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Thunderbird löst sich von Mutter Mozilla III

In dem Zusammenhang sollte man auf einen weiteren Thread hinweisen, der sich gerade auf tb-planning ereignet hat. Es ging um die Frage, warum Thunderbird für den Mac so schlecht gepflegt werde. Einige Antworten hierzu aus der Diskussion:

  • Es gebe schon seit Jahren gar keinen bezahlten Thunderbird-Entwickler mehr für Apple;

  • der einzige Volunteer, der sich noch ein bißchen dafür interessierte, habe sich irgendwann mal auf eigene Kosten einen uralten Mac gekauft; das sei jetzt der einzige im Projekt, auf dem ab und an mal was ausprobiert werden könne;

  • Mac-Anwender trieben sich auch nicht auf den entsprechenden Bugtracker-Plattformen herum, so daß es weniger CCs zu den Issues gebe, woraus auf niedrige Priorität der entsprechenden Probleme geschlossen werde;

  • cross-compiling sei nicht mit cross-testen zu verwechseln...;

  • macOS sei sehr viel schwerer zu virtualisieren als Linux, ganz davon abgesehen, daß die Lizenz den Einsatz auf Nicht-Macs untersage;

  • es gebe ja sowieso so wenige Mac-Anwender, die die Software einsetzten, also sei es nicht angezeigt, zuviel Arbeit in die Plattform zu investieren – wenn da mal nicht Ursache und Wirkung verwechselt werden.

Fazit:

It's actually amazing that Thunderbird on Mac still works, considering we have nobody to fix it when it breaks.

Und wenn jetzt jemand sagt: Ja, so ist das bei Thunderbird – möge er einen Blick auf LibreOffice werfen:

Die meisten macOS bugs werden aktuell eher über mindestens drei oder mehr Branchen rumgeschleppt, bevor sie beseitigt werden.

Europas fatale Abhängigkeit von Microsoft

Investigate Europe ist ein journalistisches Netzwerk, das von der Hans Böckler Stiftung, Fritt Ord, der Rudolf-Augstein-Stiftung und der Open Society Initiative for Europe finanziert wird und, wie der Name schon sagt, investigativ arbeitet. Mitarbeiter ist unter anderem Harald Schumann, der 1996 zusammen mit Hans-Peter Martin Die Globalisierungsfalle veröffentlicht hatte.

Der jüngste Beitrag der Gruppe droht derzeit etwas unterzugehen, deshalb sei auf ihn hingewiesen. Investigate Europe hat sich mit der Abhängigkeit der europäischen öffentlichen Verwaltungen von Microsoft beschäftigt. Die deutsche Fassung des Beitrags ist beim Tagesspiegel erschienen. Das Thema ist besonders aktuell angesichts der WannaCry-Attacke an diesem Wochenende (via TNW via Martin Steiger).

  • Schumann, Harald und Elisa Simantke. 2017. Europas fatale Abhängigkeit von Microsoft. Tagesspiegel. 13. Mai. www.tagesspiegel.de (zugegriffen: 14. Mai 2017).

TeX Live 2016 eingefroren

Karl Berry hat vergangene Nacht auf der TeX-Live-Mailingliste offiziell bekanntgegeben, daß TeX Live 2016 eingefroren worden sei. Es wird demnach keine weiteren Updates mehr über die eigene Paketverwaltung der Distribution geben. Die Roadmap für die kommende Version kann man auf der Website der TeX Users Group nachlesen. Demnach sollen die Pretests bald beginnen. Der Release ist dann für Ende Mai/ Anfang Juni vorgesehen.

Thunderbird löst sich von Mutter Mozilla II

Im weiteren Verlauf der Diskussion geht es nicht mehr um technische, sondern um soziale Fragen des Neubaus von Thunderbird: Soll man wirklich ganz neu beginnen oder sich lieber einem anderen Projekt anschließen? Und welches wäre die richtige Lizenz – GPL, Mozilla, MIT oder BSD? Es besteht eine gewisse Chance, den Schwung der vergangenen Wochen aufs Spiel zu setzen, indem man die Unterschiede zu stark betont und sich auseinanderlebt. Sieht nicht gut aus soweit.

