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Samstag, 24. September 2016

Apple aktualisiert wohl El Capitan nicht mehr

Golem weist darauf hin, daß das in der vergangenen Woche veröffentlichte macOS Sierra nicht nur eine neue Version von Mac OS X ist, sondern tatsächlich ein Sicherheitsupdate für die frühere Ausgabe El Capitan. In der Dokumentation ist mehrfach die Rede davon, daß in Sierra Bugfixes für El Capitan enthalten seien.

Das würde Golem zufolge bedeuten, daß El Capitan seit vergangenem Dienstag nicht mehr gepflegt wird. Eine ganze Reihe seit langem bekannter Sicherheitslücken würde somit nicht mehr gefixt werden. Die Vor-Vor-Version Yosemite sei gleich ganz aus dem Support herausgefallen, heißt es in dem Bericht.

Mit anderen Worten: Sierra als faktisches Zwangsupdate. Und ohne vorherige Ankündigung. Es war immer üblich, daß Apple die jeweils beiden letzten Versionen seines Betriebssystems weiter gepflegt hat. Wir sind noch nicht soweit wie bei Microsoft, das Windows 10 bekanntlich als Botnet konstruiert hat. Von Zwangsinstallationen ist noch nichts bekanntgeworden. Noch nicht. Aber wir sind doch der geplanten Obsoleszenz durch Software einen weiteren Schritt näher gekommen.

Freitag, 23. September 2016

Büchermarkt II

Diese Woche ist bekannt geworden, daß das Kultur- und das Jugendprogramm ab April 2017 neue Namen erhalten sollen: Deutschlandradio Kultur wird zu Deutschlandfunk Kultur und DRadio Wissen wird zu Deutschlandfunk Nova.

Der Namenswechsel kostet eine Million Euro. Wissen Sie, das alte Briefpapier wird aufgebraucht und die alten Visitenkarten werden aufgebraucht, die sowieso alle paar Monate erneuert werden müssen. Aber das ist dann Normalgeschäft. Beides sind zudem wohl ziemlich unschöne Namen. Hinzu kommt die offizielle Begründung: Der Deutschlandfunk sei bekannter als das Deutschlandradio, deshalb sei es besser, die anderen Programme umzubenennen, dann würden sie auch von mehr Hörern eingeschaltet. Das ist nicht nachvollziehbar, angesichts des dort gleichzeitig erwähnten Zuwachses bei Deutschlandradio Kultur.

Eine Verschiebung der Kultur vom DLF zum Kulturkanal hat der Intendant Willi Steul in dem heutigen Gespräch dementiert. Trotzdem erscheint der Weggang Denis Schecks zum SWR in einem neuen Licht. Es wird wohl doch noch Pläne zum Umbau bei der Kultur geben. Einer wie Scheck gibt so eine Stelle nicht ohne Not auf.

Donnerstag, 22. September 2016

Noch lange nicht vorbei IX

Nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus scheint es für schwarz-grün nicht mehr sicher zu reichen. Daher erstmals ganz offen die Diskussion über rot-rot-grüne Koalitionen.

Es ist ein Spiel mit verteilten Rollen, und die SPD bezieht Position für die Arbeithaber und überläßt die Arbeitslosen gerne der Linken. Erst haben sie die Löhne gedrückt und den „Niedriglohnsektor“ geschaffen, und jetzt sorgen sie dafür, daß die Regelsätze einen gehörigen Abstand zu diesen Hungerlöhnen aufweisen. So eben die „Sozialministerin“ in einem Beitrag im Deutschlandfunk. Und der Parteivorsitzende am Wahlabend live auf der Bühne. Nach oben buckeln und nach unten treten, das können sie, und dafür werden sie auch gewählt, von derzeit etwa zwanzig Prozent.

Welche Rolle die Grünen dabei spielen werden, hat sich ihr Geschäftsführer in der letzten Berliner Runde ausdrücklich offengehalten. Alles sei im Fluß, man wisse das heute noch nicht, es könne durchaus sein, daß es im Herbst 2017 am Ende dann doch für schwarz-grün reiche. Dann sei alles wieder ganz anders.

Und der Strom der ehemaligen Nichtwähler und der Linken-Wähler zu den ganz Rechten verweist auf einen völligen Ausfall an politischer Bildung.

So ungefähr.

Jörg Kantel hat gerade die Zustimmung zu CETA zum Anlaß genommen, nach 47 Jahren aus der SPD auszutreten – kaum zu glauben, daß er so lange dort Mitglied war! Claudia Klinger schrieb schon im vergangenen April über die gesellschaftliche Dimension hinter alledem. Über die Netzwerke, die mit dem Abbau der Volksparteien mit kaputtgehen.

Die Gesellschaft fragmentiert in 15-bis-20-Prozent-Partikel. Jeder kümmert sich nur noch um seine Klientel, aber niemand fühlt sich mehr fürs Ganze verantwortlich. Rette sich, wer kann.

So war die nicht vermeidbare Aufnahme der Fremden am Ende nur ein Anstoß, ein Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, um egoistische Stimmungen auszulösen und um ein Hauen und Stechen, alle gegen alle, zu triggern.

Und weil die Verteilungskämpfe aus dem ökonomischen Sektor jetzt in den politischen übergreifen, führen sie zu einem immer weitergehenden Auseinanderfallen. Vollkommen selbstreferentiell, als gäbe es die Welt da draußen gar nicht, als wäre sie bestenfalls ein Stichwortgeber. Der Blick über den Tellerrand hinaus fehlt. Vollkommen logisch daher das Nachdenken über das Schließen von Grenzen, die es schon ganz lange nicht mehr gibt und die es auch nicht wieder geben wird.

Klaus Harpprecht ist gestorben, er war ein Redenschreiber von Willy Brandt. Wie lange die Zeit schon her ist. Die „härteren Tage" sind da.

Sonntag, 18. September 2016

Büchermarkt

Denis Schecks Weggang beim Deutschlandfunk hat der Sendung Büchermarkt gut getan. Sein Nachfolger Jan Drees, der mir bisher vor allem als einer der wenigen lesenswerteren Literaturblogger aufgefallen war, macht ernst und bringt die Indie-Szene ins Feuilleton: Joshua Groß' Faunenschnitt aus dem Fürther Verlag Starfruit Publications wurde gerade von Christoph Schröder besprochen. Und von Wolfgang Herrndorfs Tschick gibts jetzt eine Verfilmung: Ob sie auch für Leser von Interesse sei (Besprechung von Maik Brüggemeyer)? Der DLF wird nun also doch etwas lebendiger. Es könnte sich lohnen, den Podcast der Sendung zu verfolgen.

Dienstag, 13. September 2016

Noch lange nicht vorbei VIII

Der Rechtsruck, der nun auch bei uns angekommen ist, ging ja unter anderem von Österreich aus. Robert Menasse hat heute morgen im Interview im Deutschlandfunk auch für Deutsche verständlich erklärt, wie die Kapitulation des Rechtsstaats durch die großen Koalitionen dort über einen sehr langen Zeitraum hinweg vorbereitet worden war.

