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Firefox bald ohne OpenSearch

Der folgende Kommentar wurde im Blog von Sören Hentzschel leider nicht freigeschaltet. Ich veröffentliche ihn deshalb hier, zur besseren Verständlichkeit um eine Einführung ergänzt.

Mozilla hat angekündigt, die Unterstützung für OpenSearch zu entfernen. Ab Anfang Dezember 2019 werden Suchmaschinen aus addons.mozilla.org entfernt. Suchmaschinen können über diese Plattform dann nur noch als WebExtensions verteilt und auf dem neuesten Stand gehalten werden. OpenSearch-Suchmaschinen werden auch nach diesem Zeitpunkt weiterhin funktionieren, und der Zeitpunkt, zu dem der Standard endgültig fallengelassen wird, steht noch nicht fest. Er wird aber aufgegeben.

Ich glaube, wir sehen hier ein Problem, das wir schon einmal diskutiert hatten, als der RSS-Reader aus Firefox entfernt wurde.

Überspitzt kann man sagen: Mozilla sind die Bedürfnisse der Benutzer, insbesondere der kompetenten Benutzer, also der Power-User, und die offenen Webstandards mittlerweile reichlich egal geworden, Hauptsache, der Browser kann Netflix. :(

Man darf sich nichts vormachen: Wenn Firefox OpenSearch nicht mehr unterstützt, wird das kein Anlass für die Betreiber von Websites sein, stattdessen eine WebExtension bereitzustellen, denn Firefox hat nicht mehr die große Bedeutung, die er früher einmal hatte, jedenfalls für den deutschen Markt.

Firefox ist derzeit noch ein Tool, das für Information Professionals eine große Bedeutung hat – weil man damit gut Information Retrieval machen kann. Das ist eine Benutzergruppe, die Mozilla schon gar nicht mehr auf dem Schirm hat. Den ganzen Bildungsbereich.

Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass es in Zukunft für jeden Bibliothekskatalog und für jede Datenbank, die das bisher angeboten hatten, eine eigene WebExtension geben wird. Der Aufwand ist viel zu groß, sowohl für die Anbieter als auch für die Benutzer, die eben nicht mehr mit einem Klick in die Suchleiste nebenbei eine Suchmaschine ergänzen können, sondern extra ein Add-on installieren müssen mit – aus der Sicht eines wenig geübten Benutzers – fünf Warnmeldungen, die erst einmal gelesen und abgenickt werden müssten.

Wir sehen es bei der Druckansicht; die meisten Websites werden schon lange für Firefox gar nicht mehr getestet. Die Druckvorschau im Browser war ein Workaround, der mehr schlecht als recht funktioniert. Alles ist mittlerweile auf Webkit ausgerichtet. Es ist nicht ganz so schlimm wie bei Opera, aber es geht mit großen Schritten in diese Richtung. Mozilla platziert sich im Abseits.

Alle Macht dem Zertifikat

Die überaus nervösen Reaktionen auf den Zertifikats-GAU bei Firefox (binnen eines Tages 1000 Beiträge im Heise-Forum, 420 bei Hacker News) zeigen, wie anfällig ein Sicherheitskonzept ist, das auf Add-Ons beruht – und wie viel Kontrolle Mozilla über seine Produkte tatsächlich ausübt. Und wie abhängig die Freie Software von ihrem einzigen verbliebenen Browser-Projekt ist.

Die bei Heise empfohlene Lösung in about:config funktionierte nicht: Am Ende des Tages stellte sich heraus, dass man die Zertifikatsprüfung im normalen Firefox nicht händisch abschalten konnte, nur in der Nightly-Version (manchen Berichten zufolge auch in der ESR-Version) soll es funktioniert haben; und dass nicht der User, sondern der Hersteller das letzte Wort hat. Angeblich um zu verhindern, dass Erweiterungen von Installern ungefragt und unkontrollierbar in den Firefox-Profilordner geschrieben werden.

Wütend und enttäuscht reagierten vor allem Linux-Anwender, die sich am ganz langen Hebel wähnten. In de.comm.software.mozilla.browser war einiges zu lesen. Zumal die Erweiterungen nicht erst nach einem Neustart ausfielen, sondern im laufenden Betrieb ohne Vorwarnung direkt abgeschaltet wurden. Ein Fenster ging auf, und weg waren sie. Und der Hotfix wurde dann nicht als Update, sondern per „Studien“ verteilt, was nur funktionierte, nachdem man diese wieder eingeschaltet und die Übertragung von Telemetrie-Daten aktiviert hatte. Dieses Pflaster gabs aber nur für den regulären Firefox, nicht für ESR und auch nicht für die mobile Version.

Manch einer wird nach mehr als zehn Jahren mal wieder für Stunden ein Internet ohne Werbeblocker erlebt haben. Und mit den mühsam selbst gestopften Sicherheitslücken. Der Zwischenruf eines Users in der Mozilla-Browser-Newsgroup

Das ist mein Rechner und auf dem entscheide ausschließlich ich, was da läuft und sonst niemand!

wird noch länger nachhallen.

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