Fixing Thunderbird 52.0

Das gestrige Update auf Thunderbird 52.0 war eine erste bittere Pille mit entsprechenden Nebenwirkungen:

  • Aus dem Client heraus konnten danach keine Weblinks mehr geöffnet werden. Abhilfe verspricht das Löschen der Dateien places.sqlite, places.sqlite.corrupt, places.sqlite-shm und places.sqlite-wal im Benutzerprofil.

  • Außerdem funktioniert das Add-on MoreFunctionsForAddressbook nicht mehr. Das wollte man mal haben, um eine korrekte Unterstützung von vCard und eine bessere Sortierbarkeit des Adreßbuchs nachzurüsten. Nun hat es ausgedient und legt stattdessen die Adreßvervollständigung lahm – ein weiteres Feature, in das die Erweiterung eingreift. Man muß es daher deaktivieren.

Meine Prognose wäre, daß Thunderbird durch die Umbauarbeiten in der nächsten Zeit zu einer Dauerbaustelle werden wird. Ja, ich kann die Leute verstehen, die auf ihre Mail nur noch übers Webinterface des Providers zugreifen. Und nein, ich möchte meinen Workflow, nicht ändern…

TeX und Typographie

Zwei Neuigkeiten aus den letzten Tagen für TeX-Anwender und alle, die an Typographie interessiert sind:

  • Beim Project Gutenberg gibt es eine „Neuerscheinung“ zu vermelden: Edmund G. Gress. The Art & Practice of Typography. A Manual of American Printing etc.. Second Edition, Oswald Publishing Company 1917.
  • Dick Koch weist auf der OS-X-TeX-Mailingliste darauf hin, daß es wiederum ernste Probleme mit PDFKit unter Sierra gebe, die sich auf die Vorschau, TeXShop, Skim und wahrscheinlich noch weitere Programme auswirken. Vor allem die Benutzer des Präsentationspakets Beamer sollen betroffen sein. Er rät deshalb vom Update auf Sierra 10.12.4 nachdrücklich ab.

Thunderbird löst sich von Mutter Mozilla

Sehr lesenswert derzeit: Die Diskussion um die Ablösung von Thunderbird von Mozilla Firefox auf der moderierten Mailingliste tb-planning. Firefox wird ab dem Herbst Add-ons in XUL nicht mehr unterstützen, sondern ausschließlich auf Web Extensions setzen (davon abgesehen gibts noch einen neuen Skin, der größtenteils von Google Chrome abgekupfert ist).

Nachdem alles, was sowohl Firefox als auch Thunderbird als Tool für die tägliche Arbeit auch weiterhin wirklich interessant macht, in Erweiterungen outgesourct worden war, ist so eine Veränderung natürlich ein Riesenproblem, denn viele Entwickler haben schon angekündigt, daß der Neuschrieb ihres Add-ons für sie zu aufwendig würde. Zur Erinnerung: Thunderbird ist bis heute an vielen wichtigen Stellen so rudimentär und vorläufig geblieben, daß weder die Anordnung der Konten noch der Ordner in der Liste zuverlässig funktioniert, wenn man dazu nicht die Erweiterung Manually sort folders installiert – und selbst dann kann es Ungereimtheiten und Probleme geben. Auch mehrere E-Mail-Signaturen kann der Client nur mit der Erweiterung Signature Switch handhaben. Vom Adreßbuch, das erst mit MoreFunctionsForAdressBook wirklich brauchbar wird, ganz zu schweigen. (Allerdings steht natürlich auch eine vollwertige Unterstützung fürs Arbeiten in Esperanto zur Verfügung – aber das nur am Rande).