Als mir vor ein paar Jahren mal ein Kollege erzählte, wie das in Österreich funktioniert, wollte ich es zuerst gar nicht glauben. Es gibt dort nämlich eine Rechtsquelle, die wir im deutschen Recht nicht kennen, das Verfassungsgesetz. Nach herrschender Meinung ist das ein Gesetz mit Verfassungsrang und gehört damit zum Verfassungsrecht; nach anderer Ansicht ist es einfach nur ein Gesetz, das mit verfassungsändernder Mehrheit beschlossen worden ist, aber eben nur im Range eines einfachen formalen Gesetzes. Solche Verfassungsgesetze wurden in Österreich immer dann erlassen, wenn etwas umstritten war. Sie wurden mit Zweidrittelmehrheit im Parlament beschlossen und waren damit der materiellen Kontrolle durch den Verfassungsgerichtshof entzogen. Verfassungsgesetze sind nach österreichischer Auffassung von vornherein verfassungsmäßig, sie können nicht verfassungswidrig sein, denn sie wurden ja mit verfassungsändernder Mehrheit beschlossen. Ihre Verfassungsmäßigkeit wird nicht an der zum Zeitpunkt ihres Erlasses geltenden Verfassungsrecht geprüft. Deshalb wurde auch kaum ein umstrittenes Gesetz in Österreich je vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben, ganz im Unterschied zu Deutschland, wo es ja eher zum Regelfall geworden ist, die abenteuerlichsten Dinge im Parlament zu beschließen, weil sie später sowieso wieder „von Karlsruhe“ aufgehoben werden. Keine Sorge, Karlsruhe wird das wieder richten. „Der Gang nach Karlsruhe“ ist zum geflügelten Wort geworden – an sich ja auch schon ein Skandal. Karrierebewußte Abgeordnete verlassen sich darauf und stimmen schon auch mal dafür, wo es substantielle Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit gibt. So erzählte das zumindest mal der ehemalige SPD-Abgeordnete Tauss, als seine politische Karriere zuende ging und er infolge der nach ihm benannten Affäre aus dem Parlament ausscheiden mußte. Diese Korrektur der Politik durch die Rechtsprechung, das Primat des Rechts über die Politik, kann man also in Österreich umgehen, indem man möglichst große Koalitionen bildet, die Verfassungsgesetze erlassen, um den Rechtsstaat auszuhebeln.

Menasse sieht darin eine Aushöhlung des Rechtsstaats, die sich aktuell auswirke: Die österreichische Verfassung ist systematisch zur Ruine gemacht worden. … Und mit der Begründung dieser Papierruine, die wir haben, macht jetzt das österreichische Verfassungsgericht, das die Wiederholung der Bundespräsidentenwahl lediglich auf formale Fehler bei der Auszählung, nicht auf Fehler im Ergebnis oder auf konkrete Manipulationen gestützt hatte – mit dieser Begründung mache also der Verfassungsgerichtshof die Republik zur Ruine, und das ist unerträglich. Indem sie gegen das Wahlergebnis vorgegangen sei, habe die FPÖ nichts anderes getan als die AfD in Deutschland. Beide Parteien liege daran, dieses System zu zerstören. Sie zerstören eine Republik, sie zerstören demokratische Strukturen im Namen der Demokratie. Und jetzt frage ich Sie: Erinnert Sie das an etwas?

Zumal eine Wahlwiederholung gar nicht möglich sei: Mittlerweile sind nämlich schon jetzt mehr Menschen, die wahlberechtigt waren bei dieser Wahl, gestorben, als der Stimmenunterschied zwischen den Kandidaten war. Es seien aber auch mehr Menschen wahlberechtigt geworden, also ins wahlberechtigte Alter gekommen, als Stimmendifferenz war zwischen diesen beiden Kandidaten, und die wiederum dürfen nicht wählen, weil nur die wählen dürfen bei der Wahlwiederholung, die schon damals wahlberechtigt waren. Das heißt, eine enorme Anzahl von Österreichern darf nicht wählen, muss aber dann sechs Jahre mit diesem Bundespräsidenten leben, und eine enorme Anzahl von Österreichern, die gewählt hat, kann nicht noch einmal wählen, weil sie bereits verstorben sind.

So werden Unregelmäßigkeiten erst geschaffen.

Geh'mer Tauben vergiften im Park?


Montag, 12. September 2016

NPR und CBC

Die Website von NPR ist wieder einen Schritt weiter auf seiner Website: Der Player läuft weiterhin ohne Flash, man kann jetzt aber auch zwischen dem bundesweiten Program Stream und fünfzehn (in Zahlen: 15) Musik-Streams umschalten. Und solange man auf der Website bleibt, spielt der Player weiter. Im Desktop-Player – wie gehabt – als MP3 und AAC.

Die kanadische CBC hingegen hat ihren Service deutlich zurückgefahren. Die 128er-Livestreams wurden für die Wiedergabe im externen Player im Ausland gesperrt. Auf der Website spielt nur noch Radio One (ohne Flash). Die offiziellen Livestream-URLs wurden auf 48 kb/s gedrosselt. Für das Kulturprogramm Radio 2 gibt es nur noch zwei internationale Streams – mit derselben Datenrate. Die weiteren Livestreams sind gleich ganz geo-geblockt.

Sonntag, 11. September 2016

Noch lange nicht vorbei VII

Was derzeit innenpolitisch geschieht, ist nicht überraschend. Man konnte es erwarten, denn es wiederholt sich im wesentlichen, was jahrelang in Österreich vorausgegangen war. Um das zu bemerken, hätte man die Entwicklung dort verfolgt haben müssen, natürlich. Die wenigsten tun das, aber ich mittlerweile schon, denn es lohnt sich. Es reicht für den Anfang schon ein Blick auf den derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf. Marlene Streeruwitz hat das gerade im Standard kommentiert, und sie schreibt auf ihrer Website dagegen an mit einem Wahlkampfroman, in wöchentlichen Fortsetzungen. Weil der Roman als Kunstform die einzige Möglichkeit ist, abstrakte Verhältnisse wie eine politische Entscheidung auf das Leben zu beziehen und damit den Sonderfall des Allgemeinen herauszuarbeiten.

Ich glaube auch, es ist ernst geworden, es kommt darauf an, und die Ursachen liegen in erster Linie im Widerstand gegen die Modernisierung der Gesellschaft im ganzen – technologisch, ideologisch, sozial. Nicht nur in Europa, übrigens, sondern auch in den USA, wo Hillary Clinton gerade die Wähler von Trump wahrscheinlich ziemlich zutreffend beschrieben hat. Es ist eine Art modernitätsfeindliche, antimoderne Gegenströmung, die zwar eine Minderheit ist, aber eine doch ziemlich umfangreiche, so sehr, daß man nun nicht mehr an ihr vorbeikommt. Die jahrelang in der Schweigespirale war. Es ist die alte Stahlhelmfraktion bzw. deren Nachkommen, es sind Modernisierungsverlierer (wer ist das nicht?) und es sind Leute, die einfach nicht mehr mitkommen, die die immer komplexer werdende Welt nicht mehr verstehen und die nicht anders! rufen, sondern zurück! Die endlich wieder bleiben wollen, wo sie nie gewesen sind und wo kein Weg hin führen kann. Denn es geht ja nur nach vorne, niemals rückwärts.

Mit der Zeit zeigt sich ein Profil der Reaktion.

Und das alles muß man erstmal aushalten können. Siehe Armin Nassehi über die Allensbach-Umfrage zu der zunehmenden Angst unter den 30–59-Jährigen.

Unter zehn Cent pro Artikel

Beim Spiegel hat sich in den letzten Tagen mehr getan als nur ein Facelifting für die alte Tante SpOn – die 1996 mal so aussah. Auf ihre Hauptseite setzen sie jetzt häufiger Beiträge, von denen nur der Teaser frei lesbar ist. Wer mehr haben möchte, muß 39 Cent zahlen. Für eine ganze Woche dieser „Spiegel-Plus“-Beiträge hätte der Verlag gerne 3,90 Euro. Das ist eine Menge Geld, und man denkt an Fefes Beitrag über die Abo-Verträge von FAZ und Süddeutscher Zeitung, die auch ziemlich happig daherkommen. Oder täuscht der Eindruck?

