haben, die auch langfristig funktionieren wird, so wie meine LaTeX-Dokumente von vor achtzehn Jahren heute auch immer noch lesbar sind und größtenteils kompilierbar. Ob Markdown dafür die richtige Wahl ist, bezweifle ich, denn es ist zu sehr an die großen kommerziellen Lösungen wie GitHub angedockt. Ein richtiges Nerd-Format wie Org-mode ist wohl doch eine bessere Wahl auf lange Sicht.

Das Für und Wider von datenbankbasierten Bloggersystemen wie WordPress und statischen Systemen wie Hugo oder Jeckyll erinnert mich eher an die Glaubenskriege zwischen CLI und GUI, wie sie in dem Essay In the beginning was the command line von Neal Stephenson beschrieben wurden – ein Text, der übrigens derzeit wohl nur noch in dezentralen Archiven zu finden ist, wenn man das so nennen will. Glücklich, wer noch eine lokale Kopie davon hat.

Dienstag, 5. Juni 2018

On the track III

Die Übernahme von GitHub durch Microsoft erinnert an das – rein fiktive – Startup My beloved pet dot com, das Constanze Kurz und Frank Rieger einst in ihrem Buch Die Datenfresser auftreten ließen, um zu demonstrieren, wie Datenhandel funktioniert. Das sympthische kleine Unternehmen wird von dem riesigen Weltkonzern geschluckt, um die Benutzerdaten weiterzureichen und zu verwerten. Es zeichnet sich ab, dass zumindest ein Teil der Community neue Wege gehen wird. Das Web ist in ständiger Re-Organisation, es verteilt sich immer wieder neu, und der Name Microsoft ist nicht gerade vertrauensstiftend. Ob GitLab ein Ausweg ist? Eher nein. Dezentrale Lösungen für Offene Daten würden gebraucht. Sowas sollte zur Grundausstattung einer Zivilgesellschaft gehören.

Demgegenüber meldet der Verbraucherzentrale Bundesverband einen kleinen Erfolg: Apple hat laut VZBV eine Unterlassungserklärung abgegeben, der zufolge die Teilnahmebedingungen für Schülerkurse in den Apple Stores geändert werden müssen. Der Verband hatte die Bedingungen fast vollständig als rechtswidrig kritisiert.

Was macht die Schule in einem Apple Store?

Apple bot in seinen Verkaufsläden „Entdeckungsreisen“ für Schülergruppen an. In den Kursen konnten die Kinder unter Anleitung und mithilfe von Geräten des Konzerns ihre Projekte gestalten.

Und was war dabei rechtswidrig?

Apple behielt sich das Recht vor, die Kinder während der Kurse zu fotografieren und zu filmen und die Aufnahmen umfassend zu verwerten. Außerdem lehnte das Unternehmen jegliche Haftung ab. Das sollten die Eltern mit ihrer Unterschrift auf einer Einverständniserklärung bestätigen.

Über das Eindringen der Konzerne in die Schulen wird viel zu wenig berichtet. Apple liefert coole iPads, und Google hat einen Einplatinen-Computer, den empfiehlt die Internetbotschafterin der Bundesergierung. Eine ganze Generation von Schülerinnen und Schülern wird erfasst und auf ihrem weiteren Weg „begleitet“ und vermarktet. Und das ist modern.

Samstag, 2. Juni 2018

William Kentridge, „O Sentimental Machine“ im Liebieghaus, Frankfurt am Main

In der Mitte des dunklen Raums steht eine phantastische Maschine. Ein großer, unentwegt atmender „Elefant“ als Holz und Metall, der vor sich hin arbeitet, ohne Pause, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Ziel, aus sich heraus und für sich. Große Hebel, schiebende Flügel. Es dreht sich und es hebt sich etwas. Und trotz der Bewegung ruht er doch in sich. Ich glaube, es liegt an dem warmen Material Holz. Rundherum nicht weniger phantastische Filmszenen aus fünf Projektoren, die teils auf Holzplatten, teils auf die Reliefs im Rom-Saal des Liebieghauses leuchten und Szenen zeigen, Fragmente aus der Kunst, aus der Wissenschaft, Szenen einer Ehe, die Prozession einer politischen Bewegung. Und Metronomen, immer wieder. Vieles wird vorbeigetragen. Das ganze zu nicht weniger phantastischer Musik. Sie ist das schwächste Element von allen und kann sich nur deshalb gegen die Optik behaupten, weil sie über vier mächtige Lautsprecher gespielt wird, die in den Ecken ziemlich an der Decke platziert sind, vermehrt um vier Megafone, die frei im Raum verteilt sind und über die immer wieder gesungene, deklamierte oder gemurmelte Texte zu hören sind. Die Zuschauer können sich frei im Raum bewegen oder sich auf ein paar um den „Elefant“ verteilte Stühle – einfache Holzstühle und Drehstühle – setzen. Man muss sich immer wieder hin und her drehen, man bleibt in Bewegung, ist Teil der Bewegung, der Dynamik.

