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Neuerscheinungen zur Netzpolitik XVI

Bei Telepolis ist ein Buch zur automatischen Textgenerierung einschließlich Chatbots, die Auswirkungen auf den Journalismus und die Plattform-Ökonomie erschienen:

  • Weber, Stefan. 2018. Roboterjournalismus, Chatbots & Co: Wie Algorithmen Inhalte produzieren und unser Denken beeinflussen. 1. Auflage. Telepolis. Hannover: Heise Medien.

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XV

Es gibt nun doch die ersten etwas umfangreicheren wissenschaftlichen Titel zum Thema, in diesem Fall ein Sammelband, der an der Universität Göttingen entstanden ist, die erste feministische Einführung in die Netzpolitik und wohl auch die erste(?) Dissertation, die 2017 an der TU Hamburg-Harburg angenommen wurde, aufgenommen auf die Shortlist für den Förderpreis Opus Primum der VolkswagenStiftung, sie wurde rezensiert von Friederike Habermann im Blog des IPB:

  • Busch, Andreas, Yana Breindl und Tobias Jakobi, Hrsg. 2018. Netzpolitik: Ein einführender Überblick. 1. Auflage 2019. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Springer VS. doi.org.

  • Ganz, Kathrin. 2018. Die Netzbewegung: Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft. 1. Auflage. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

  • Schallbruch, Martin. 2018. Schwacher Staat im Netz: wie die Digitalisierung den Staat in Frage stellt. 1. Auflage. Wiesbaden, Germany: Springer.

  • Schmidt, Francesca. 2019. Netzpolitik: Eine feministische Einführung. 1. Auflage. Politik und Geschlecht – kompakt. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.

Keine Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2018

Nach mehreren Jahren konnte ich die Messe dieses Jahr leider nicht besuchen. Aber man verfolgt natürlich schon, was man so vorfindet im Netz, die „Narrative“ von den sechs Millionen verlorenen Buchkäufern über die letzten etwa fünf Jahre hinweg und von dem fehlenden Verlegernachwuchs und so weiter.

Die Verlagsbranche sucht nach ihrer Postwachstums-Strategie. Wenn man der New York Times glaubt, ist das ein Gemischtwarenladen, eine Buchhandlung im Hessischen ersetzt den Bäcker und den Metzger im Ort und reagiert damit auf den Umsatzrückgang bei den Büchern.

In Publishers Weekly kam die Nachlese schon am Freitagabend: Alles im grünen Bereich, stable for a fourth-straight year—a sign that the fair has found solid footing again after attendance declines in the recession-challenged years following the 2009 event. Ja, da war was, wenn es jetzt noch weiter geschrumpft wäre, wäre bald kaum noch was übrig, was den ganzen Bohei noch rechtfertigen könnte.

Während andere linke Verlage auf der Buchmesse waren, hielt sich Konkret dem teuren Trubel fern – und rang wegen einem Titelbild mit dem Presse-Grosso – anscheinend erfolgreich. Erfahrungen, die sonst nur Titanic trafen – aber das ist schon eine Weile her. Sonneborn aktualisiert derweil lieber einen Auftritt, den es Anfang der 1970er Jahre auf der Messe gab, als zuletzt jemand mit einer alten Uniform in Frankfurt unterwegs war. Das Originalfoto war bis heute in der Ausstellung mit Aufnahmen von Inge Werth aus der Zeit um 1968 im Frankfurter Museum Giersch zu sehen.

Und First Monday brachte rechtzeitig eine Themenausgabe zum digitalen Lesen – sehr zu empfehlen, im Anschluss an die Diskussion vom letzten Jahr.

Mal schauen, worum es im kommenden Jahr gehen wird.

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XIV

Eine Auswahl an Beiträgen seit dem 28. Januar 2018, darunter auch ein paar noch ältere Titel aus dem Verlag der Universität Kassel, die mir auch neu waren.

  • Boes, Andreas, Tobias Kämpf, Barbara Langes und Thomas Lühr. 2018. »Lean« und »agil« im Büro: Neue Organisationskonzepte in der digitalen Transformation und ihre Folgen für die Angestellten. 1. Auflage. Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 193. Bielefeld: transcript. www.transcript-verlag.de.

  • Borchers, Detlef. 2018. Er kam aus dem Cyberspace. Zum Tode von John Perry Barlow. heise online. 8. Februar. www.heise.de (zugegriffen: 8. Februar 2018).

  • Deylen, Wiebke von. 2018. Open Access-Publizieren in der Romanistik – Ergebnisse des FID-Workshops an der SUB Hamburg. ciberaBlog. 9. Februar. blog.cibera.de (zugegriffen: 10. Februar 2018).

  • dpa. 2018. Studie der Uni Mainz: Lügenpresse-Hysterie ebbt ab, seitdem Journalisten ihre Arbeit besser erklären. 31. Januar. meedia.de (zugegriffen: 2. Februar 2018).

  • Ebner, Martin. 2018. Brauchen die Studierenden von morgen noch E-Learning? - ... oder E-Learning im Jahr 2034. In: Lehre und Digitalisierung - 5. Forum Hochschullehre und E-Learning-Konferenz, 9–12. Bielefeld: UVW UniversitätsVerlagWebler. www.academia.edu (zugegriffen: 12. Februar 2018).

  • Fiebig, Peggy. 2018. Resozialisierung durch Digitalisierung - Vernetzt im Knast. Länderreport. Deutschlandfunk Kultur. Berlin: Deutschlandfunk Kultur, 2. Februar. www.deutschlandfunkkultur.de (zugegriffen: 5. Februar 2018).

  • Gill, Harsimran. 2018. ‘The ebook is a stupid product: no creativity, no enhancement,’ says the Hachette Group CEO. Text. Scroll.in. 17. Februar. scroll.in (zugegriffen: 22. Februar 2018).

  • Graber-Stiehl, Ian. 2018. Science’s pirate queen. Alexandra Elbakyan is plundering the academic publishing establishment. The Verge. 8. Februar. www.theverge.com (zugegriffen: 15. Februar 2018).

  • Hoffmann, Gerd E. 1988. Deutschland 1988 (3/4) - Trüffelschweine im Datendickicht - Die Hacker: Volkssport oder Computer-Kriminalität? Feature. Deutschlandfunk. Köln: DLF/WDR. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 30. Januar 2018).

  • Holland, Martin. 2018. Wikipedia Zero: Ende für kostenlosen Mobilfunkzugriff in Dutzenden Ländern. heise online. 19. Februar. www.heise.de (zugegriffen: 19. Februar 2018).

  • Höller, Heinz-Peter und Peter Wedde. 2018. Die Vermessung der Belegschaft. Mining the Enterprise Social Graph. Mitbestimmungs­report, Nr. 10. Mitbestimmungspraxis (1. Januar): 38. www.boeckler.de

  • Johannes, Paul C. und Alexander Roßnagel. 2016. Der Rechtsrahmen für einen Selbstschutz der Grundrechte in der digitalen Welt. Interdisciplinary research on information system design Band 3. Kassel: Kassel University Press. nbn-resolving.de.

  • Jurkiewicz, Sarah. 2018. Blogging in Beirut: An Ethnography of a Digital Media Practice. 1. Auflage. Kultur und soziale Praxis. Bielefeld: transcript.

  • Monroy, Matthias. 2018. Was steckt hinter der Twitter-Amnestie der Frankfurter Polizei? netzpolitik.org. 3. Februar. netzpolitik.org (zugegriffen: 6. Februar 2018).

  • Morozov, Evgeny. 2018. Silicon Valley oder die Zukunft des digitalen Kapitalismus. Blätter für deutsche und internationale Politik, 1. Januar. www.blaetter.de

  • Muuß-Merholz, Jöran. 2018. Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen: Mit Online-Materialien und E-Book inside. 1. Auflage. Weinheim: Beltz. www.was-ist-oer.de.

  • N.N. 2018a. Münchner Note. Museen, Bibliotheken und Archive fordern dringend notwendige politische Unterstützung zur Sichtbarmachung ihrer Sammlungsbestände im digitalen Raum. diverse deutsche Museen und Archive, 15. Februar. www.pinakothek.de (zugegriffen: 23. Februar 2018).

  • ---. 2018b. Einwilligung als Fiktion: Studie zeigt geringes Wissen über Datenschutz bei Facebook auf. idw-online.de. 20. Februar. idw-online.de (zugegriffen: 21. Februar 2018).

  • Pachali, David und Ute Schwens. 2018. Internet-Archivierung: Was bleibt vom Web? iRights - Kreativität und Urheberrecht in der digitalen Welt. 31. Januar. irights.info (zugegriffen: 31. Januar 2018).

  • Reinhardt, Jörn. 2017. Konturen des europäischen Datenschutzgrundrechts. Zu Gehalt und horizontaler Wirkung von Art. 8 GRCh. Archiv des oeffentlichen Rechts 142, Nr. 4 (1. Oktober): 528–565. doi:10.1628/000389117X15151513970355, .

  • Schumann, Harald und Arpad Bondy. 2018. Das Microsoft-Dilemma. Reportage & Dokumentation. rbb, 19. Februar. www.daserste.de (zugegriffen: 19. Februar 2018).

  • Schwetter, Holger. 2015. Teilen – und dann? kostenlose Musikdistribution, Selbstmanagement und Urheberrecht. Kassel: Kassel university press. nbn-resolving.org.

  • Stadler, Thomas. 2018. Der Staatstrojaner: Überwachung von Smartphones direkt beim Nutzer. Internet-Law. 29. Januar. www.internet-law.de (zugegriffen: 30. Januar 2018).