Eher nicht. Beim Chaosradio gab es im vergangenen Mai eine Sendung über Online-Werbung. Ab Minute 01:39:16 werden Gegenmodelle zur Werbefinanzierung diskutiert und den Einnahmen aus der Werbung gegenübergestellt. Die profitablen Portale, also diejenigen, die mehr als eine „schwarze Null schreiben“, nehmen dabei „unter zehn Cent pro Artikel“ pro Leser ein, bezogen auf ihre Einnahmen für die jeweilige Seite, geteilt durch die Zahl der Leser eines Artikels, der mit Werbung versehen war. Die Einnahmen durch das User-Tracking muß man wohl noch dazu rechnen, denn mit diesen Daten bezahlen wir ja ebenfalls und zusätzlich („Du bist das Produkt“).

Daran sieht man, wieviel Luft in solchen Mondpreisen steckt und warum es legitim und notwendig ist, auf Alternativen auszuweichen, um sich zu informieren. Es steckt sogar unverschämt viel Luft in solchen Preisen. Und man kann das überhaupt nur ernsthaft vorstellen, weil die meisten Leute von den Online-Angeboten der Bibliotheken auch im Bereich E-Paper immer noch gar nichts wissen. Auch in der Sendung des Chaosradios kein Wort dazu. Mir mittlerweile unverständlich.

Die Zukunft kann nur eine kollektive Pauschallösung für alle Verlage gemeinsam sein. Wenn ich vierzig Euro zahle (sic!), darf ich erwarten, daß ich Zugriff auf die gesamte deutschsprachige Presse erhalte, und zwar aktuell und Archiv. Zugang und Abrechnung erfolgen über meine Bibliothek über die Nutzungsgebühren. So können auch sozial Bedürftige leicht eine angemessene Vergünstigung erhalten: Information als Grundrecht wäre für sie freizustellen, wie heute schon. Damit wären die privaten Verlage genauso gut bedient wie die Rundfunkanstalten. Man könnte sogar mal wieder eine Kulturflatrate für alles zusammen andenken – wem das nicht anno 2016 zu retro wäre…

Sonntag, 4. September 2016

Noch lange nicht vorbei VI

Wir haben als einzigen Gewinner: die Angst, sagte Michael Kellner von den Grünen in der Berliner Runde nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Die Sitzordnung ist rechts-links geteilt, zum ersten Mal in dieser Sendung. Aber das eigentliche Thema, das, abgesehen von der Angst, im Raum steht, ist doch das Unverständnis und die Hilflosigkeit angesichts der bundespolitischen Krise, über die die ausländischen Zeitungen breit berichten – zuletzt aus Belgien ein Rückblick auf die Nacht, als Deutschland vor einem Jahr die Kontrolle verlor. Interessant, daß die erheblichen Stimmenzuwächse der AfD bei den sozial Schwachen nicht thematisiert werden. Die Erhöhung des Regelsatzes um nur fünf Euro ab Januar 2017 war eine Woche vor der Wahl bekanntgegeben worden. Die Umverteilung von unten nach unten trieb den Rechten die Wähler zu, spielte in der Berichterstattung der bürgerlichen Medien aber keine Rolle. Heinz Bude sprach im Deutschlandfunk vor einer Woche von einem zunehmenden politischen Repräsentationsdefizit.

Donnerstag, 1. September 2016

„Pioniere des Comic“ und „Der Farbholzschnitt in Wien um 1900“ in der Frankfurter Schirn Kunsthalle – zugleich ein Bericht vom Schirn Up im August 2016

Die Frankfurter Museen verfahren beim Umgang mit Bloggern recht unterschiedlich. Den Anfang bei den sogenannten Blogger Relations machte einst die Kunsthalle Schirn mit dem Bloggertreffen, zu dem im Juli 2012 während der Ausstellung von Jeff Koons unter hohem Mitteleinsatz eingeladen wurde. Die Erfahrungen waren damals doch recht gemischt. Die Blogger wurden seitdem von Schirn, Städel und Liebieghaus den Journalisten gleichgestellt und beispielsweise auf den Presseverteiler aufgenommen. Das Städel zog kurz darauf mit einem „Abend unter Freunden“ (sic!) nach. Seitdem tat sich dann aber nicht mehr so viel in Sachen user-generated content, Communities und Frankfurter Kultur. Während der Montmartre-Ausstellung gabs nochmal ein paar Gastbeiträge im SchirnMag (das mittlerweile leider mehr Wert auf Mobil-Tauglichkeit als auf seine Archiv- und Suchfunktionen legt, daher hier ohne Verlinkung). Die letzten Veranstaltungen, von denen man etwas hörte bzw. las, waren das MMK-Blog-Camp beim Museum für Moderne Kunst sowie, natürlich, der Social-Media-Abend zum Städel-Jubiläumsjahr, jeweils Ende 2015. Man durfte also gespannt sein, als die Schirn, zeitgleich zu einem Sommerfest, nach längerer Zeit einmal wieder zu einem exklusiven Schirn Up für Blogger, Twitterer, Instagrammer und, neu hinzugekommen, auch Snapchatter einlud. Und das machte mich denn auch neugierig, nach all der Zeit mal wieder einen Blick auf die Entwicklung zu werfen.

Wenn man sich das Ergebnis auf den sozialen Netzwerken anschaut, war es denn doch eine sehr bunte Mischung an Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die hier zusammengekommen waren, und aus der Rekrutierung, der Zusammensetzung, dem Ablauf und dem Ergebnis des Events kann man durchaus Rückschlüsse auf die Entwicklung und den derzeitigen Stand des Social Webs ziehen, die auch über den Kreis der in irgendeiner Weise Kulturinteressierten hinausgehen. Im Vergleich zum Anfang der Entwicklung vor vier Jahren ist es offenbar sehr viel schwieriger geworden, eine nennenswerte Zahl an qualitativ hochwertigen Beiträgern zu erreichen, die Spaß am Publizieren kultureller Themen im Netz haben. Dies, obwohl die Ankündigung zu der Veranstaltung über eine Vielzahl von Kanälen veröffentlicht worden war, von persönlichen Einladungen über die sozialen Netzwerke bis hin zur Ausstellungs-Website. Im Vergleich zu damals fehlten vor allem die Bildungsblogger, aber auch praktisch alle sonstigen etwas bekannteren und langjährigen Frankfurter Blogger und Twitterer. Der Trend ist deutlich: Die Szenen unterliegen einer immer weitergehenden Ausdifferenzierung, und damit einher geht die sich vertiefende Fragmentierung der Öffentlichkeit, wie es Jürgen Habermas schon 2006 in seiner Rede zur Verleihung des Renner-Preises – unter Kritik – beobachtet hatte. Diese Entwicklung hält seitdem an und radikalisiert sich. Die Folge ist, daß die Ansprache im Web 2.0 immer individueller ausfallen muß; hier wäre evtl. etwas Finetuning zu empfehlen. Man muß wohl noch persönlicher werden, um sicherzustellen, daß man die relevante Szene auch wirklich erreicht – oder man definiert Relevanz in einem anderen Sinne neu, das mag sein. Weiterhin ist der idealistische Impuls in der Netz-Gemeinde offenbar am Schwinden. Die Kommerzialisierung greift um sich. Verfolgt man die Spuren, die der Abend auf Twitter und Instagram hinterlassen hat, so stellt man fest, daß sich unter den Teilnehmern beispielsweise in der PR Tätige ebenso fanden wie ein paar Werbeblogger, deren Auftritt sich eher wie eine Art Dauerwerbesendung ausnimmt, wie man es sonst nur vom privaten Rundfunk her kennt. Andererseits war da ein leibhaftiger FDP-Politiker zu sehen, der bei fast dreißig Grad Außentemperatur zu dem Termin im schwarzen Anzug und mit weißem Hemd erschienen war. Inhaltlich bleiben bisher ausschließlich Photos im Netz zurück mit ein paar knappen Anmerkungen, keine Blogposts. Das ist nicht viel. Insgesamt also bietet sich ein ganz anderes Bild als früher, das man zumindest vorläufig als einen Rückzug des kritischeren Teils der Szene aus solchen Events lesen kann. Wenn man sowieso das ganze Jahr die Kultur verfolgt, sind eben die Mitnahmeeffekte, die sich bisweilen bieten, nicht mehr so attraktiv, vielleicht abgesehen von der Kuratorenführung, die mit der Veranstaltung verbunden war.

