An den Buchmesse-Wochenenden gab es schon beides: Strahlenden Sonnenschein ebenso wie fünf Tage Regenwetter mit eiskaltem Wind. Und da ist er nun, der kalte Nordwind kommt herein. Mit noch kälteren Regen, immer wieder. Und es ist ein bisschen wie beim Literaturnobelpreis, der wieder an eine ging, die angeblich viele auf der Rechnung hatten, nur ich nicht. Sie sei in Island gewesen, als der Anruf aus Stockholm kam. In Island, um dem Wind zu lauschen. Was der Wind erzählt. Der Wind aus ganz anderen Gegenden, erzählt vom Frieren, vom Tod auch und vom heißen Tee, der immer wieder aufgebrüht werden muss, und der nie ausgehen darf, von dem man also gar nicht zuviel einkaufen kann. Vom Weiterleben also auch.
Die Nobelpreiswoche fällt wieder zusammen mit der Buchmessenwoche. Das ist nicht immer so, aber doch oft genug. Und die S-Bahnen sind voller Büchermenschen mit kleinen Rollkoffern. Anreisend, abreisend, ruhelos im Zwischenraum der Zeit, zwischen Gestern und Morgen. Außer Maxim Billers neuem Roman gabs dieses Jahr nicht viel Erwähnenswertes, oder?
Und die Blätter fallen. Bei den kleinen Bäumchen und den Hecken hat es angefangen, und es wird noch einen langen Moment so weiter gehen. Alles wird immer gelber und brauner, so viele Tupfen, wer macht sie nur, so oft und so viel über Nacht?
Mein Soundtrack in diesen Tagen war übrigens Manu von Renaud auf single repeat, stundenlang. Alles wird sehr, sehr gut.
Auch er war einer der ganz Großen, obwohl er nur zwei Alben herausbrachte, OutRun (2013) und Reborn (2022). Kavinsky lebt nicht mehr. Er starb am 28. Juli 2026 in seiner Pariser Wohnung, möglicherweise an einem Schlaganfall, aber das sei noch nicht sicher, schreibt der Parisien. Der French touch hat einen seiner prägenden Musiker verloren. Ich weiß nicht, wie oft ich Nightcall gehört habe. Die Musik-App von macOS sagt: 47 mal, aber das ist nur seit ich die Aufnahme in dieser Playlist führe, an der Stelle, an der auch die anderen Titel stehen, die vor zwei Jahren während der Olympischen Sommerspiele von Paris wieder auftauchten. Als wären sie nie weg gewesen, als wären sie so frisch wie gerade zum ersten Mal veröffentlicht. Und das ist ja auch so. Ein Nightcall ist ein Nightcall ist ein Nightcall.
AIR joue « Moon Safari ». Royal Albert Hall, London, 31. Mai 2024, Arte Concert, verfügbar bis 13. September 2025. Un concert d’exception pour se replonger dans l’âge d’or de la French touch.
Liederabend Hélène Grimaud, Konstantin Krimmel: Johannes Brahms, 9 Lieder und Gesänge op. 32; Valentin Silvestrov, Auswahl aus: Silent Songs; Klavier-Festival Ruhr 2024, Arte Concert, verfügbar bis 28. Januar 2025.
Igor Levit, Fantasia, in der Naxos Music Library gehört. Passt sehr zu der unruhigen und ratlosen Zeit. Es sind Stücke voller Fragen, und einige trösten sogar ein bisschen.
Hatte nun endlich auch die Zeit, mir die Wagnerdämmerung von Katarina Schickling, Teil 1 und Teil 2, bei 3sat anzuschauen. Wie kann man es sagen – es entsprach den Erwartungen: Nichts Neues, aber schön produziert, insgesamt knapp 70 Minuten, ein Update zur Saison. Ausgewogen bis zum Abwinken, keinem wurde auf die Füße getreten. Erst 2024 gehts weiter, wenn der Vertrag der Intendantin Katharina Wagner ausläuft. Auch dieses Jahr wurde die Premiere (Parsifal) auf France Musique übernommen, vier Stunden lang und in besserer Qualität als beim Bayerischen Rundfunk.