  • Sucker, Joachim. 2018. Next Level – VHS. allesauszucker. 12. Februar. allesauszucker.wordpress.com (zugegriffen: 14. Februar 2018).

  • Weizsäcker, Franz von. 2018. Globaler Handel per Mausklick: Die granulare Revolution der Plattformökonomie. Die aktuelle Kolumne. Bonn: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik. www.die-gdi.de (zugegriffen: 30. Januar 2018).

  • Welchering, Peter. 2018. Die Enthüllungsplattform Wikileaks: Rasanter Aufstieg, tiefer Fall. Hintergrund. Deutschlandfunk. Köln: Deutschlandfunk, 3. Februar. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 5. Februar 2018).

  • Young, Nora. 2018. Modern libraries innovate to better serve their communities. CBC Radio: Spark. 4. Februar. www.cbc.ca (zugegriffen: 18. Februar 2018).

Der neue Gesandte VIII

Nach dem Rückzug des neuen Gesandten, der jetzt seine Schuldigkeit getan hat, überwiegt in den meisten Quellen das naive Narrativ des Verlierers. Von hundert auf null. Alles sei perdu. Auffällig ist, dass ein Journalist, der ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass der neue Gesandte auch Täter war, gehen musste. Ambivalenz wird nicht geduldet. Damit wird eine Inszenierung angesprochen, die immerhin über ein Jahr lang lief und die demonstriert hat, was geht. Alle machten mit. Politik als bloße Show, ohne Inhalte. Am Ende erscheint ein Grenzwert von etwa fünfzehn Prozent. Und das ist längst noch nicht vorbei.

Literatur: Maier, Anja. 2018. Kommentar Verzicht von Martin Schulz: Drama ersten Ranges. Die Tageszeitung: taz, 9. Februar, Abschn. Politik. www.taz.de (zugegriffen: 10. Februar 2018). – N.N. 2018. Streit mit Verleger Holtzbrinck: Steingart verlässt das „Handelsblatt“. Die Tageszeitung: taz, 9. Februar, Abschn. Gesellschaft. www.taz.de (zugegriffen: 10. Februar 2018). – Nowak, Peter. 2018. Das Jahr mit Schulz ist zu Ende. Telepolis. 10. Februar. www.heise.de (zugegriffen: 10. Februar 2018).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XIII

Heute wieder eine reguläre Folge – Beiträge seit dem 20. Januar 2018:

  • Becker, Sven und Astrid Ehrenhauser. 2018. „Ich nutze mein Netzwerk“. Die Internetbotschafterin der Bundesregierung, Gesche Joost, verstrickt sich in Interessenkonflikten. DER SPIEGEL, Nr. 5 (27. Januar): 22–23.

  • Beckett, Andy. 2018. Post-work: the radical idea of a world without jobs. The Guardian, 19. Januar, Abschn. News. www.theguardian.com (zugegriffen: 22. Januar 2018).

  • dpa. 2018a. Autoindustrie: Allianz fordert Treuhänder für Autodaten. FAZ.NET, 21. Januar, Abschn. Wirtschaft. www.faz.net (zugegriffen: 22. Januar 2018).

  • ---. 2018b. Internet-Umfrage: Deutsche fürchten, dass ihre Daten ausgebeutet werden. FAZ.NET, 24. Januar, Abschn. Wirtschaft. www.faz.net (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • Europäische Kommission. 2018. Pressemitteilung: Kommission veröffentlicht Leitfaden zu neuen Datenschutzbestimmungen. Europäische Kommission. 24. Januar. europa.eu (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • Freistetter, Florian. 2018a. Das wissenschaftliche Publikationssystem ist kaputt (Teil 1): Der Impact-Faktor. Astrodicticum Simplex. 24. Januar. scienceblogs.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • ---. 2018b. Das wissenschaftliche Publikationssystem ist kaputt (Teil 2): Die Gelddruckmaschinen der Verlage. Astrodicticum Simplex. 25. Januar. scienceblogs.de (zugegriffen: 28. Januar 2018).

  • Hesse, Martin und Kenneth Rogoff. 2018. „Digitales Geld wird kommen“. Der Ökonom Kenneth Rogoff über die Chancen einer digitalen D-Mark. DER SPIEGEL, Nr. 5 (27. Januar): 71.

  • Hoeren, Thomas. 2018. Internetrecht. 3., neu bearb. Auflage. De Gruyter Studium. Berlin: De Gruyter.

  • Initiative D21. 2018. Der D21-Digital-Index 2017/2018. Initiative D21. 23. Januar. initiatived21.de (zugegriffen: 28. Januar 2018).

  • Sokolov, Daniel AJ. 2018. Niederlage für Max Schrems: EuGH lehnt Sammelklage gegen Facebook ab. heise online. 25. Januar. www.heise.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XII: DSGVO-Literatur-Remix

Aus gegebenem Anlass heute eine Liste, in der ein neuer …

  • Europäische Kommission. 2018. Pressemitteilung: Kommission veröffentlicht Leitfaden zu neuen Datenschutzbestimmungen. Europäische Kommission. 24. Januar. europa.eu (zugegriffen: 25. Januar 2018).

… aber auch ältere Titel enthalten sind: Im Mai tritt die EU-Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Ein Kraut-und-Rüben-Querschnitt der Diskussion:

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Hrsg. 2017. Digitalpolitik für Wirtschaft, Arbeit und Verbraucher. Trends – Chancen – Herausforderungen. Berlin: Bundesregierung. www.bmwi.de.

  • Ermert, Monika. 2017a. Datenschutzgrundverordnung: Böses Erwachen der Domainverwaltung ICANN. heise online. 28. Juni. www.heise.de (zugegriffen: 28. Juni 2017).

  • ---. 2017b. EU-Datenschutzverordnung trotzt ICANN-Forderungen. heise online. 29. Oktober. www.heise.de (zugegriffen: 29. Oktober 2017).

  • Hillemacher, Monika. 2018. EU-Datenschutzgrundverordnung kommt: Verschärfter Datenschutz nimmt Vermieter in die Pflicht. heise online. 1. Januar. www.heise.de (zugegriffen: 1. Januar 2018).

  • Martini, Mario, Jürgen Kühling, Johanna Heberlein, Benjamin Kühl, David Nink, Quirin Weinzierl und Michael Wenzel. 2016. Die Datenschutz-Grundverordnung und das nationale Recht. Erste Überlegungen zum innerstaatlichen Regelungsbedarf. Münster: Verlagshaus Monsenstein u. Vannerdat. dopus.uni-speyer.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • Nohr, Holger. 2017. Big Data im Lichte der EU-Datenschutz-Grundverordnung WebDok 111/2017 (15. August). doi:10.7328/jurpcb2017328111, www.jurpc.de (zugegriffen: 15. August 2017).

  • Schildberger, Lukas. 2016. Lobbying und sein Einfluss auf den Entwurf für eine EU-Datenschutz-Grundverordnung aus dem Jahr 2012. Diplomarbeit. Wien: Technische Universität Wien. resolver.obvsg.at.

  • Schmitt, Lennart. 2017. Rezeption eines differenzierten Verbraucherleitbildes im Datenschutzrecht? JurPC WebDok 151/2017 (7. November). doi:10.7328/jurpcb20173211152, www.jurpc.de (zugegriffen: 7. November 2017).

  • Schulzki-Haddouti, Christiane. 2017. Vertane Chance: Bundesregierung dreht beim Datenschutz das Rad zurück. c’t, Nr. 9 (13. April): 36. heise.de

  • Schwarz, Stephan. 2017. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) von 2016 - Was erwartet uns?, The 2016 EU General Data Protection Regualtion (GDPR) - What to expect? (31. Mai). opus4.kobv.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • Spiecker gen. Döhmann, Indra. 2015. Datenschutz in der Globalisierung - Mission Impossible in einer Welt der Technikzukünfte unter Einwirkung einer neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung? In: Informationsrecht@KIT - 15 Jahre Zentrum für Angewandte Rechtswissenschaft. Hrsg.: Th. Dreier, 15:63–95. Schriften des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaft. Karlsruhe: KIT Scientific Publishing. publikationen.bibliothek.kit.edu (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • Tihanyi-Meittinger, Nina. 2017. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung. : Datenschutz, Wahrung von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten vs Datensammlung und Überwachung. Linz: Johannes Kepler Universität Linz. resolver.obvsg.at.

  • Veil, Winfried. 2015a. Angriff auf Internet und Meinungsfreiheit (Teil I). CR-online.de Blog. 14. Dezember. www.cr-online.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • ---. 2015b. Angriff auf Internet und Meinungsfreiheit (Teil II). CR-online.de Blog. 15. Dezember. www.cr-online.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • ---. 2015c. Angriff auf Internet und Meinungsfreiheit (Teil III). CR-online.de Blog. 16. Dezember. www.cr-online.de (zugegriffen: 25. Januar 2018).

  • Weichert, Thilo, Karin Schuler, Ute Bernhardt und Ingo Ruhmann. 2017. Datenschutz-Erwartungen an die Politik in der 19. Legislaturperiode. Berlin, Bonn: Netzwerk Datenschutzexpertise. www.netzwerk-datenschutzexpertise.de (zugegriffen: 4. Oktober 2017).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik XI

Beiträge seit dem 12. Januar 2018:

  • Buschmann, Rafael und Wolf Wiedmann-Schmidt. 2018. Breaking Bad in Bayern. Ein Ex-Dealer erklärt das Millionengeschäft mit Drogen im Darknet. DER SPIEGEL, Nr. 3 (13. Januar): 46–47.