Zur Kunst, also. Kuratorenführungen kennt man ja viele, die Führung durch Alexander Braun aber war sehr engagiert und gehaltvoll. Die Ausstellung „Pioniere des Comic“, zu der wir eingeladen waren, ist eine absolut sehenswerte kleine und sehr feine Schau, auf die man sich nur sehr schwer wirklich vorbereiten kann, wenn man sich mit den historischen Wurzeln des Genres bisher noch gar nicht beschäftigt hatte. Deshalb neigt man allzu leicht dazu, das Thema zu unterschätzen und als zu leicht zu befinden. Im Vorfeld lesenswert ist auf jeden Fall der Überblick von Constanze Hahn über das neuere Schrifttum zur Comic-Geschichte, der im Januar 2016 bei literaturkritik.de erschienen war. Wer Zuflucht bei Wikipedia nimmt, sollte unbedingt die englische Fassung wählen, denn die Artikel in der deutschen Version sind oft schon viele Jahre nicht mehr aktualisiert worden. So fehlen beispielsweise bei Artikeln, die sich bis zu zehn Jahre inhaltlich kaum mehr verändert haben, Bilder von historischen Comics, die man mittlerweile auf Wikimedia Commons und in den jeweiligen Artikeln der englischen Wikipedia findet – das wäre doch mal ein sehr schönes Betätigungsfeld für Wikipedia-Neuautoren. Die ursprünglichen Autoren sind offenbar inaktiv geworden oder interessieren sich nicht mehr für ihr früheres Thema. Von den Zeitungen, deren Seiten in der Ausstellung gezeigt werden, sind sonst leider keine Digitalisate im Netz verfügbar. Das holzreiche Papier, das um die Jahrhundertwende zum Zeitungsdruck verwendet worden war, zerfällt zunehmend, und viele Exemplare waren nach der Verfilmung auf Microfiches vernichtet worden – wobei nur die schwarz-weißen Inhalte verfilmt wurden, weil farbige Bilder auf dem Mikrofilm nicht dargestellt werden konnten. So kommt es, daß der umfangreich bebilderte etwa 270-seitige Katalog durchaus als eine Referenz zum Thema im ganzen dienen kann.

Gezeichnet wurde auch vor dem Aufkommen der Comics schon häufig, bissig oder unterhaltsam. Bei der Einführung in die Ausstellung wird aber deutlich, worin eigentlich die „Avantgarde“, also das Innovative der ersten Comics bestand: Den Zeichnern eröffnete sich mit einem Mal ein breites Betätigungsfeld. Sie hatten viel Spielraum, um Neues auszuprobieren, denn die Verlage wußten noch nicht, was bei den Lesern mehr oder weniger gut ankommen würde. Deshalb ließen sie den Künstlern viel Freiraum, sich auszuprobieren, und sie nutzten ihn, bis hin zu selbstreflexiven und surrealen Geschichten, lange vor dem Aufkommen des „Surrealismus“. Die thematische und formale Formatierung aus kommerziellen Erwägungen kam erst sehr viel später. Aus technischer Sicht neu war der aufwendige Farbdruck, der nur für die Comic-Seiten zur Anwendung kam, ebenso die neue Technik, Papier herzustellen – zwar mit den vorgenannten Problemen für die Langzeitarchivierung infolge des hohen Holzanteils, was aber kurzfristig natürlich ohne Belang war, denn nichts ist bekanntlich so alt wie die Zeitung von gestern, man wirft sie leicht weg, morgen kommt die nächste heraus, und am darauffolgenden Wochenende gibts den nächsten Comic – teils waren es Fortsetzungsgeschichten, sie sollten sich aber wohl eher zum jederzeitigen Einstieg ad hoc eignen.

Die Comics dieser Zeit um die Jahrhundertwende in den USA waren vor allem eine Form der Popularisierung von Kunst, weil sie eine sehr große Verbreitung fanden. Das bringt sie in die Nähe der zweiten Ausstellung zum „Farbholzschnitt in Wien um 1900“, die parallel dazu gerade ebenfalls in der Schirn stattfindet. Der Unterschied im Produktionsprozeß und beim Produkt könnte nicht größer sein, aber in beiden Fällen handelte es sich um Ansätze, die dazu führten, daß Kunst sehr viel besser sichtbar wurde, man konnte es sich eher leisten, und soweit die Zeitungen betroffen waren, mag mancher noch bis in die Gegenwart hinein den tieferen Blick, den manche Geschichte auf den Alltag und unsere Wahrnehmung eröffnet, gar nicht bemerken. Tatsächlich aber haben die frühen Comics vielfach spätere Werke vorbereitet, etwa in den Motiven, die Lyonel Feininger später immer wieder in seine Bilder einbrachte. Sie gehen häufig auf seine Zeit als Karikaturist und Comiczeichner zurück, wie auch die Einkünfte, die er daraus bezog, eine wichtige Voraussetzung für seinen weiteren Werdegang als Künstler sein sollten. Der Comiczeichner war in den Anfangsjahren nämlich kein prekärer Nebenjob, sondern eine ziemlich einträgliche Tätigkeit. Der Unterschied im künstlerischen Ergebnis besteht vor allem in der hohen Auflage der Zeitung im Vergleich zu den Holzschnitten als Einzelstücke, die qualitativ abhängig sind vom jeweiligen Farbauftrag und vom dem Druckvorgang im Einzelfall. Während im einen also sowohl die Kulturindustrie als auch der spätere Factory-Ansatz der Popart-Künstler sich zeigt, steckt im Farbholzschnitt trotz allem noch ein Rest von Aura, die aus dem handwerklichen Fertigungsprozeß herrührt.

Jeweils Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main: Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde. Kurator: Alexander Braun. Bis 18. September 2016. – Kunst für alle. Der Farbholzschnitt in Wien um 1900. Kurator: Tobias G. Natter. Digitorial. Bis 3. Oktober 2016.