The refusal of time von William Kentridge, das zurzeit im Liebieghaus zu sehen ist, ist ein wahres Spektakel. Es dauert eine halbe Stunde, aber man meint, es wäre ein ganzes Leben. Ich habe schon lange nicht mehr in so kurzer Zeit so viel Zeit erlebt. Der „Elefant“ relativiert die Zeit und macht sie bewusst. Und es ist nur eines von 80 Werken in der Ausstellung, aber es ist bei weitem dasjenige, das mich am meisten angeregt hat. In der gestern neu eröffneten Kunsthalle Mannheim sei es auch zu sehen. Es gibt also mehrere davon. Wie beruhigend.

In diesem Interview im Louisiana Channel erzählte Kentridge 2017 – ebenfalls eine halbe Stunde lang – über das Werk, das zuerst 2012 bei der documenta 13 gezeigt worden war:

William Kentridge. O Sentimental Machine. Bis 26. August 2018 im Liebieghaus, Frankfurt am Main. Kuratoren: Vinzenz Brinkmann und Kristin Schrader. Katalog im Kerber Verlag, im Museum 39,90 Euro.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Kaum einen Hauch IV

Schon wieder zwei Blogs weniger in meinem Feedreader. Aber nicht alle Blogs, die derzeit geschlossen werden, werden wegen des Inkraftretens der Datenschutz-Grundverordnung geschlossen. Das ist auch kein Anzeichen einer Entdigitalisierung. Es ist einfach eine Bereinigung der Kommunikationskanäle, die man unterhält. Too much information.

Es ist ein Bewusstwerden über die allgemeine Verzettelung. Man konzentriert sich auf das, was wirklich wichtig ist. Ein Anlass zur Beschränkung. Was wertvoll ist, erhält man, was entbehrlich ist, kann weg.

Und man vergewissert sich der dunklen Seite des digitalen Lebensstils. Bloggen heißt Publizieren und damit Ansprüchen Dritter ausgesetzt zu sein. Die Sozialen Medien haben einen sozialen, und das heißt auch: einen rechtlichen Bezug.

Das alles vor dem Hintergrund des Ekels vor dem Netz und des Rückzugs aus der Öffentlichkeit in private Grüppchen bei privaten Datenkranken seit 2013/14.

Natürlich verändert sich damit die digitale Öffentlichkeit. Allzu Privates schwindet, das Kommezielle tritt noch mehr hervor als bisher schon. Es ist eben ein Umbruch, aber weil er mit einer Selbstvergewisserung verbunden ist, ist es ein Umbruch zum Besseren hin.

Sonntag, 27. Mai 2018

„Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“ im Städel Museum, Frankfurt am Main

Es ist eine kleine Ausstellung von meist sehr eindrücklichen Radierungen und Zeichnungen. Die Blätter werden in einem betont ruhigen Umfeld gezeigt, gedämpftes Licht – der Raum temperiert durch eine ziemlich kühle Klimaanlage. Lucian Freud und Frank Auerbach teilen die Emigration als Kinder aus Nazi-Deutschland nach Großbritannien. Sie waren befreundet, die gegenseitige Beeinflussung fühlt man förmlich, aber auch die jeweils eigene Handschrift. Ein Blickfang ist das Selbstbildnis Auerbachs in Graphit auf Velin: Überdimensionaler Kopf in groben Zügen, schwarze und graue Linien, grob und unruhig und doch plastisch und lebendig im guten Sinne. Freud dagegen: detailreich, und alles andere als modelhafte Modelle aus irritierendem Blickwinkel. Was beide Künstler eint ist, dass sie uns das genaue Hinsehen lehren, die Suche nach dem, was hinter der Linie liegt und was die gar nicht leicht skizzierten und in die Druckplatte geritzten Striche auf Dauer miteinander verbindet. Eine absolut sehenswerte Ausstellung. Zum Schluss ein Blick auf die handwerkliche Seite der Radierung. Leider fehlt Francis Bacon, der dritte der „Londoner Schule“, derzeit in der Gegenwartskunst.

Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter. Kuratorin: Regina Freyberger. Städel Museum, Frankfurt am Main. Bis 12. August 2018. Katalog: 15 Euro. – Einführung von Regina Freyberger im Städel-Blog: „Wie ein Ungeheuer, das in die Welt hinausstolziert“.

Samstag, 26. Mai 2018

Kaum einen Hauch III

Wie eine Furie des Verschwindens entgleitet uns die netzpolitische Diskussion aus den Händen. Der Anlass: Ein Schnelllöschantrag auf die Weiterleitung 0zapftis in Wikipedia. Leitet weiter zu Online-Durchsuchung. Da war doch was? Aber was? Der Bayerntrojaner – vom CCC im Jahr 2011 beschrieben. Aber weder spiegel.de noch zeit.de liefern: null. Heise: Nur zehn Treffer, davon die Hälfte aus WWWW (also nicht zu gebrauchen) und einmal c't (also nicht frei abrufbar). Genios: Nur ein ziemlich schwacher Beitrag aus der Welt und ein Kommentar aus der Rhein-Zeitung. Archive.org: Fehlanzeige. Netzpolitik.org verlinkt dann endlich die alten Beiträge bei der Zeit und bei der FAZ. Auf GitHub via dieser Notiz zum 28C3. Via WorldCat zu diesem Paper. – Aber meine Güte: Wo ist unsere Geschichte geblieben? Sie verrinnt vor unseren Augen und verschwindet im Netz, das angeblich nichts vergisst. Alle reden von Snowden, und keiner erinnert sich mehr an die hausgemachten Skandale.