  • Dobusch, Leonhard. 2018. Große Solidarität unter Wissenschaftseinrichtungen: Kommt der Umstieg auf Open Access? netzpolitik.org. 17. Januar. netzpolitik.org (zugegriffen: 19. Januar 2018).

  • Goncharenko, Roman. 2018. Russia moves toward creation of an independent internet. DW.COM. 17. Januar. p.dw.com (zugegriffen: 20. Januar 2018).

  • Klinger, Claudia. 2018. Blogsterben: 4 aktuelle Beispiele. Digital Diary. 4. Januar. www.claudia-klinger.de (zugegriffen: 18. Januar 2018).

  • Lovink, Geert. 2018. nettime: social media critique: next steps? 13. Januar. nettime.org (zugegriffen: 16. Januar 2018).

  • Richling, Mathias und Dieter Kassel. 2018. Mathias Richling zu 20 Jahre Lauschangriff – Warum niemand mehr für seine Freiheit kämpfen will. Interview. Deutschlandfunk Kultur. Berlin: Deutschlandfunk Kultur, 16. Januar. www.deutschlandfunkkultur.de (zugegriffen: 16. Januar 2018).

  • Sucker, Joachim. 2018. Digital-VHS im Dschungel der Diskussionen. allesauszucker. 17. Januar. allesauszucker.wordpress.com (zugegriffen: 19. Januar 2018).

  • Vowe, Gerhard. 2017. Wie verändern sich Wahlkämpfe in der Onlinewelt? Sieben Tendenzen des strukturellen Wandels der politischen Kommunikation. Media Perspektiven, Nr. 12: 607–615. www.ard-werbung.de

Etwas passiert

Jetzt liest man von dem neuen Buch von Varoufakis.

Ich habe das Gefühl, als wäre das alles schon halbe Ewigkeiten her, dabei sind es erst drei Jahre. Sommer 2015. Ich dachte damals wirklich, es könnte etwas passieren, aber es waren nur Bilder und Texte und Reden und Sitzungen. Und am Ende blieb alles, wie es vorher schon war. Vielleicht etwas trauriger als zuvor, weil man ja wirklich dachte, es könnte etwas passieren. Es hätte etwas passieren können. Es hätte passieren sollen. Es wäre besser gewesen, wenn etwas passiert wäre.

Neuerscheinungen zur Netzpolitik X

Beiträge seit dem 7. Januar 2017:

  • Caspary, Ralf, Andreas Bernard, Steffen Mau und Stefan Selke. 2018. Posten, ranken, messen: Verlieren wir uns im Datenrausch? Forum. swr.online. Stuttgart: SWR2, 9. Januar. www.swr.de (zugegriffen: 9. Januar 2018).

  • Holland, Martin. 2018. Indien: Wohl mehr als eine Milliarde Personendaten aus staatlicher Datenbank abgegriffen. heise online. 5. Januar. www.heise.de (zugegriffen: 8. Januar 2018).

  • Ohlig, Jens. 2018. Diskussionsrunde auf dem 34C3: Warum haben wir aufgehört, Dinge ins Internet zu schreiben? Wikimedia Blog. 10. Januar. blog.wikimedia.de (zugegriffen: 11. Januar 2018).

  • Pleines, Chris, Andia Bothe und Celia Schweyer. 2018. Zu-zweit.de-Profilbild-Studie 2017/2018: Partnersuche, Strand und Gurken. München: zu-zweit.de. files.zu-zweit.de.

  • Schrems, Max und Svenja Bergt. 2018. Datenschutzaktivist über digitale Spuren: „Keine Sau beschwert sich“. Die Tageszeitung: taz, 9. Januar, Abschn. Gesellschaft. www.taz.de (zugegriffen: 9. Januar 2018).

  • Stiller, Andreas. 2018. Analyse zur Prozessorlücke: Meltdown und Spectre sind ein Security-Supergau. heise online. 5. Januar. www.heise.de (zugegriffen: 8. Januar 2018).

  • Weichert, Thilo und Ute Welty. 2018. Notrufsystem eCall - Wird das Auto zur Datenschleuder? Interview. Deutschlandfunk Kultur. Berlin: Deutschlandfunk Kultur, 10. Januar. www.deutschlandfunkkultur.de (zugegriffen: 12. Januar 2018).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik IX

Seit dem 20. Dezember 2017 gelesen:

  • Berke, Jürgen. 2018. Helmut Kohl und das Leerrohr sind schuld. Wirtschaftswoche, Nr. 1–2 (5. Januar): 28–32.

  • Bernhardt, Ute, Ingo Ruhmann, Karin Schuler und Thilo Weichert. 2018. Sigmar Gabriel, die Postmoderne und der Datenschutz. Erwiderung und Empfehlung. Netzwerk Datenschutzexpertise. www.netzwerk-datenschutzexpertise.de (zugegriffen: 1. Januar 2018).

  • Dyrlich, Kajetan. 2018. Risiko, Rendite, Revolution: Wie die Blockchain-Technologie die Welt verändert. Hintergrund. Deutschlandfunk. Köln: Deutschlandfunk, 6. Januar. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 6. Januar 2018).

  • Euskirchen, Markus. 2017. Öffentliches Geld für öffentliche Software. Der Kampf um Linux in München. Analysen 43. Berlin: Rosa Luxemburg Stiftung. www.rosalux.de (zugegriffen: 22. Dezember 2017).

  • Haß, Cornelia und Antje Allroggen. 2018. Presseausweis - „Wir erwarten, dass die Zugänge erleichtert werden“. @mediasres. Deutschlandfunk. Köln: Deutschlandfunk, 2. Januar. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 2. Januar 2018).

  • Kern, Fabian. 2017. Der Web-Browser: Lesegerät der Zukunft? buchreport. 1. März. www.buchreport.de (zugegriffen: 30. Dezember 2017).

  • Krempl, Stefan. 2017. Geldwäsche: EU-Gremien bekämpfen „Anonymität“ von Bitcoin & Co. heise online. 16. Dezember. www.heise.de (zugegriffen: 4. Januar 2018).

  • Kruppe, Thomas, Ute Leber und Britta Matthes. 2017. Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit in Zeiten des digitalen Umbruchs. IAB-Stellungnahme. Nürnberg: IAB. www.iab.de (zugegriffen: 23. Dezember 2017).

  • Pleil, Thomas. 2018. Wie verringert man digitalen Stress? Tipps aus einem Dauer-Selbstversuch. Das Textdepot. 5. Januar. thomaspleil.de (zugegriffen: 5. Januar 2018).

  • Pörksen, Bernhard und Friedemann Karig. 2017. „Die Wahrheit ist umkämpfter denn je“. jetzt.de. 29. Dezember. www.jetzt.de (zugegriffen: 1. Januar 2018).

  • Schleth, Ulf. 2017. Das Ende eines Facebook-Accounts: Tschüss! Die Tageszeitung: taz, 23. Dezember, Abschn. Politik. www.taz.de (zugegriffen: 24. Dezember 2017).

  • Schmalenstroer, Michael. 2017. Storify macht dicht und löscht alles. Schmalenstroer.net. 13. Dezember. schmalenstroer.net (zugegriffen: 22. Dezember 2017).

  • Semsrott, Arne. 2018. Erfolg vor Gericht: Wissenschaftliche Dienste von Landtagen auskunftspflichtig. netzpolitik.org. 5. Januar. netzpolitik.org (zugegriffen: 6. Januar 2018).

  • Spitz, Malte. 2017. Daten - das Öl des 21. Jahrhunderts? Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter. 1. Auflage. Hamburg: Hoffmann und Campe.

  • Strether, Lambert. 2017. Net Neutrality: The Coming Battles in the Congress and the Courts. naked capitalism. 24. Dezember. www.nakedcapitalism.com (zugegriffen: 24. Dezember 2017).

„Das Neue im Neuen suchen, nicht das Alte im Neuen!“

Neuerscheinungen zur Netzpolitik VIII

Seit dem 3. Dezember 2017:

  • Behrens, Peter und Thomas Rathgeb. 2017. JIM 2017. Jugend, Information, (Multi-) Media. Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Hg. von Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. Stuttgart: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. www.mpfs.de.

  • Beuth, Patrick. 2017. Calliope mini: „Digitale Bildung darf nicht an Kostenbarrieren scheitern“. Die Zeit, 22. November, Abschn. Digital. www.zeit.de (zugegriffen: 5. Dezember 2017).

  • Hankey, Stephanie und Marek Tuszynski. 2017. Efficiency and Madness. Using Data and Technology to Solve Social, Environmental and Political Problems. Berlin: Heinrich Böll Stiftung. www.boell.de (zugegriffen: 18. Dezember 2017).

  • Heise, Christian. 2016. Von Open Access zu Open Science: Zum Wandel digitaler Kulturen der wissenschaftlichen Kommunikation. Offene-Doktorarbeit: Release - Submitted Version (1.0). Dissertation, Lüneburg: Leuphana Universität. dx.doi.org.

  • Morozov, Evgeny und Francesca Bria. 2017. Die smarte Stadt neu denken. Wie urbane Technologien demokratisiert werden können. Berlin: Rosa Luxemburg Stiftung. www.rosalux.de (zugegriffen: 19. Dezember 2017).

  • Passig, Kathrin. 2017. Fünfzig Jahre Black Box. Merkur 71, Nr. 12 (1. Dezember): 16–30. volltext.merkur-zeitschrift.de

  • Rudl, Tomas. 2017. Die USA schaffen ihre Netzneutralität ab: Was alles dahintersteckt. netzpolitik.org. 13. Dezember. netzpolitik.org (zugegriffen: 13. Dezember 2017).