Dienstag, 30. August 2016

Noch lange nicht vorbei V

Bemerkenswert, wie ausführlich die französische Presse derzeit über den Jahrestag der Losung „Wir schaffen das“ berichtet. Le Monde brachte gestern einen Aufmacher mit Angela Merkels offiziellem Kampagnenphoto aus dem Bundestagswahlkampf 2013 (zur Erinnerung: mit beigem Kostüm vor dunkelblauem Hintergrund und Raute). Der Zustandsbeschreibung auf Seite 2 folgt eine Serie in sechs Teilen über Merkels Biographie, die die ganze Woche über noch fortgesetzt wird. Auf der Website nur für Abonnenten zu lesen, man muß also auf andere Lösungen ausweichen oder die Zeitung kaufen.

Über ihre erneute Kandidatur wird derzeit wohl noch verhandelt, und es ist auch schon etwas her, daß man sich ihr biographisch genähert hätte. Unvergessen das Interview das Arno Luik im Sommer 2000 für den Stern mit ihr geführt hatte. Aber die Beiträge der Auslandspresse lesen sich doch in vielem wie ein Nachruf zu Lebzeiten.

Und der Inlandspresse fällt zunehmend auf, daß „Wir schaffen das“ sowohl das Subjekt als auch das Objekt als auch die Tätigkeit völlig offen ließ: Wer schafft was und wie, mit welchen Mitteln? Es ist kein durchdachtes und kluges politisches Konzept, sondern eher das angstvolle Pfeifen im dunklen Keller. Und doch wird man davon ausgehen müssen, daß die große Zahl an Wandernden nicht ohne weiteres abzuwenden waren oder sein werden. So auch Marc Engelhardt vergangenen Sonntagmorgen im Deutschlandfunk: Denn die Menschen verließen ihre Heimat, um für sich persönlich globale Gerechtigkeit herzustellen. Die man ihnen auf Dauer nicht wird vorenthalten können.

Die Festung Europa zerbricht zuerst in Ost und West, dann fällt sie ganz. Völlig egal, übrigens, wer in der Zeit Kanzler war oder sein wird. Um einmal den Blick über die Aufgeregtheiten der Presse hinaus zu weiten.

Montag, 22. August 2016

Radio New Zealand und Radio Vatikan im Netz

Cool URIs don't change. Aber bei den Livestreams von Hörfunksendern muß man auch im Jahr 2016 immer noch mit allfälligen Änderungen rechnen. Da ich sowohl im VLC media player als auch in iTunes Radio höre, muß ich die Änderungen immer doppelt einpflegen. Schöne Überraschung dabei: Radio New Zealand hat seine Website vollständig überarbeitet und streamt nun endlich auch in mp3. Windows Media wurde zu Grabe getragen.

Demgegenüber hat sich Radio Vatikan fast vollständig vom freien Web verabschiedet. Auf der Website finden sich nur noch veraltete Angaben zu den Stream-URLs, in jeder Sprachversion, auch der deutschen. Der Sender scheint mittlerweile ganz und gar auf Apps und auf intransparente Player im Browser zu setzen. Ein Schritt nach vorn, und zwei zurück. (Die Redaktion ist informiert.)

Sonntag, 21. August 2016

Sic transit gloria mono

Nur noch 60 Tage bis zur Buchmesse! meldet mir die Propaganda derselben. Die jährliche Bestandsaufnahme, the annual jamboree steht wieder bevor im Oktober. Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten. Wie ist es also bestellt um die Verlage und das ganze Drumherum?

In der Arno-Schmidt-Mailingliste sickerte gerade durch, daß die traditionsreiche Reihe der rororo-Monographien ziemlich unbemerkt eingestellt worden sei. Was bleibt, sind demnach Restbestände.

Es war eigentlich absehbar, daß die monos irgendwann ganz verschwinden werden, denn unsere Bibliotheken bieten uns so viele biographische und literarische Informationen online, daß es eigentlich keinen Grund mehr gibt, sich noch eine mono zuzulegen. Sie liefen auch in den Bibliotheken nicht mehr gut, unsere Stadtbibliothek hat sie zunehmend ausgemuster. Vor etwa acht Jahren (?) verschwanden sie aus den Frankfurter Buchhandlungen, vor etwa zwei Jahren auch aus den Bahnhofsbuchhandlungen.

Der Verlag denke über eine Verwertung als E-Book nach, hört man. Aber ohne Bilder. rororo-monos ohne Bilder. Die mono als ein unbebildertes E-Book bliebe nicht nur weit hinter dem zurück, was technisch seit geraumer Zeit schon mit EPUB3 möglich wäre, es wäre auch sonst eine Bankrotterklärung, denn an die Stelle einer ordentlichen Backlist träte damit eine bloße Resteverwertung, ein digitaler Ramschtisch, der nach allem, was ich gerade aus der Diskussion der letzten Tage entnommen habe, zudem noch ganz lieblos bereitet würde.

Denn die monos waren aus drei Gründen attraktiv: Sie waren sorgfältig recherchiert (von Autoren, die ihr Sujet beherrschten), gut und interessant bebildert und zudem angenehm zu lesen. Wenn eines dieser Elemente wegfiele (die Bebilderung), ist fraglich, ob der reine Text noch trägt. Ich fürchte, nein. Ich verstehe auch nicht, warum man die Bildrechte nicht für das E-Book erwirbt und damit ein funktionierendes Konzept zerstört. Munzinger und Brockhaus und Kindler sind – zumindest bei uns im Rhein-Main-Gebiet – online allgemein verfügbar. Und den Rest besorgt Wikipedia: it’s free. And free trumps quality all the time.

Die Verlage haben den Schlag noch nicht gehört. Sie müssen sich schon etwas einfallen lassen, wenn sie weiterhin für Autoren attraktiv bleiben wollen. Sie haben die Gatekeeper-Rolle schon lange verloren. Ich glaube, das ist den meisten Verlegern noch gar nicht bewußt geworden. Wenn ich die Wahl habe, gehe ich doch schon heute den Weg über den Selbstverlag. Und in diesem Fall: Ohne Bilder kann jeder. Ob man damit etwas einnimmt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Und was die Herstellung angeht: Mit Pandoc ist es nun wirklich kein Hexenwerk mehr, einen Text in viele verschiedene Zielformate zu konvertieren. Dazu braucht man weder einen Mediengestalter noch eines der völlig überteuerten Adobe-Programme. Entsprechende Dienstleister bieten schon seit langem auch Lösungen auf Basis von XSL/XML/LaTeX an. Wer näheres erfahren möchte, möge sich auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober mal in der Halle 4.2 umtun und die Vorträge besuchen.

Mittwoch, 17. August 2016

Auf dem Olymp

Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind nach denjenigen in London vor vier Jahren die zweiten, die ich rein online erlebe. ARD und ZDF senden abwechselnd rund um die Uhr. Da die Wettbewerbe aber parallel stattfinden, muß die Regie auswählen. Man schaltet hin und her, Übertragungen brechen mittendrin ab. Deshalb schaue ich mir das lineare Programm nicht mehr an, sondern weiche auf die Livestreams der Wettbewerbe aus. In London bediente ich mich auf der Website der Eurovision direkt, aus Rio reicht mir das, was die ARD auf sportschau.de anbietet. So sah ich am Wochenende das Tennisspiel Kerber/Puig und den Frauen-Marathon komplett. Für anderes gibt es Videoclips ebenda.

Die NZZ (17. August 2016, S. 1, 11) macht mit der Meldung auf, die Einschaltquoten im wichtigsten Fernsehmarkt seien „eingebrochen“: Der Zuschauerrückgang bei NBC bewege sich um 15 Prozent unter dem Vorjahr, bei den jüngeren Nutzern sogar bei 30 Prozent. Es heißt, diese Zuschauer seien zu Online abgewandert, aber für deren Nutzung werden wiederum keine Zahlen genannt.