  • Biermann, Kai. 2011. Onlinedurchsuchung: CCC enttarnt Staatstrojaner. Die Zeit, 8. Oktober, Abschn. Digital. www.zeit.de (zugegriffen: 26. Mai 2018).
  • Carbone, Richard und Canada. 2013. Malware memory analysis for non-specialists: investigating publicly available memory image Ozapftis (R2D2). Place of publication not identified: Defence Research and Development Canada. publications.gc.ca (zugegriffen: 26. Mai 2018).
  • N.N. 2011a. Chaos Computer Club analysiert Staatstrojaner. Chaos Computer Club. 8. Oktober. www.ccc.de (zugegriffen: 25. Mai 2018).
  • ---. 2011b. Addendum Staatstrojaner. Chaos Computer Club. 9. Oktober. www.ccc.de (zugegriffen: 25. Mai 2018).
  • Rieger, Frank. 2011. Ein amtlicher Trojaner: Anatomie eines digitalen Ungeziefers. FAZ.NET, 9. Oktober, Abschn. Feuilleton. www.faz.net (zugegriffen: 26. Mai 2018).
Freitag, 25. Mai 2018

Kaum einen Hauch II

Wer zählt die E-Mails, wer die Klicks, die angeblich notwendig waren gestern und heute, angeblich um dem Datenschutz zu genügen? Wo wäre der Datenschutz heute ohne sie?

… Daher bitten wir Sie um Rückmeldung, falls Sie in Zukunft keine E-Mails mehr von uns erhalten möchten …… Wenn Sie weiterhin Informationen vom uns erhalten möchten, müssen Sie nichts weiter tun. Möchten Sie jedoch aus unserem Verteiler entfernt werden, bitten wir Sie um eine kurze Nachricht per E-Mail, dass Ihre Daten gelöscht werden sollen …… benötigen wir nun Ihre ausdrückliche Zustimmung, wenn wir Ihre E-Mailadresse weiterhin elektronisch speichern wollen und Ihnen über die Mailingliste weiterhin den Newsletter mit unseren Informationen zukommen lassen möchten …… aktualisieren wir zzt. unsere Daten. Vor dem Hintergrund der am 25. Mai 2018 in Kraft tretenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bitten wir Sie daher um eine (nochmalige) Bestätigung Ihrer Newsletter-Anmeldung – ansonsten werden wir Ihnen nach dem 25.5. keinen Newsletter mehr zusenden …… Um auch dann weiterhin diese Newsletter rechtssicher an Sie versenden zu können, ist an dieser Stelle (evtl. nochmals seufz, aber das ist vorgeschrieben) Ihre Einwilligung erforderlich …

Bei einem Berliner Verein taucht die neue Datenschutzerklärung tatsächlich drei Stunden vor Ablauf der Frist noch auf der Website auf. „Unser Unternehmen“. Ah. Und entschuldige bitte den langen Brief, ich hatte keine Zeit, dir einen kurzen zu schreiben.

Endzeitstimmung macht sich breit. Blogs schließen ihre Kommentare (ich ja auch). Newsletter werden abbestellt oder nicht verlängert. Mailinglisten wechseln den Admin aus, weil sich der alte nicht mehr traut weiterzumachen. Und ganz viele Accounts werden geschlossen.

Es ist abzuwarten, wie es weitergeht mit dem Internet, das nichts vergisst. Mit ewigen Archiven, vollständig und unverrückbar, eigentlich nur mit Bibeln zu vergleichen.

In den letzten Wochen trennte ich mich von meinen letzten Nur-Lese-Accounts bei Facebook und Twitter. Flickr hatte ich schon seit 2015 nicht mehr verwendet. Das ist ein Teil von Yahoo. Man glaubt es gar nicht, wo man überall noch Konten hatte. Ein Anbieter schreibt mir auf Englisch, als ich den Zugang schließen möchte, eine Right-to-be-forgotten-Anfrage könne nur bearbeitet werden, wenn eine Kopie eines amtlichen Dokuments beigebracht werde, auf dem der Name des Betroffenen und die E-Mail-Adresse zu lesen sei, unter der man sich registriert habe. – Schnell weg da, weg da, weg!

YouTube ist unter folgender Anschrift zu erreichen: YouTube LLC, 901 Cherry Ave., San Bruno, CA 94066, USA. Die Datenschutzerklärung findet man unter policies.google.com

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