Die Mutter Mozilla hatte bereits 2012 bekanntgegeben, daß man sich aus der aktiven Entwicklung zurückziehe. Seitdem verschwand der Mail-Client von der Startseite von Mozilla, und es gab nur noch regelmäßige Bugfixes und einige kleinere Veränderungen der Oberfläche, aber keine neuen Features mehr. Drei Jahre später gabs den zweiten Tritt von Mozilla-Chefin Mitchell Baker, die sich für die Trennung des Thunderbird-Projekts von Firefox aussprach, weil es das Voranbringen des Webbrowsers zu sehr behindere, weiterhin Rücksicht auf den Mail-Client zu nehmen.

Außerdem benutzen immer weniger, die überhaupt noch E-Mail verwenden, einen Mail-Client und weichen auf die Web-Oberflächen der Mail-Provider aus. Der Thunderbird-Support weiß von verwunderten Benutzeranfragen zu berichten, warum Thunderbird kein eigenes Konto bereitstelle, das sei man von den anderen Providern, die man bisher im Webbrowser benutzt habe, so gewöhnt gewesen…

Seitdem hält ein tapferes Team von Thunderbird-Entwicklern, das mitunter an das bekannte kleine gallische Dorf erinnert, den Quellcode am Leben und sorgt dafür, daß bei dem geschwinden Voranschreiten des Feuerfuchses der Donnervogel auch weiterhin überhaupt noch kompiliert werden kann. Die Diskussion im Heise-Forum Anfang dieses Jahres zeigte: Wir befinden uns technisch, personell und wohl auch, was die sonstigen Ressourcen angeht, in jeder Hinsicht am Limit. Und so nimmt es nicht wunder, daß die Einführung in das MozillaZine-Forum zu Thunderbird überschrieben ist: Is Thunderbird dead and other FAQ.

Thunderbird möchte in der nächsten Zeit zweierlei angehen: Sein Image-Problem (so gut wie scheintot zu sein, trotz einer deutlich achtstelligen Zahl von aktiven Installationen weltweit) und die durch die Abkoppelung von Firefox ab Ende 2017 notwendig gewordene Trennung der Codebasis vom einstigen Mutterprojekt. Ben Bucksch schlägt vor, Thunderbird in JavaScript neu zu schreiben und dabei den alten Client so gut wie möglich nachzubauen. Dafür veranschlagt er insgesamt ungefähr drei Jahre. Wir sprechen uns also wieder im Jahr 2020.

In der darauffolgenden Diskussion, die noch andauert, wurde schnell klar, daß es damit nicht getan sein wird. Auch das Portal für Add-ons, das sich Thunderbird bisher mit Firefox geteilt hatte, wäre zu klonen, zu sichten, kräftig auszumisten und anzupassen, denn dort sammeln sich inzwischen die Karteileichen, die nur noch mit längst veralteten Versionen funktioniert hatten, aber heute schon nicht mehr aktuell sind. Man wird also auch einen eigenen Review- und QS-Prozeß brauchen.

Daneben ist wohl eine Werbe- und PR-Kampagne angedacht, um das etwas angestaubte Image des E-Mail-Clients wieder aufleben zu lassen – der letzten Post im Thunderbird-Blog datiert vom Dezember 2015.

Nachdem ich jahrelang auf dem Mac ausschließlich mit Apple-Produkten gesurft und gemailt hatte, war ich in den beiden letzten Jahren sukzessive zu Tor-Browser, Firefox ESR und Thunderbird zurückgekehrt und finde dort eine Umgebung vor, die im wesentlichen immer noch derjenigen entspricht, die ich Mitte der 1990er Jahre auf meinem ersten richtigen Computer, einer AIX-Workstation an der Uni, im Netscape 3 kennengelernt hatte. Diese Tools sind für mich so unverzichtbar wie Emacs, LaTeX – und mit etwas Abstand auch LibreOffice. Insoweit wünsche ich natürlich auch den Mozilla-Produkten und ihren Nachfolgern ein langes Leben…

RSS-Spam

Der Relaunch der Website bei der Frankfurter Rundschau hat nicht nur dazu geführt, daß die alten URLs samt der RSS-Feeds nicht mehr gingen, dabei wurde auch eine neuen Form von Spam eingeführt: Die Feeds enthalten jetzt Links zu Werbung, die als eigener Beitrag im Feed transportiert wird. Sie wird alle 20 Minuten aktualisiert, taucht also ständig im Feedreader auf und spült sich in der Artikelliste immer wieder nach oben. Da hilft nur noch, die Feeds zu löschen. Ausweichbewegungen im immer mehr kommerzialisierten Netz. Bye, bye, FR.