In Zukunft soll alles anders werden: Das IOK hat einen eigenen Fernsehkanal gegründet, und die Rechte für die nächsten Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang sollen nicht mehr an die europäischen öffentlich-rechtlichen Anstalten, sondern an Eurosport gehen. Raider heißt jetzt also Twix, und die Content-Mauer betrifft nicht nur den Buchmarkt, sondern auch die Multimedia-Kanäle.

Stell Dir vor, sie streamen, und keiner schaut hin. Wenn es in dem NZZ-Kommentar heißt, auch angesichts des nachlassenden Interesses seien bei NBC immer noch Werbeclips für 1,2 Milliarden Dollar verkauft worden, 30 Millionen mehr als bei den Spielen in London, fragt man sich doch, wer da eigentlich wofür noch bezahlt hat? Die alte Medienwelt liegt im Sterben, und die Lemminge, die gestern ferngesehen haben, strömen heute zu den nächsten Vermarktern, um Menschen dabei zuzusehen, wie sie ihre Gesundheit ruinieren. Eurosport bietet derzeit eine App an für 7 Euro pro Monat. Und nebenan bloggt Jens Weinreich aus Rio. Noch immer frei lesbar (lesen!), aber in der Spalte links auch mit einigen Zusatzangeboten, die man kaufen kann. Das politische Rahmenprogramm bietet derweil das Neue Deutschland im E-Paper über die Onleihe und berichtet zum Beispiel ausführlich über Puerto Rico, wenn Puig gegen Kerber gewinnt. Das liest man bei keinem anderen „Anbieter“.

Wahrscheinlich ist Eurosport auch deshalb beim IOK besser gelitten als die ARD, weil die Privaten weniger über Doping berichten. Sehr viel weniger. Denn das ist schlecht fürs Geschäft. Und es bestand ein Interesse daran, daß Geld hereinkam, schrieb der große Dichter damals schon. Wenn auch in einem anderen Zusammenhang.

Aufschlußreich, übrigens, der Vergleich zwischen den Ländermedien: Briten schreiben über britische Sportler, Franzosen über französische, Niederländer über niederländische. Und Deutsche über deutsche. Niemand hat das Ganze im Blick.

Freitag, 5. August 2016

MetaGer, Gmane und Andreas Gryphius

Derzeit bin ich ja nur selten online, das tut mir sehr gut. Ich schaue bisweilen ins Netz und merke immer mehr, wie nebensächlich die Aufgeregtheiten sind, mit denen sie dort meterlange Wikiseiten und ganze Blogs füllen.

Und dann stößt man bisweilen auf Beiträge wie diese hier: Die freie Suchmaschine MetaGer, seit langem meine Standardsuche, bittet mitten im Sommer, also so ziemlich zur Unzeit, um Spenden. Der Versuch, die datenschutzfreundliche Suche auf dem Umweg über das Recht auf Vergessenwerden kaputt zu prozessieren, ist erwartungsgemäß fehlgeschlagen. Die Gegnerin hat sich aber für zahlungsunfähig erklärt, so daß nun alle Kosten des Verfahrens an MetaGer hängenbleiben.

Oder diese: Gmane ist down, ebenfalls aus rechtlichen Gründen, aber auch wegen DDoS-Angriffen, schreibt Larsi, der mir mit Gnus und Gmane eine Menge gegeben hat. Er hofft nun auf eine Übernahme. Vielleicht wird das Mail-to-News-Gateway weiter betrieben, aber das Webinterface – und damit die vielen Permalinks auf einzelne Postings im Mailinglisten-Archiv, die auch ich immer gern gesetzt habe – steht zur Disposition, denn es müßte auch völlig neu entwickelt werden. Der bisherige Code steht auf GitHub.

Man sieht, wie vergänglich und prekär das Netz ist. Wo itzund Städte stehn/ wird eine Wiesen seyn/ Auff der ein Schäfers-Kind wird spielen mit den Herden. Das gilt nicht nur für die kleinen Fische in dem großen Netz, sondern auch für die großen Brummer in dem Teich. Auch von den Großen sind schon viele untergegangen. Ersteres macht mir Sorgen, letzteres tröstet mich. Ich denke an Element of Crime, und die melancholischen Lieder klingen mir in Träumen nach. Am Ende denk ich immer nur an Dich.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Als flöge sie nach Haus

Der Sommer sorgt für Leere in meinem Feedreader. Je besser mir die Autoren bekannt sind, desto weniger schrieben sie jüngst. Und so geht es mir auch. Aber da ist noch mehr. Ich denke an Roger Willemsens Knacks: Wann wurde man nicht, was man hätte sein können? (2008, 25). Auf das Bloggen übertragen: Wann hörte man auf, wenn man auch hätte weiter bloggen können? Und, bezogen auf den Selbstmord von Kindern, fuhr Willemsen kurz darauf fort: als flögen sie nach haus, in Anspielung auf Eichendorff (27). Wo ist der Blogger zuhause? In seinem Blog? Freilich: Nicht einmal da.

Es hört aber nicht auf, sondern es ändert sich. Das Bloggen als tägliche Übung – eher nicht. Als allfälliger Zwischenruf – schon eher. Als ein Innehalten auf dem Weg nach haus – vielleicht. Als ein Schreiben, das neben anderen Formen des Schreibens steht – ganz sicher.

Mein Schreiben ist in den letzten Monaten wieder privater geworden. Es ist leiser geworden, auch konzentrierter. Und länger. Wie mein Lesen, das weggeht vom sogenannten Online-Journalismus, der so schnell produziert wird, daß er weitestgehend ohne Recherche auskommen muß, hin zu gründlicheren Texten. Ein Beispiel: Ich habe nichts Ausführlicheres und Lesenswerteres gefunden zum Thema Brexit als die Sonderausgabe des German Law Journal. Vierundzwanzig nachdenkliche Beiträge – lesen, wer es noch nicht kennt! Überhaupt der Reichtum an frei verfügbaren Texten aus Archiven und diversen Plattformen, die sich vom Alltagsrennen lösen, die den schnellen Atem nicht mögen, die zurück schauen und Halt geben, statt sich zu verzetteln. Auch das ein Ergebnis meines Nachdenkens darüber, wie man sich informieren sollte. Es gibt den Weizen, nicht nur die Spreu.

Ich schreibe wieder längere Texte, wie früher, und ich schreibe sie zuerst für mich. Vielleicht veröffentliche ich den einen oder den anderen einmal. Aber bis dahin muß er reifen, und das könnte er nicht, wenn er sofort ans Licht gezerrt würde, wie es beim Bloggen geschieht.

Erneut: Nichts gegen das Bloggen. Ich schreibe schon lange im Netz, und ich werde das auch weiter tun. Aber ich werde es weniger oft tun. Und es wird ganz sicher auch eine Form der persönlichen Selbstfindung und der -vergewisserung, wie ich die schneeschmelze immer verstanden habe und wie es auch für den albatros gilt. Selbstvergewisserung durch Notizen, durch Kundgabe an andere, durch Teilnahme am großen Diskurs in den Netzen, auch wenn die Stimme noch so klein sein mag, auch wenn sie noch so wenig gehört werden mag. Sie ist wie eine digitale Flaschenpost, die man in das große Meer wirft und die irgendwann irgendwer schon finden mag. So laßt uns denn eine Flaschenpost schreiben und versenden. Die Welt braucht sie – mehr als das Ephemere, das lieblos Dahingeschluderte.

