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Kavinsky (1975–2026)

Auch er war einer der ganz Großen, obwohl er nur zwei Alben herausbrachte, OutRun (2013) und Reborn (2022). Kavinsky lebt nicht mehr. Er starb am 28. Juli 2026 in seiner Pariser Wohnung, möglicherweise an einem Schlaganfall, aber das sei noch nicht sicher, schreibt der Parisien. Der French touch hat einen seiner prägenden Musiker verloren. Ich weiß nicht, wie oft ich Nightcall gehört habe. Die Musik-App von macOS sagt: 47 mal, aber das ist nur seit ich die Aufnahme in dieser Playlist führe, an der Stelle, an der auch die anderen Titel stehen, die vor zwei Jahren während der Olympischen Sommerspiele von Paris wieder auftauchten. Als wären sie nie weg gewesen, als wären sie so frisch wie gerade zum ersten Mal veröffentlicht. Und das ist ja auch so. Ein Nightcall ist ein Nightcall ist ein Nightcall.

Der Wanderer 110

Brahms. Lieder (Song Transcriptions; arr. Reger). Rudolf Buchbinder, Klavier. Deutsche Grammophon. 2024.

Der Wanderer XCV

Igor Levit, Fantasia, in der Naxos Music Library gehört. Passt sehr zu der unruhigen und ratlosen Zeit. Es sind Stücke voller Fragen, und einige trösten sogar ein bisschen.

Wagnerdämmerung

Hatte nun endlich auch die Zeit, mir die Wagnerdämmerung von Katarina Schickling, Teil 1 und Teil 2, bei 3sat anzuschauen. Wie kann man es sagen – es entsprach den Erwartungen: Nichts Neues, aber schön produziert, insgesamt knapp 70 Minuten, ein Update zur Saison. Ausgewogen bis zum Abwinken, keinem wurde auf die Füße getreten. Erst 2024 gehts weiter, wenn der Vertrag der Intendantin Katharina Wagner ausläuft. Auch dieses Jahr wurde die Premiere (Parsifal) auf France Musique übernommen, vier Stunden lang und in besserer Qualität als beim Bayerischen Rundfunk.

No Man's Woman

Sie muss eine Menge mitgemacht haben. Sie hat es auch nicht für sich behalten, sondern öffentlich gemacht. Ihr englischer Wikipedia-Artikel liest sich eher wie eine Krankenakte. Und auch ich denke an ihren einzigen großen Hit, mit dem sie für immer bekannt wurde: Nothing compares 2 U. Eigentlich von Prince, aber mit einer ganz eindrücklichen Performance für immer mit ihr verbunden. Damals, im Jahr 1990, hatten Musikvideos noch eine gewisse Reichweite. Die besseren waren künstlerisch gemacht. Die Videokunst war ein Kind der gerade abgeschlossenen 1980er Jahre.

Das Lied lief während einer Taxifahrt am frühen Abend vom Krankenhaus nachhause. Wir hatten damals einen Todesfall in der Familie, und der Taxifahrerin ging es ebenso, erzählte sie uns. Es war eine traurige Fahrt, die sich lange anfühlte, endlos lange anfühlte. Ein langer, sehr trauriger, ein einziger gesungener Schrei, den man nicht vergisst. Eine Melodie, die nachklingt. Ein Gesicht. Ein Kopf.

John Creedon widmete Sinéad O’Connor gestern Abend auf RTÉ Radio 1 seine ganze Sendung und spielte dabei unter anderem ein Lied, das hierzulande weniger zu hören ist. Dazu gibt es ein Video, das einen leidensvollen Prozess der Individualisierung zeigt. Die (Wieder-)Geburt aus dem Geist der Verweigerung heraus, aus dem Protest heraus und mit Hilfe der Musik. Der eigenen Musik auf dem eigenen Instrument, das zu ihr passte. Sie war No Man's Woman.

Klar, sehr kommerziell produziert. Aber auch sehr gut gemacht.

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