  • Viner, Katharine. 2017. A mission for journalism in a time of crisis. The Guardian, 16. November, Abschn. News. www.theguardian.com (zugegriffen: 14. Dezember 2017).

„Das Neue im Neuen suchen, nicht das Alte im Neuen!“

Neuerscheinungen zur Netzpolitik VII

Diesmal nur als unkommentierte und unsortierte Liste, möchte die Hinweise aber gerne weitergeben. If time permits, reiche ich Anmerkungen nach…

  • Lang, Susanne. 2017. Eine kurze Geschichte des Internets. Die Inkorporation des Internets in kapitalistische Verhältnisse ist keinesfalls abgeschlossen und noch immer umkämpft. Prokla 47, Nr. 186 (1. März): 7–25. prokla.de

  • N.N. 2017. c’t Uplink 19.9: Die Geschichte des Computers, erzählt von Andreas Stiller. c’t uplink. Nr. 19.9. Hannover: heise online. www.youtube.com (zugegriffen: 3. Dezember 2017).

  • Billari, Francesco C., Osea Giuntella und Luca Stella. 2017. Broadband Internet, Digital Temptations, and Sleep. SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research. Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. www.diw.de (zugegriffen: 23. November 2017).

  • Dachwitz, Ingo und Marie Kochsiek. 2017. Interview über Period-Tracking: „Wir brauchen Zyklus-Apps mit freier und offener Software!“ netzpolitik.org. 30. November. netzpolitik.org (zugegriffen: 1. Dezember 2017).

  • Farkas, Meredith Gorran. 2017. Saying goodbye to the Library Success Wiki. Information Wants To Be Free. 6. November. meredith.wolfwater.com (zugegriffen: 16. November 2017).

  • Heimstädt, Maximilian und Leonhard Dobusch. 2017. Perspektiven von Open Educational Resources (OER) für die (sozio-)ökonomische Bildung an Schulen in NRW und in Deutschland. Neues ökonomisches Denken. Düsseldorf: FGW – Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung. www.fgw-nrw.de (zugegriffen: 9. November 2017).

  • Junge Wissenschaft im Öffentlichen Recht e. V., Dr Christian Djeffal, Privatdozent Dr. Christian Ernst, Peter Schaar, Daniel Mattig und Theresa Witt. 2017. Digitalisierung und Recht: Tagung des eingetragenen Vereins Junge Wissenschaft im Öffentlichen Recht an der Bucerius Law School am 26. November 2016. Hg. von Dr Anika Klafki, Felix Würkert, und Tina Winter. 1. Auflage. Hamburg: Bucerius Law School Bucerius Law School Press. www.researchgate.net.

  • Lee, Felix. 2017. China: Die AAA-Bürger. Die Zeit, 30. November, Abschn. Digital. www.zeit.de (zugegriffen: 30. November 2017).

  • PEIRA. 2017. 35. PEIRA Matinée: Katharina Nocun - Terrorismus und Überwachung. www.youtube.com (zugegriffen: 23. Oktober 2017).

  • Schaumburg, Felix. 2017. Das neue UrhWissG Gesetz und die Schulbuchkopie. schaumburg.xyz. 8. November. schaumburg.xyz (zugegriffen: 8. November 2017).

  • Welchering, Peter. 2017. Tante Emma 2.0 - Wie der Einzelhandel mehr verkaufen willWissenschaft im Brennpunkt. Deutschlandfunk. Köln: Deutschlandfunk, 3. Dezember. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 3. Dezember 2017).

  • Emery, Christina, Mithu Lucraft, Agata Morka und Ros Pyne. 2017. The OA effect: How does open access affect the usage of scholarly books? White Paper. Springer Nature. www.springernature.com (zugegriffen: 8. November 2017).

  • Kotowski, Julia. 2017. What happened to CC? And other thoughts regarding the future of Entertainment for the Braindead. entertainment for the braindead. 18. November. eftb.tumblr.com (zugegriffen: 19. November 2017).

  • Ehrenhauser, Astrid. 2017. Google in der Grundschule: Kleine Geschenke mit Nebenwirkung. Die Tageszeitung: taz, 22. Oktober, Abschn. Gesellschaft. www.taz.de (zugegriffen: 23. Oktober 2017).

Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2017

Von der Sicherheit war viel die Rede im Vorfeld dieser Buchmesse. Bis hin zu der Empfehlung, keine Rücksäcke und keine Rollkoffer mitzubringen, denn alles werde gefilzt werden am Eingang, was zu langen Schlangen an demselben führen könne. Die Aufforderung hat nicht viel Eindruck gemacht, offenbar, denn natürlich kommen alle, wie immer, mit ihrem Gepäck – wie denn auch sonst soll man das stundenlange Herumlaufen in den trotz Wegwerfteppich so unwirtlichen Hallen noch ertragen, wo ein halber Liter Leitungswasser im Wegwerfpack für drei Euro verkauft wird.

Überhaupt: Der Andrang an Besuchern. Mit dem ist es nicht so weit her wie gewünscht. Bei mittäglichen Gang von Halle 4 in Halle 3 waren wir doch recht einsam auf dem schnieken Laufband unterwegs. Es war so leer wie noch nie auf der Messe, und ich komme seit etwa zehn Jahren hierher.

Eine Branche im Abbau ist zu besichtigen. Der Umsatz konnte nur durch Preiserhöhungen aufgefangen werden; der Rückgang ist also bereinigt durchaus vorhanden, möchte man den Branchenjournalisten zuraunen. Eine Branche, die sich in die Eventisierung flüchtet, so war zu lesen, um ihren gesellschaftlichen Bedeutungsverlust zu kontern. Das gelingt, und die Bücher, die in den großen Verlagen produziert werden und dann durch die Verwertungskette Buchhandel, Bibliothek und Antiquariat durchgereicht werden, sind immer noch gern genutzte Aufhänger, an denen sich der Journalismus abarbeitet, um damit ganze Kulturteile zu füllen mit Kritiken und Autoreninterviews, das ganze Jahr über. Die Digitalisierung fand statt – und doch nicht, jedenfalls nicht so, wie es vorhergesagt worden war. Das E-Book ist bis heute eine Randerscheinung geblieben. Der allergrößte Teil des Marktes besteht weiterhin aus gedruckten Büchern, und so hat es auch eine gewisse Berechtigung, dass das Mainzer Gutenberg-Museum wieder seinen Namensgeber an der Druckerpresse auffährt, wo es immer noch zugeht wie vor fünfhundert Jahren.

Aber dem Buch an sich brechen die Leser weg, sagte die Ex-FAZ-Journalistin und Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg gerade in einem Interview im Handelsblatt. Es ist also nicht nur eine Frage des Absatzes, der Einnahmen oder des Umsatzes oder wie man es sonst betriebswirtschaftlich bezeichnen möge, es ist ein tiefgreifender und kaum wieder umkehrbarer Medienwandel, der dazu geführt hat, dass Bücher weitaus weniger beachtet werden, während Fernsehserien aus dem amerikanischen Pay-TV auch schon mal in der U-Bahn besprochen und zitiert werden – wenn man die Ohren für sowas offen hält.

Andererseits die schwierige wirtschaftliche Lage vor allem der kleinen Verleger, die Christoph Links in den Frankfurter Heften zusammengefasst hat.

Der Medienwandel wird greifbar. Er ist hier zu besichtigen, Jahr für Jahr.

Es ist ein bisschen wie bei den Pressekonferenzen in den Museen, wo durch die Zusammenlegung der Redaktionen über die Jahre immer weniger Journalisten kamen, so dass sie schließlich auch die Blogger einluden – nicht weil sie verstanden hätte, was diese tun, aber weil die renommierten Häuser gerne eine ansehnliche Zahl an Schreibern um sich scharen, wenn sie sie rufen. Im Fall der Buchmesse sind es die Verlagsfusionen, die mittlerweile doch auffallen. Wo weiland doch immer wieder mittelständische inhabergeführte Verlagshäuser zwischen den großen Playern auftauchten, sehen wir heute sogenannte Gruppen, also beispielsweise die Westermann Gruppe, die eine Handvoll Schulbuchverlage als Marken verwaltet und deren Produkte feilbietet. Im naturwissenschaftlichen Bereich fällt die Übernahme des Schattauer Verlags durch den ebenfalls in Stuttgart ansässigen Thieme Verlag auf. Wieder einer weniger.

Und alles so englisch heute hier, auch wo man es gar nicht erwartet hätte. In der Wissenschafts- und Bibliotheks-Halle, okay, da mag es angehen. Aber auch in den anderen Hallen wurden die Aussteller bunt gemischt, und es kann schon mal vorkommen, dass man von der Seite in amerikanischem Englisch wie selbstverständlich gefragt wird, ob man sich für Kinderbücher interessiere?

Auch der Bildungsbereich, kaum wiederzuerkennen, so klein, so international. Schon vergangenes Jahr war viel Luft zwischen den Ständen, dieses Jahr ist es eher noch ein bißchen mehr geworden.

Der Brockhaus, der vor zwei Jahren rein online wiederauferstanden war und der im letzten Jahr den Eintritt ins Schulbuchgeschäft verkündet hatte, fehlt diesmal vollständig. Die Messe wird offenbar nicht benötigt, um die Zielgruppe zu erreichen. Und man verspricht sich davon anscheinend keinen zusätzlichen Nutzen mehr. Viele öffentliche Bibliotheken bieten den Zugriff auf die Enzyklopädie mittlerweile an. Das neu hinzugekommene Kinder- und Jugendlexikon und die Kurse für Schüler zum Selbstlernen werden dagegen noch selten hinzugekauft. Zu teuer für die meisten Bibliotheken, in unserer Gegend kam deshalb leider kein Konsortium zustande.