Montag, 4. Juli 2016

Noch lange nicht vorbei IV

Der Qualitätsjournalismus zeigt erneut, was er wirklich zu leisten vermag: Dieses Wochenende gab es Wahlen in Australien. Hat man denn irgendetwas davon gehört? Der Sieben-Tages-Rückblick der Tagesschau zeigt, daß es bisher nur zwei Beiträge dazu gegeben hat, nämlich einmal am 2. Juli, ein weiters mal am 3. Juli morgens um sechs.

Das Interessante am Ausgang: Es gibt einen Gleichstand, und derzeit werden die Briefwahlstimmen erneut ausgezählt. Also genau dieselbe Entwicklung wie bei der österreichischen Bundespräsidentenwahl, die ja bekanntlich wiederholt werden soll – weil es dabei nicht mit rechten Dingen zuging, wie die Titanic spottet. Und ganz ähnlich wie beim britischen Brexit. Mit der kritischen Reflexion dieser Entwicklung ist man offenbar überfordert. Die Nischenmedien arbeiten vor, etwa Telepolis, aber bisher nicht nach.

Aber das ist doch ein Trend: Es gibt ganz offenbar keine klaren Mehrheiten mehr, in mehreren westlichen Gesellschaften, und das ist keine Krise, sondern ein Zeichen für einen Umschwung, es gibt eine allgemeine Wechselstimmung, aber hierzulande ist noch nicht absehbar, in welche Richtung es nach der großen Koalition weitergeht. Ich bin pessimistisch gestimmt, denn es fehlen die großen politischen Utopien, die vorwärts führen könnten.

Montag, 27. Juni 2016

Noch lange nicht vorbei III

Der Qualitätsjournalismus zeigt im Augenblick, was er wirklich zu leisten vermag: Erst über den Brexit berichten, danach erst fragen, ob die Abstimmung denn überhaupt verbindlich gewesen sei?

Richtig ist auch Fefes Hinweis: Was denn derzeit so alles in den allgemeinen Nachrichten untergehe angesichts von Brexit, Fußball und auch noch Unwetter. Im Bundestag wurden gleichzeitig eine erneute Hartz-IV-Reform und die Erbschaftssteuer beschlossen – beides monatelang diskutiert, aber weitgehend an der Öffentlichkeit der Massenmedien vorbei. Nur in Blogs und in den Pressemitteilungen der Sozialverbände – hier der Paritätische – war darüber regelmäßig zu lesen.

Im Moment sind paradiesische Zeiten für Burying … Man muss schon massiv runterscrollen, um zu anderen Nachrichten zu kommen. Es ist ja nicht so, daß sich mitten im Sommer nichts täte. Im Gegenteil: Vor der parlamentarischen Sommerpause tut sich sogar besonders viel. Das zu kaschieren, ist eine hohe Kunst und ein großes gesellschaftliches Problem zugleich.

Samstag, 25. Juni 2016

Noch lange nicht vorbei II

Auch Klaus Röhl treibt die Frage um, wie es nach dem Brexit mit Englisch als Sprache in Europa weitergehen mag. Er meint, schon wegen der Mitgliedschaft Irlands und Maltas bleibe das Englische weiterhin offizielle Arbeitssprache der Union, in den Arbeitsgremien, in der Europäischen Kommission und als Gerichtssprache könne es aber intern zu einer Verdrängung durch die romanischen Sprachen kommen. Einen stärkeren Einfluß des Deutschen erwartet er nicht: Die Sprachloyalität der deutschen Eliten ist so schwach, dass sie lieber weiterhin ihre Englischkenntnisse vorzeigen. Er erwartet keinen Einfluß des Brexit auf Englisch als Wissenschaftssprache. Höchstens bei EU-weiten Ausschreibungen könne es zu Veränderungen kommen. Er ist gespannt, wie die Mittel in Zukunft verteilt werden.

Im Verfassungsblog merkt man von dem Wandel jedenfalls noch nichts. Maximilian Steinbeis interviewt Gertrude Lübbe-Wolff denn auch ungeniert auf Englisch. Sie weist darauf hin, daß der Austritt Großbritanniens noch nicht erklärt oder gar vollzogen worden sei. Bisher gebe es nur ein Referendum; das müßte nun politisch und rechtlich umgesetzt werden.

Auffällig ist die weitentwickelte wissenschaftliche Blogosphäre im angelsächsischen Raum, die man aus diesem Anlaß erkunden kann. So verweist Jo Shaw im Gespräch mit dem Verfassungsblog auf einen Beitrag des Edinburgher Kollegen. Dessen Blogroll weist weitere Websites und Blogs nach. Auch bei The Conversation findet man weitere etwas fundiertere Beiträge – journalistisch aufbereitet, natürlich, denn das gehört dort zum Konzept, aber genaugenommen ist es ein redigiertes bzw. kuratiertes Autorenblog. Der deutschsprachige Raum hat insoweit ganz sicherlich Nachholbedarf.

Freitag, 24. Juni 2016

Noch lange nicht vorbei

The revolution will not be televised. – Doch, sie wird live gestreamt. Die BBC öffnete vergangene Nacht sogar den Stream für ihr Fernsehprogramm auf ihrer Website für alle. Und so konnte man am frühen Morgen, als sich schon abzeichnete, daß leave in dem First-past-the-post-Wahlsystem mehr Stimmen erhalten würde als remain, mitverfolgen, wie ein konservativer Abgeordneter erklärte, was da eigentlich passiert sei. Immer mehr Briten hätten sich gefragt, so meinte er, „wofür man eigentlich im letzten Krieg gestorben sei“. Jedenfalls wolle man nicht fremdbestimmt werden, nicht nur nicht aus Brüssel, sondern überhaupt, und schon gar nicht von den Deutschen. Das wollte er am Ende dann doch noch einmal sagen. Es war sein letzter Satz, dann endete das Interview morgens um drei Uhr – seiner Zeit.

Damit ginge demnach auch die Nachkriegszeit endgültig zuende. Daran hatten wir gar nicht mehr gedacht. Der Versuch, Europa zusammenzuschließen und die Grenzen zu überwinden im Wege einer immer engeren Rechtsgemeinschaft, er endet hier nun wirklich. Was sich vergangenes Jahr schon abgezeichnet hatte, als Deutschland und Österreich mit der Aufnahme der Flüchtlinge von den anderen EU-Staaten alleingelassen worden waren. Euer Problem, nicht unseres. Gibt es überhaupt noch ein Wir? Der Versuch, das und anstelle des oder zu setzen, wie Ulrich Beck es 1993 in der Erfindung des Politischen genannt hatte. Offenheit, Liberalität. Durchaus auch die Kultur der Digitalität, wie Felix Stalder den gegenwärtigen Zustand nennt. Das alles endet doch nun in einer Abstimmung, die letztlich doch sehr knapp ausgegangen war: 51,3 zu 48,7 Prozent, das ist keine wirkliche Mehrheit. Das legt eher die Frage nahe, ob zu der 50-Prozent-Grenze bei solchen Voten nicht doch auch ein Mindestabstand der Mehrheit über die Minderheit zu fordern wäre, damit sie legitimerweise über die Minderheit obsiegen könne? Immerhin: Auch die Zeit der deutlichen Mehrheiten ist vorbei, das gilt nicht nur für Großbritannien.

Der nationalistische Rechtsruck überall derzeit ist ein einziger großer Reflex gegen die Moderne, aber auch gegen das Kapital, gegen die neoliberale und globalisierende Strömung, die eben auch damals in den 1990er Jahren eingesetzt hatte.

Die Börse zu betrachten, ist langweilig, immer. Interessant wird dagegen zu beobachten sein, wie sich der Brexit auf die Stellung der englischen Sprache in Europa auswirken wird, ob nun andere Sprachen wichtiger werden, wenn nicht mehr überall ein Engländer mit drinsitzt. Ob die Europäische Union wieder frankophiler, romanischer wird?

Heute vor 83 Jahren fand in Neu-Isenburg eine Bücherverbrennung statt, und es sind Gedenkveranstaltungen angekündigt worden, um sich daran zu erinnern. Am 24. Juni 1933 brannten auf dem Wilhelmsplatz Bücher. Man dachte, es wäre vorüber, aber das ist alles noch lange nicht vorbei.

Montag, 20. Juni 2016

Die Onleihe geht auf dem Mac nicht mehr

Man glaubte es ja nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hätte: Die Onleihe kriegt es seit mehr als zwei Jahren nicht auf die Reihe, EPUBs weiterhin für Mac-Anwender bereitzustellen. Fiel mir auf, nachdem ich meinen Rechner letzte Woche – im übrigen problemlos – von Mavericks auf El Capitan umgestellt hatte.

Ja, wirklich: Man kann derzeit auf dem Mac mit aktuellem OS X El Capitan und auch mit dem Vorgänger Yosemite keine EPUBs aus der Onleihe kontrolliert öffnen. Das Problem ist seit längerem schon bekannt, es gibt dazu eine FAQ, zuletzt geändert am 14. Januar 2016.. Dort wird behauptet, das Problem liege nicht bei der Onleihe, sondern bei Apple oder Adobe. Der Benutzer möge sich deshalb an diese Firmen wenden.

Man empfiehlt als Workaround ein Downgrade auf Digital Editions 1.7 – das ändert hier aber nichts, zumal die Schrift in den Menüs in dieser Uralt-Version auch kaum noch zu lesen ist. Was bleibt, ist nur die „Lösung“, Digital Editions 4 beim Laden des EPUBs durch „Sofort beenden“ abzuschießen und die Datei danach händisch aus dem ADE-Ordner zu öffnen.

Die Onleihe bedient sich proprietärer Technik, die funktioniert dann jahrelang nicht, und zwar nicht mit irgendwelcher Vintage-Software, sondern mit aktuellen Systemen. Es wird ein Downgrade auf eine Uralt-Version von ADE empfohlen, die schon längst nicht mehr gepflegt wird, der Downloadlink führt zu einer obskuren Drittplattform, nicht zum Hersteller Adobe, und dann wird zur Abhilfe dem Benutzer nahegelegt, bei diesen Firmen vorstellig zu werden.

Um es einmal sehr deutlich zu sagen: Meine Bibliotheken zahlen beträchtliche Beträge an die Divibib, die es über einen so langen Zeitraum hinweg nicht geschafft hat, ihre Ausleihe ordentlich auf dem Mac zum Laufen zu bringen, und ich würde schon erwarten, daß die Onleihe unter diesen Umständen bitte bei Adobe und Apple vorstellig wird, denn sie nutzt Adobes Software, zwingt mir deren DRM auf und zahlt für die Lizenzierung. Stattdessen zuckt man mit den Schultern und tut so, als wasche man seine Hände in Unschuld.

Wenn man ausweislich der FAQ zwei Betriebssystem-Versionen nacheinander – Yosemite kam im Oktober 2014 auf den Markt, El Capitan ein Jahr später – keine Lösung bereitstellt, sich aber nun schon zwei Jahre lang weiter für den Dienst bezahlen läßt, ist das schon bemerkenswert. Verwunderlich auch, daß unsere Bibliotheken das mitmachen.

Sonntag, 19. Juni 2016

Gesetzliches Verbot von AdBlockern?

Ziemlich unbemerkt bereiten die Bundes- und die Länderregierungen in Deutschland offenbar ein Verbot von AdBlockern vor. So scheint es zumindest, wenn man den Bericht der „Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz“ liest, der vorgestern veröffentlicht wurde. Deren „AG Kartellrecht/Vielfaltsicherung“ kam auf Seite 21f. zu dem Ergebnis:

„Die AG sieht das Geschäftsmodell von Ad-Blockern als rechtlich und mit Blick auf die Refinanzierung journalistisch-redaktioneller Angebote auch medienpolitisch als problematisch an. Sie hält daher die Prüfung gesetzlicher Regelungen für erforderlich. … Bei der Thematik Ad-Blocker ist eine zeitnahe Prüfung durch den Bund und die Länder erforderlich, ob im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen und damit verbundenen medienpolitischen Risiken ggf. eine gesetzliche Flankierung geboten ist.“

Auffällig ist, daß sich die Kommission nur mit den Interessen der Werbewirtschaft und der Verlage sowie des Rundfunks beschäftigt hat. Es ist nicht ersichtlich, ob auch Datenschützer beteiligt worden sind.

Bei der letzten re:publica hatten Frank Rieger und Thorsten Schröder zudem darauf hingewiesen, daß von Online-Werbung ein erhebliches Sicherheitsrisiko ausgehe. Die Inhalte würden nicht von den Werbetreibenden geprüft und könnten Malware enthalten. Sie empfahlen deshalb die Verwendung von AdBlockern zusätzlich zu sonstigen Vorkehrungen, um das eigene System bei der Nutzung des Internets zu schützen.

Das Hans-Bredow-Institut kam gerade zu dem Ergebnis, daß derzeit ein Viertel der Internetnutzer in Deutschland AdBlocker verwende. Unter den jüngeren Nutzern sei es etwa die Hälfte. Mehr als die Hälfte empfinde Online-Werbung außerdem als „lästig“.

(via Privacy-Handbuch)

Mittwoch, 4. Mai 2016
Sonntag, 1. Mai 2016

USB-Probleme bei El Capitan

Heise online hat über Probleme berichtet, die aus der Änderung des USB-Stacks bei Mac OS X entstanden sind. Ältere Hardware wird möglicherweise nach einem Upgrade auf OS X 10.11 nicht mehr unterstützt. Betroffen sein können alle USB-Geräte, auch einfache USB-Sticks.

Schön, daß das in dem Bericht ausdrücklich angesprochen wird, denn ein ähnliches Problem war mir auch schon beim Umstieg von System 10.6.8 auf 10.9.5 unterlaufen: Einige meiner USB-Sticks funktionierten danach nicht mehr. Ich konnte die Sticks nur noch lesen, so kam es zumindest zu keinem Datenverlust. Zum Speichern waren sie aber nicht mehr zu gebrauchen.

Das Fazit des Berichts ist zutreffend:

Letztlich muss sich aber auch der Mac-User die Frage stellen, was er erwarten darf. Sicher, neue Versionen von OS X mit spannenden neuen Features bekommt er seit einigen Jahren kostenfrei – das macht sie aber noch lange nicht zu Pflicht-Updates. Es besteht eben jederzeit die Gefahr, dass Apple tiefgreifende Veränderungen am Betriebssystem vornimmt, die bestimmte Funktionen deaktivieren oder anders interpretieren und damit Hard- oder Software unbrauchbar machen.

Das kann man wohl nicht deutlich genug sagen. Meine Beiträge über die Probleme beim Einsatz meines LaserJet-Druckers unter System 10.6 gehören übrigens auch heute noch zu den am häufigsten abgerufenen Beiträgen in der schneeschmelze.