Dafür ist Wikipedia dieses Jahr vor Ort, in Halle 4.2 am Stand A58, ziemlich hinten am Rande platziert, aber gut zu finden dank großem Wikipedia-Ball, der auf diese Wand projiziert wird, wo sich die Hallengänge kreuzen. Deutsche und französische Wikipedianer haben sich hier versammelt, um, passend zum Gastland Frankreich, an Artikeln zur Deutschland und Frankreich zu basteln. Ein portables Fotostudio bietet Gelegenheit, Autoren und weitere Prominente zu fotografieren, um deren Artikel zu bebildern.

Wer fehlte noch? Größere Zeitungen, den Spiegel und den Freitag habe ich nicht bemerkt, aber vielleicht habe ich sie übersehen.

Dafür viel Politik. Der Rechtsruck in der Gesellschaft macht sich bemerkbar, und die Buchmesse reagiert darauf. Sie gibt der Neuen Rechten durchaus ein Forum, indem sie sie ausstellen läßt, aber sie platziert den Stand der Jungen Welt neben den der Jungen Freiheit, und der Antaios Verlag ist schräg gegenüber von der Amadeo Antonio Stiftung. Die Bürger wehren sich dagegen, dass die Rechte auf diese Weise ein Forum für ihre Positionen und für ihre Texte bekommt. Buchmesse gegen Rechts sammelt Unterschriften für eine weltoffene Buchmesse und gegen eine Bühne für rechte Propaganda, und am Orbanism Space lagen Lesezeichen für Respekt und für Gutmenschen aus mit dem Hashtag #verlagegegenrechts. Can Dündar war anwesend unter Applaus, als heute mittag der Raif-Badawi-Preis der Friedrich–Naumann-Stiftung Ahmet Şık verliehen wurde, einer der vielen Journalisten, die derzeit in der Türkei in Haft sind. Dazu passend auch das neue Buch von Naomi Klein, die bezogen auf die Entwicklungen in den USA, zu Maßnahmen gegen die Politik Donald Trumps aufruft. Dagegen kaum Politiker auf der Messe.

Zum Abschluss aber noch einmal ein Blick auf die Diskussion über das digitale Lesen. Auch sie auf Englisch, natürlich. How does reading work? A debate on the impact of digital on reading hieß das Panel, das am Nachmittag in Halle 3.1 an Stand B33 im Kulturstadion im Bildungsbereich stattfand. Zwei Wissenschaftler – Anezka Kuzmicova von der Universität Stockholm und Adriaan van der Weel von der Universität Leiden –, Jens Nymand Christensen, ein Mitarbeiter der EU-Kommission, und der Moderator Ruediger Wischenbart unterhielten sich über Probleme, Desiderate und Forschungsergebnisse zum Thema Lesekompetenz und ganz besonders zum Einsatz von gedruckten Schulbüchern im Vergleich zu digitalen Lehrbüchern. Die Ergebnisse, um die es dabei ging, waren vor kurzem auf einer Tagung in Vilnius vorgestellt worden; am Montag dieser Woche hatte die FAZ darüber berichtet – der Beitrag ist hier zu lesen, und auch in El Pais wurde darüber berichtet.

Dabei war die Kehrseite des oben angesprochenen Wegbrechens der Leserschaft zu bemerken: Die Lesefähigkeit nimmt in der EU spürbar ab, und das dürfte nach Ansicht des Podiums zumindest auch mit dem Wandel von Print zu Online zu tun haben. Betroffen sind vor allem die schlechter gestellten Schichten, Lesen zu können ist also in allererster Linie eine soziale Frage, aber nicht nur. Und Lesen können heißt Denken können. Erst das vertiefte Lesen helfe, grundlegende Kompetenzen zu entwickeln, die für das Verstehen von Narrativen und weiteren komplexen Zusammenhängen unabdingbar seien. Ein Nebeneffekt sei, dass man beim deep reading die Konzentrationsfähigkeit entwickle und erhalte. Man war sich aber einig, dass man bei der Frage, wie sich Print- und Onlinemedien auf das Lernen auswirkten, allemal Neuland betrete, was vor allem den Lehrern zu schaffen mache, weniger den Schülern.

Man empfahl vor allem, für das grundlegende Lernen gedrucktes Material zu verwenden und erst zum weiteren Arbeiten digitale Medien und Geräte einzusetzen, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen verhinderten audiovisuelle Inhalte, dass sich die Vorstellungskraft herausbilden könne. Zum anderen seien Bildschirme sehr stark mit Unterhaltung und Zerstreuung und weniger mit Konzentration konnotiert, so dass auch bei nüchterner Aufbereitung des Materials bestimmte Erwartungen angestoßen würden, die die Wahrnehmung negativ beeinflussen könnten. Man war sich auch darüber einig, dass es sinnvoll sei, dass Schüler lernten, von Hand zu schreiben – die Diskussion darüber, ob Blockschrift oder gar Maschinenschrift vorzugswürdig wäre oder ob gar Diktiersysteme ausreichten, wurde gestreift, aber im Ergebnis abgelehnt. Pragmatisch sei es sinnvoll, bis auf weiteres den Gebrauch von Tablets durch Kinder und Schüler zu beschränken. Uneinigkeit bestand in Bezug auf die Gamification des Lernens; während einerseits im Spiel ein sehr niedrigschwelliger Zugang zu allen denkbaren Inhalten liege, wurde dem entgegengehalten, dass sie einer vertieften Beschäftigung mit Themen gerade entgegenständen.

Soweit zur Digitalisierung der Schule. Auf die abschließende Frage aus dem Publikum, wie ältere, die mit Printmaterial aufgewachsen waren, den negativen Auswirkungen des digitalen Lesens entgegenwirken könnten, war sich Adriaan van der Weel sehr sicher. Schon Nicholas Carr hatte in seinem Buch und in dem gleichnamigen Aufsatz im Atlantic Is Google making us stupid? vor etwa zehn Jahren am Ende sich wieder dem Strom der Texte und des übrigen digitalen Contents hingegeben, mit den bekannten Folgen des Verlusts der Aufmerksamkeit und der Konzentrationsfähigkeit. Dagegen helfe nur eines: Read books!

Literatur: N.N. 2017. Zwischen Diskursmedium und Kundenschwund. buchreport. 10. Oktober. www.buchreport.de (zugegriffen: 11. Oktober 2017). – Müller, Anja Tuma und Felicitas von Lovenberg. 2017. Das Buch ist schöner als ein paar Bits. Handelsblatt, 9. Oktober, Abschn. Unternehmen & Märkte. – Links, Christoph. 2017. Gegenwind für die Buchbranche Problematische Gesetzesentscheidungen und globale Herausforderungen. Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte. 1. September. www.frankfurter-hefte.de (zugegriffen: 11. Oktober 2017). – Jacobs, Michael. 2017. Messe-Flucht: Für viele Mainzer Verlage rechnet sich die Frankfurter Buchmesse nicht mehr. Allgemeine Zeitung. 7. Oktober. www.allgemeine-zeitung.de (zugegriffen: 7. Oktober 2017). – Dupré, Johanna. 2017. Lesestoff aus der Apotheke: Digitalisierung verändert die Buchbranche grundlegend. Allgemeine Zeitung. 7. Oktober. www.allgemeine-zeitung.de (zugegriffen: 7. Oktober 2017). – N.N. 2015. Als Wissensservice im Netz: Der Brockhaus kehrt zurück. Börsenblatt. 15. Oktober. www.boersenblatt.net (zugegriffen: 10. Oktober 2017). – Roesler-Graichen, Michael. 2016. Interview mit Hubert Kjellberg, Brockhaus NE: „Das Ergebnis unserer Arbeit ist kein Buch mehr“. Börsenblatt. 12. August. www.boersenblatt.net (zugegriffen: 10. Oktober 2017). – N.N. 2017. Wikipedia:Frankfurter Buchmesse 2017. Wikipedia. 7. Oktober. de.wikipedia.org (zugegriffen: 11. Oktober 2017). – Klein, Naomi. 2017. Gegen Trump: wie es dazu kam und was wir jetzt tun müssen. Übers. von Gabriele Gockel. Frankfurt am Main: S. Fischer. – Küchemann, Fridtjof. 2017. Ist das nun mutig oder dumm? Buch oder Tablet: Wie wir einen Text verstehen, hängt auch vom Medium ab. Was bedeutet das für das künftige Lesen und Lernen? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Oktober, Abschn. Feuilleton. - Carbajosa, Ana. 2015. ¿Recuerdas cuando leíamos de corrido? EL PAÍS. 24. Mai. politica.elpais.com (zugegriffen: 11. Oktober 2017). – N.N. 2017. E-READ COST. 11. Oktober. ereadcost.eu (zugegriffen: 11. Oktober 2017). – Carr, Nicholas. 2008. Is Google Making Us Stupid? What the Internet is doing to our brains. The Atlantic, August. www.theatlantic.com (zugegriffen: 13. April 2017).

Noch lange nicht vorbei X

Der Beschluss der Unionsparteien über die faktische Anerkennung einer – verfassungsrechtlich bekanntlich nicht haltbaren – Obergrenze von 200.000 Asylbewerbern und Flüchtlingen pro Jahr zeigt, welchen Weg die Politik insoweit eingeschlagen hat: Man grenzt sich eben nicht nach rechts hin ab, sondern man übernimmt rechtsextreme Positionen, vereinnahmt sie damit und gibt sie fortan nicht nur als die eigenen aus; sondern es sind seitdem Positionen des Mainstream geworden. Fleisch vom eigenen Fleisch. Sie nennen es die Mitte.

Das Vorgehen wird zur anderen Seite hin schon lange praktiziert. Zuerst wurden die Positionen der Grünen, dann der Piratenpartei auf diese Weise rezipiert. Auf einmal hatten alle eine Umweltpolitik, eine Frauen- und Familienpolitik oder einen netzpolitischen Sprecher. Man kann auch ganz weit in die Geschichte zurück gehen, als sich auch andere als die sozialdemokratische und die kommunistischen Richtungen mit der sozialen Frage zu beschäftigen begannen. So gesehen war die Sozialdemokratisierung der CDU in den letzten Jahren aber nur ein Aufgreifen der Standpunkte der neoliberal gewendeten Schröder-Schulz-SPD. Natürlich gab es eine Grenze; sie verlief ziemlich dort, wo die Linke beginnt. Gegen sie hat sich der Apparat immer schon abgegrenzt.

Ganz anders jetzt in Bezug auf die rechtsextremistischen Positionen. Auch wenn sie gar nicht mitregieren, wirkt ihre Anwesenheit im Parlament doch auf die Regierungspolitik ein. Die fehlenden Prozente, auch wenn sie gar nicht zurück zu gewinnen sein werden, schmerzen und führen im Ergebnis zur Anerkennung dieser Richtung. Kurzfristig führt so ein Vorgehen nicht zur Dezimierung ihrer Stimmanteile, nur langfristig kann das wirken. Von Gründen des guten Geschmacks ganz zu schweigen. Der Machterhalt ist aber wichtiger als die Moral.

Wenn man die Geschichte der Bundesrepublik betrachtet, war das nicht immer so. Bei all den altbraunen Funktionsträgern bis in die Regierungen hinein, folgte der nivellierten Mittelstandsgesellschaft der Nachkriegszeit mit dem Konsens der Demokraten vor allem der Widerspruch der Achtundsechziger – der auf einen erbitterten Widerstand traf. Auf die Demonstranten gegen den Schah 1967 in Berlin wurde nicht ohne Grund scharf geschossen. Und die Stahlhelmfraktion der CDU bot den Grund, auf dem die älteren unter den heutigen hessischen Funktionsträgern der neuen Rechten einst übten. Fleisch von ihrem Fleisch. Das Aussitzen des linken Protests in den Kohlschen Jahren markierte das Ende dieses Widerstands gegen die sozialen Bewegungen. Es ging dann bei Merkel über in ein opportunistisches Regieren von Fall zu Fall, bei dem ausnahmslos jede Position auf den Prüfstand kam, wenn es die Meinungsumfragen empfahlen. Sie schluckte einfach alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war, so zuletzt in diesem Wahlkampf noch die Ehe für alle. Und jetzt also auch die Obergrenze, gestern noch vehement abgelehnt.

Und als nächstes wird sich auch in der Sozialpolitik zeigen, welche unausgegorenen Ansichten eben doch Mehrheiten finden, auch wenn sich 87 Prozent der Wähler für eine ganz andere Politik und also gegen sowas ausgesprochen hatten. Auf der Grundlage der zur Wahl gestellten Programme. Die natürlich unter einem Vorbehalt standen, nämlich demjenigen der Meinungsumfragen – auch derjenigen zu den kommenden Landtagswahlen in Niedersachsen und in Bayern.

Und so signalisierten auch die Grünen ob der neuen Linie bei der Einwanderungspolitik erst einmal grundsätzlich Gesprächsbereitschaft. Klar, warum auch nicht? Man ziert sich noch ein bißchen, aber wenn man ihnen ein paar Millionen für neue Radwege in den Koalitionsvertrag hineinschreibt, passt das schon.

Früher waren es soziale Bewegungen von links oder liberale Stoßrichtungen, deren Inhalte auf diese Weise mehrheitsfähig wurden. Heute steht die Basis, nach der man sich ausrichtet, rechts, sehr weit rechts sogar, und zwar schon ziemlich lange – der sogenannte Wutbürger. Das ist ein erheblicher Unterschied zu damals, zumal in Deutschland.

Die nächste Grenze, die überschritten wird, wird ganz gewiss keine Außengrenze mehr sein. Und diejenigen, die darüber jetzt entscheiden, bereiten schon längst ihren baldigen Abtritt vor, ganz egal, welche Musik das Orchester an Bord bis zu ihrem Abgang noch spielen wird. Der nächste Konzertmeister ist schon ausgewählt und steht bereit.

Quellen: pad/AFP/dpa. 2017. Krisengipfel: Union findet Kompromiss bei Streit über Zuwanderung. Spiegel Online, 8. Oktober, Abschn. Politik. www.spiegel.de (zugegriffen: 9. Oktober 2017). Reimann, Anna. 2017. Grüne und FDP zu Unionskompromiss: Ja-Nein-Jamaika. Spiegel Online, 9. Oktober, Abschn. Politik. www.spiegel.de (zugegriffen: 10. Oktober 2017).

Der Nullvektor

Wer nach etwa einem Vierteljahr vom Zauberberg zurückkehrt zu jenen unten im Tal, findet eine etwas andere Szene vor als diejenige, die er verlassen hatte. Der zeitweilige Rückzug nach innen als Reaktion auf eine Phase mit sehr viel Außen ist durchaus notwendig und nährend. Das Trommeln und das Zittern treffen auf tiefe Stille und immer noch lauten Nach-Hall, der langsam ausläuft und zum Ruhepunkt drängt, obwohl der nicht ganz ruhen soll.

Was fällt auf? Einige Notizen:

In eineinhalb Wochen ist Bundestagswahl, und die Gesellschaft ist immens politisch geworden. Aber das Politische hat für die meisten nichts mehr zu tun mit Parlamenten oder Politikern, sondern es beginnt bei einem selbst. Wer beispielsweise etwas für den Schutz von Tieren unternehmen möchte, würde nicht ernsthaft argumentieren, dazu eine bestimmte Partei zu wählen. Schon die Vorstellung, es gebe einen Zusammenhang zwischen dem Wahlakt und einem bestimmten, konkreten Erfolg in der Wirklichkeit, erscheint derzeit eher wie ein Wahn, zumindest sehr abwegig. Wer etwas für Tiere tun möchte, bestellt sich das vegetarische Essen, besser noch: vegan. Das Politische findet nicht mehr repräsentativ in weiter Ferne statt, sondern es passiert hier und jetzt, wo wir es machen – oder eben gar nicht.

Denn alles legt sich selbst lahm, das System blockiert sich selbst, weil die Player sich selbst ebenso wie gegenseitig behindern. Eine starke Hemmung lähmt den Diskurs in den Medien. Gründe dafür sind nicht erkennbar. So wird die Politik zu einem einzigen großen Nullvektor. Das ist der eigentliche Grund für die schwindende Legitimität der Demokratie: Ihre Un-wirk-lichkeit ist keine Frage von checks and balances mehr, es gibt eher zuviel davon, und Impulse für eine inhaltliche Entwicklung fehlen ganz oder kommen nicht in die Gänge. Ein Land, in dem die Beschaffung zweier Liegesessel für eine psychosomatische Klinik nur mit dem vereinten und kontinuierlichen Einsatz aller Beschäftigten über einen Zeitraum von fünf Jahren möglich ist, hat fertig, weiß offenbar schon lange nicht mehr, wozu es eigentlich da ist und wo es hin will und wozu das alles überhaupt. Verhinderung und Beharren sind wichtiger geworden als das Tun. Schlichte Verwaltung scheint das wichtigste geworden zu sein. Entwicklung ist nahezu ausgeschlossen, und Gelder, die bereits bewilligt sind, können nicht abgerufen werden, weil die Verwaltung nicht hinterher kommt.

So wird auch das Wählen selbst schon zu einer Art Bilanzselbstmord, zumindest eine Bankrotterklärung, denn keiner derjenigen, die sich dazu anbieten, wären noch in der Lage, über ihren eigenen Schatten zu springen – was doch das mindeste wäre, um wirklich voran zu kommen. Nur die kleinsten Parteien, ausgefiltert von Prozenthürden und Schikanen, sprechen noch über Veränderung in die Zukunft hinein, die großen wollen entweder zurück, um die Vergangenheit einfach weiter zu schreiben, oder sie kommen gar nicht erst vom Fleck. Der politische Diskurs ist zum Geschwätz von Marketing-Leuten verkommen, die sich Plakate ausdenken und Sprüche als ginge es um irgendwelche Wegwerfprodukte wie andere mehr. Politik als Konsum. Kauf statt Mitbestimmung. Und folglich die Konsumverweigerung als letzte mögliche Chance, so etwas wie Kontrolle zu erleben. Der Nichtwähler als der eigentliche Wähler, der, wie Bartleby, lieber nicht teilhat an einer Farce, bei der schon lange die Minderheit über die Mehrheit herrscht – obwohl das Gegenteil der Fall sein sollte. Dieser Widerspruch ist nicht heilbar.

Politik als Nullvektor, also. Das Nichtstun als das eigentliche Tun. Diese Bundestagswahl ist sozusagen das Tao der Politik geworden.

Oder ist es ganz anders? Antje Schrupp hatte schon im Januar von den BIG ULGLY FIVE geschrieben, und die Diskussion in ihrem Blog dauert weiter an. Auch für sie stellen sich die Dinge ganz ähnlich dar: Keine Partei kann sie wirklich überzeugen. Also: Wählen, um den Anteil der Rechtsextremisten am Ergebnis so gering wie möglich zu halten. Ein ehrenwertes Ziel, sicherlich, und so werde ich es am Ende auch halten, aber es ändert eben am ganzen nichts. Und das sollte man deshalb im Auge behalten.

Die Lage ist völlig verfahren. Was fehlt, sind Spielräume. Und über sie wäre in einem deliberativen Verfahren zu beraten. Das aber würde einen echten Diskurs voraussetzen, keine Schlacht der Waschpulververkäufer und keine Kandidaten, die nur deren Parolen auswendig lernen und live im Fernsehen aufsagen. Die Abwesenheit von Politik kann nur durch die Neuerfindung der Politik behoben werden. Wenn wir aber gegen den rechten Rand und die Feinde der Demokratie stimmen, statt für die Politik, schwächt das die Demokratie, wie es in Frankreich schon lange der Fall ist, wo ja auch ganz viele in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen nicht gegen den FN stimmen wollten, was nur möglich gewesen wäre, indem sie ihre Stimme einem Neoliberalen Macron gegeben hätten, der sich seine eigene Partei zudem gleich mitbrachte.

Politik muß ein Vektor sein, muß in Bewegung sein, muß auch Impulse aufnehmen und produktiv verarbeiten können, um die Gesellschaft voran bringen zu können. Muß selbst ein Teil der Gesellschaft sein. Darf nicht länger den Begriff der Reform diskreditieren als eine Richtung, die nur nach unten führt, zum Abbau von Strukturen und Leistungen, sondern zur Solidarität und zum Aufbau hin.

Politik muß ein Trotzdem sein, wie es zum Beispiel beim Bestellen eines vegetarischen Gerichts sich zeigt. Und kein Weiter so, sondern ein Weiter!

Neuerscheinungen zur Netzpolitik VI

Cyberabwehr, Digitalministerium, Breitbandausbau: Nur einige Stichworte, mit denen die großen Parteien im Bundestagswahlkampf punkten wollen. Inzwischen haben alle ihre Vorschläge zur Digitalpolitik vorgelegt. Dabei liegen die Ideen der Parteien weit auseinander und sind häufig recht vage.

Falk Steiner kommt in seinem Hintergrund-Beitrag beim Deutschlandfunk zu dem Ergebnis, daß Netzpolitik bei allem … nur eine Nebenrolle spiele. Nur CDU/CSU, FDP und Grüne haben dazu eigene Kapitel in ihren Wahlprogrammen vorgesehen. Gleichzeitig aber spielten die digitalen Projekte in den Ministerien eine wichtige Rolle, anders als noch vor vier Jahren. Aber alles ist auch zersplittert, ist (noch nicht) zusammengeführt, weder thematisch noch personell.

CDU/CSU wollten deshalb einen Staatsminister im Bundeskanzleramt installieren, der die Ressorts koordinieren werde. Nur die FDP fordere ein eigenes „Digitalministerium“. Allein die Neusortierung der Zuständigkeiten könnte die politische Entwicklung des Felds auf Jahre hinaus behindern und zunächst erst einmal lähmen.

Überhaupt: Man spricht derzeit vornehmlich von „Digitalpolitik“, nicht mehr von „Netzpolitik“. Der Spießer hat zu sich gefunden, er spielt nicht mit den nerdigen Schmuddelkindern.

Ansonsten: Gemeinplätze. Aber ein guter Überblick über den derzeitigen Stand der Positionen.

  • Steiner, Falk. 2017. Digitalpolitik im Wahlkampf – Viele Ideen, wenig Gemeinsamkeiten. Hintergrund. Deutschlandfunk. Köln: Deutschlandfunk, 21. Juli. www.deutschlandfunk.de.

Ergänzend dazu: Eine Arbeit im DIW-Wochenbericht, in dem Parteienpräferenzen mit dem sozioökonomischen Status auf der Grundlage des SOEP in Beziehung gesetzt werden. Die reichsten Wähler hat die FDP, gefolgt von den Grünen und CDU/CSU. Die SPD-Wähler liegen ökonomisch gesehen ziemlich im Median, gefolgt von AfD und der Linken. AfD- und Links-Wähler eint die Besorgnis über die politische und wirtschaftliche Entwicklung. Nichtwähler sind die wirtschaftlich Abgehängten und die Jungen.

  • DIW Berlin. 2017. Unionsparteien und SPD werden sich in der Struktur ihrer Wählerschaft immer ähnlicher. diw.de. 19. Juli. www.diw.de.

Die taz beschäftigt sich heute in drei Beiträgen mit dem Thema „Zehn Jahre Smartphone“ und „Smartphone-Nutzung durch Kinder und Jugendliche“:

  • Kimmerle, Elisabeth. 2017. Lehrer über Smartphones: „Nacktfotos gibt’s an jeder Schule“. Die Tageszeitung: taz, 26. Juli, Abschn. Gesellschaft. www.taz.de.

  • Kimmerle, Elisabeth. 2017. Smombies. Vor zehn Jahren kam das erste Smartphone auf den Markt. Die Tageszeitung: taz, 22. Juli, Abschn. Archiv. www.taz.de

  • Raab, Klaus. 2017. Das Handy aus Papier. Die Tageszeitung: taz, 22. Juli, Abschn. Archiv. www.taz.de

In der c't gibt es diese Woche einen Schwerpunkt zu Fake News …

  • Bager, Jo. 2017. Das Lügen-Biotop. Wie Fake News entstehen und warum sie eine Gefahr darstellen. c’t, Nr. 16 (22. Juli): 66–73. www.heise.de

  • Bleich, Holger. 2017. Fakten, Fakten, Fakten! Medienhäuser gründen neue Factchecking-Einheiten. c’t, Nr. 16 (22. Juli): 74.

  • Bager, Jo. 2017. Nix mit Fake. Fake News erkennen und bekämpfen. c’t, Nr. 16 (22. Juli): 78.

  • Schüler, Hans-Peter. 2017. Schlechte Zahlen, böse Zahlen. Statistische Zerrbilder und wie man sie erkennt. c’t, Nr. 16 (22. Juli): 82.

… sowie einen Beitrag zu den veränderten Nutzungsgewohnheiten beim Fernsehen:

  • Kuhlmann, Ulrike. 2017. Fernseher statt TV. Veränderte Nutzungsgewohnheiten am TV und die Folgen. c’t, Nr. 16 (22. Juli): 30–31. www.heise.de

Neuerscheinungen zur Netzpolitik V

Nachdem 2013 die umfangreiche digitale Dauerüberwachung durch staatliche Sicherheitsbehörden ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit geriet, entwickelte sich im europäischen Raum unter dem Schlagwort "digitale Souveränität" eine breite Debatte über Chancen und Risiken sowie Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung. In diesem Papier soll zunächst der Bedarf für eine stärkere gesellschaftliche Einbettung digitaler Technologien aufgezeigt werden, indem die ideologische Rahmung der Digitalisierung und ihre wesentlichen Entwicklungslinien in Form eines Literaturüberblicks herausgearbeitet werden. Nach einer Beschreibung des Regierungsverständnisses von digitaler Souveränität wird argumentiert, dass eine Erweiterung des Konzepts dazu beitragen könnte, die ursprünglich mit der Digitalisierung verbundenen, aber bisher weitestgehend enttäuschten emanzipatorischen Hoffnungen zu verwirklichen.

  • Misterek, Fokko. 2017. Digitale Souveränität: Technikutopien und Gestaltungsansprüche demokratischer Politik. MPIfG Discussion Paper. Max Planck Institute for the Study of Societies. hdl.handle.net (zugegriffen: 1. Juli 2017).

Der neue Gesandte VII

Albrecht von Lucke sieht in der freitäglichen Abstimmung über die „Ehe für alle“ eigentlich nur Verlierer. Die Betroffenen und ihre Interessen werden bei diesem Beschluss im Schweinsgalopp instrumentalisiert, alles nur Wahlkampf, full of sound and fury, verfassungsrechtlich kann man das Gesetz sehr wahrscheinlich leicht kippen. Man bräuchte also kein einfaches Gesetz, sondern eine klare Verfassungsänderung, die soll es aber nicht geben.

Sozialpsychologisch handelt es sich bei dem Vorgehen von SPD und Opposition um eine Identifizierung mit dem Aggressor: Ganz lange hatte man sich gegen Populisten gewandt, in diesem Fall übernimmt man kurzerhand deren Vorgehen und begründet ein Gesetzesvorhaben ausschließlich mit dessen Popularität in den Meinungsumfragen, ohne der Verfassungsmäßigkeit und der Ernsthaftigkeit der betroffenen Anliegen das nötige Gewicht zu geben.

Ich glaube, dieser Satz von Thomas Oppermann, der Ball liegt auf dem Elf-Meter-Punkt, wir müssen ihn nur reinmachen, das ist ein Satz, der geeignet ist, ihm auf die Füße zu fallen, weil die Leute merken, es geht primär jetzt um kleine Bodengewinne im Wahlkampf. Das ist aber möglicherweise in wenigen Tagen wieder vergessen. Dann hat die Kanzlerin gewissermaßen diesen Platz abgeräumt. Es ist dann mit den Worten von Jürgen Habermas das endgültige Moment der Fundamental-Liberalisierung der Union. Merkel hat quasi alles abgeräumt, was irgendwie noch für Konservative große Unterschiede machen könnte. Das ist dann auch ein Problem für die restlichen Teile der Konservativen in der Union. Normalerweise würde die AfD jubilieren, wenn sie nicht momentan hoch geschwächt und zerstritten am Boden läge, denn da würden sich natürlich die Konservativen hinflüchten. Aber das heißt, wir müssen doch sehen, dass jenseits des Mehrheitswillens der Bevölkerung, den es wichtig ist, natürlich zur Kenntnis zu nehmen, in einer solchen zentralen Frage der Bundestag gehalten wäre, eine große Debatte, wenn wir uns daran erinnern, Berlin-Entscheidung oder die Entscheidung zur Sterbehilfe, daraus zu machen. Dann würde dieser Veränderung Rechnung getragen und wir kämen zu einem guten Ergebnis. So wird etwas übers Knie gebrochen und das wird letztlich der Sache nicht gerecht.

  • Lucke, Albrecht von und Sandra Schulz. 2017. Ehe für alle – „Hals über Kopf wird eine sehr grundsätzliche Frage abgeräumt“. Interview. Köln: Deutschlandfunk, 29. Juni. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 29. Juni 2017).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik IV

Ein Buch, eine Radiosendung, eine Tagung und ein Podcast:

  • Stier, Sebastian. 2017. Internet und Regimetyp: Netzpolitik und politische Online-Kommunikation in Autokratien und Demokratien. 1. Auflage 2017. Vergleichende Politikwissenschaft. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

  • Schimmeck, Tom. 2017. Algorithmen im US-Justizsystem - Schicksalsmaschinen. Feature. Köln: Deutschlandfunk, 20. Juni. www.deutschlandfunk.de (zugegriffen: 22. Juni 2017).

  • Deutscher Ethikrat. 2017. Jahrestagung: Autonome Systeme. Wie intelligente Maschinen uns verändern. Deutscher Ethikrat. 21. Juni. www.ethikrat.org (zugegriffen: 22. Juni 2017).

  • Semak, Nicolas. 2017. Julia Reda. Podcast Viertausendhertz: Elementarfragen. 19. Juni. viertausendhertz.de (zugegriffen: 21. Juni 2017).

Und – sozusagen als albatros+ – noch der Hinweis auf diese Umfrage zur Bibliotheksnutzung im Generationenvergleich …

  • Geiger, Abigail. 2017. Millennials are the most likely generation of Americans to use public libraries. Pew Research Center. 21. Juni. www.pewresearch.org (zugegriffen: 22. Juni 2017).

… und auf diesen Beitrag von Torsten Kleinz bei Heise zur – im Vergleich zu den USA – geringen Nutzung von Facebook für die politische Information in Deutschland:

In einigen Ländern nimmt die Nutzung sozialer Netzwerke sogar ab – dazu zählt auch Deutschland. 29 Prozent der erwachsenen Onliner gaben hier an, soziale Medien als Nachrichtenquelle zu verwenden. Im Vorjahr waren es 31 Prozent. Genutzt wird dabei meist passiv: 14 Prozent benutzen die Funktion "Gefällt mir", 8 Prozent kommentieren. Entsprechend niedrig ist auch das Ansehen sozialer Netzwerke als Informationsquelle: 7 Prozent der Volljährigen gaben soziale Medien als wichtigste Nachrichtenquelle an. Lediglich 1,6 Prozent verzichteten dabei auf andere Medien, um sich über die Weltlage zu informieren.

  • Kleinz, Torsten. 2017. Reuters Institute: Großes Interesse an Nachrichten, abnehmendes Vertrauen in Medien. heise online. 21. Juni. www.heise.de (zugegriffen: 22. Juni 2017).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik III

Das neue Buch von Geert Lovink ist gerade erschienen:

Der Band behandelt u. a. die Selfie-Kultur, die Internet-Fixierung des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Franzen, das Internet in Uganda, die Ästhetik von Anonymous und die Anatomie der Bitcoin-Religion: Wird die Geldschaffung durch Cyber-Währungen und Crowdfunding zu einer Neuverteilung des Reichtums beitragen oder die Kluft zwischen reich und arm eher vergrößern? Was wird in diesem Zeitalter des Freien das Einkommensmodell der 99 % sein?

Ein Auszug daraus war im April in Le Monde Diplomatique zu lesen: Die Filterblasen müssen platzen.

  • Lovink, Geert. 2017. Im Bann der Plattformen: Die nächste Runde der Netzkritik. Übers. von Andreas Kallfelz. 1. Aufl. Digitale Gesellschaft 12. Bielefeld: transcript.

Auf der Website des Transcript-Verlags beachte man den Menüpunkt Open Access. Dort gibt es derzeit 404 Bücher aus dem breit angelegten sozialwissenschaftlichen Verlagsprogramm der letzten Jahre zum Herunterladen als PDF, zuletzt erschienen:

  • Holzer, Daniela. 2017. Weiterbildungswiderstand: Eine kritische Theorie der Verweigerung. 1. Auflage. Pädagogik. Bielefeld: transcript. www.transcript-verlag.de.

Aber auch:

  • Burkhardt, Marcus. 2015. Digitale Datenbanken: eine Medientheorie im Zeitalter von Big Data. 1. Aufl. Digitale Gesellschaft. Bielefeld: Transcript. www.transcript-verlag.de.

  • Frömming, Urte Undine, Steffen Köhn, Samantha Fox und Mike Terry, Hrsg. 2017. Digital environments: ethnographic perspectives across global online and offline spaces. 1. Auflage. Media studies. Bielefeld: transcript. www.transcript-verlag.de.

oder:

  • Baier, Andrea, Tom Hansing, Christa Müller und Karin Werner, Hrsg. 2016. Die Welt reparieren: Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis. 1. Auflage. Bielefeld: transcript. www.transcript-verlag.de.

und natürlich auch:

  • Helfrich, Silke, David Bollier und Heinrich Böll Stiftung, Hrsg. 2015. Die Welt der commons: Muster gemeinsamen Handelns. 1. Aufl. Bielefeld: Transcript. www.transcript-verlag.de.

Neuerscheinungen zur Netzpolitik II

Eine Dissertation im Fach Informatik: …diese Arbeit fokussiert die technischen Bedingungen der Möglichkeit des öffentlichen Vernunftgebrauchs. … Die vorliegende Untersuchung einer technē der Publizität führt uns von der antiken Agora über die aufklärerischen Salons bis zu den virtuellen und realen Orten der Netzöffentlichkeit. Technisch Handelnde besitzen eine ungeheure Macht, die öffentliche Deliberation zu ermöglichen oder zu bremsen. In der nun ausgerufenen Turing-Galaxis muss nun gerade die Informatik in allen Bindestrich-Varianten Verantwortung für die Gewährleistung von Öffentlichkeit übernehmen. Diese Arbeit soll dazu beitragen. – Gutachter waren Wolfgang Coy, Hans-Jörg Kreowski und Volker Grassmuck.

  • Ullrich, Stefan. 2017. Informationstechnische Grundlagen, Werkzeuge und Praktiken des öffentlichen Vernunftgebrauchs. Die techne der Publizität. Humboldt-Universität zu Berlin, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, 16. Mai. edoc.hu-berlin.de (zugegriffen: 10. Juni 2017).

Neuerscheinungen zur Netzpolitik

Das Reden von der Digitalpolitik greift derzeit um sich bei solchen Broschüren und verdrängt etwas den Begriff der Netzpolitik, den wir hier aber beibehalten wollen… Jetzt haben sich die SPD-geführten Ministerium Wirtschaft, Arbeit und Justiz zu einer gemeinsamen Broschüre zusammengetan, die gerade erschienen ist.

Sie greifen u.a. den Schutz der Gesundheitsdaten bei Gesundheits-Apps und Wearables heraus (S. 50). Das Handelsblatt machte daraus vorgestern ein Positionspapier, versteckt seinen Artikel aber hinter einer Paywall…

Der Streit im Wahlkampfjahr dreht sich wohl um die Frage, ob es zukünftig ein zentrales Digitalministerium geben soll (das hätte die FDP gern) oder ob die Kompetenzen zu der Querschnittsmaterie Netzpolitik wie bisher in die Zuständigkeit der jeweiligen Fachministerien gehörten und zusätzlich eine neue beratende Digitalagentur geschaffen werden solle.

  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Hrsg. 2017. Digitalpolitik für Wirtschaft, Arbeit und Verbraucher. Trends – Chancen – Herausforderungen. Berlin: Bundesregierung. www.bmwi.de.

Weitere Neuerscheinungen zur Netzpolitik

Thomas Wagner übt antikapitalistische Fundamentalkritik (sehr gut), schlägt aber am Ende ein öffentlich-rechtliches GAFA vor (sehr zweifelhaft). Die Diskussion über ein öffentlich-rechtliches Google hatten wir vor zehn Jahren zuletzt, als Google Books aufkam. Der Wunsch danach kam aus Frankreich, und das Euro-Projekt hieß Quaero, daraus wurde Exalead und am Ende die Europeana. Und das ist doch ein ziemlich trauriges Ergebnis?

Paul Buckermann liefert einen theoretischen Sammelband ab, der beim Freitag zustimmend besprochen worden ist.

  • Wagner, Thomas. 2017. Das Netz in unsere Hand! Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie. 1. Auflage. Neue kleine Bibliothek 243. Köln: PapyRossa Verlag. – Dazu: Freitag, ND, jW, literaturkritik.de, Ossietzky, LabourNet.

  • Buckermann, Paul, Simon Schaupp, Anne Koppenburger, Philipp Frey, Malena Nijensohn, Nikolaus Lehner, David Waldecker, u. a., Hrsg. 2017. Kybernetik, Kapitalismus, Revolutionen: Emanzipatorische Perspektiven im digital-technologischen Wandel. 1. Auflage, neue Ausgabe. Münster: UNRAST. – Dazu: Freitag.

Weitere Bücher zum Thema aus der letzten Zeit hier und hier. Siehe auch den Hinweis auf eine Reihe von neueren Audio-Beiträgen.

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