Ein Apfelbäumchen

Ist RSS am Sterben? Falls ja, beginnt es bei der deutschen Tochter von Transparency International. Nachdem ich gestern morgen den inaktiven Feed gerügt hatte, wurde dort am gleichen Tag – nicht der Feed repariert, sondern eine neue Nachricht eingestellt, nur im Feedreader zu lesen…, die da lautet: Liebe Abonnentinnen und Abonnenten des Transparency Deutschland RSS-Feed, leider haben wir im vergangenen Jahr die Pflege des RSS-Feeds vernachlässigt. Wir stehen nun vor der Entscheidung, ob wir die Aktualisierung in Angriff nehmen oder den Feed gänzlich schließen sollen. Für diese Entscheidung benötigen wir Ihr Feedback. Schicken Sie uns hierfür bitte eine E-Mail an … – So laßt und denn ein Apfelbäumchen pflanzen!

MediathekView wird nicht weitergeführt (Update)

Entwickler Xaver W. hat vorgestern im Forum auf Sourceforge angekündigt, sein Programm MediathekView zum Jahresende einzustellen. MediathekView besteht aus einem Crawler, der die Mediatheken aller deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender durchforstet und deren Inhalte in eine Liste schreibt, sowie aus einem Frontend, über das man auf diese Liste dann zugreifen kann, um sie zu durchsuchen und ggf. Beiträge herunterzuladen oder in einem separaten Player live zu betrachten.

Ich habe MediathekView vor allem wegen der Volltextsuche genutzt. Aus unerfindlichen Gründen sind die Rundfunkanstalten nach wie vor nicht in der Lage, eine brauchbare Suche anzubieten (gleichzeitig wundern sie sich über die geringe Nutzung der Plattformen). Einzige Einschränkung: MediathekView lief in der neusten Version leider nicht unter El Capitan, trotz Installation des neuesten Java. :( Man kann aber die vorletzte Version weiter benutzen.

Der Grund für die Einstellung sei die hohe Arbeitsbelastung bei der Betreuung des Crawlers. Als nächstes müßte das Programm an die neue Mediathek des ZDF angepaßt werden. Außerdem seien immer mehr unerfreuliche Rückmeldungen hereingekommen. In einem zweiten Thread wird über Möglichkeiten für die Fortsetzung des Projekts diskutiert.

Update, 27. November 2016: Das Programm wird nun doch weitergeführt, heißt es im Forum. Es habe sich ein sehr engagiertes Team zusammengefunden, das das Programm und die Infrastruktur dahinter als Community-Projekt und in Teamarbeit weiterführen werde. Davon unabhängig, aber aus dem Umfeld während der Krise von MediathekView entstanden, ist mediathekdirekt.de, ein reines Web-Interface, von dem aus man Beiträge aus den Mediatheken durchsuchen und als mp4-Dateien herunterladen kann.

Die Onleihe geht auf dem Mac nicht mehr

Man glaubte es ja nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hätte: Die Onleihe kriegt es seit mehr als zwei Jahren nicht auf die Reihe, EPUBs weiterhin für Mac-Anwender bereitzustellen. Fiel mir auf, nachdem ich meinen Rechner letzte Woche – im übrigen problemlos – von Mavericks auf El Capitan umgestellt hatte.

Ja, wirklich: Man kann derzeit auf dem Mac mit aktuellem OS X El Capitan und auch mit dem Vorgänger Yosemite keine EPUBs aus der Onleihe kontrolliert öffnen. Das Problem ist seit längerem schon bekannt, es gibt dazu eine FAQ, zuletzt geändert am 14. Januar 2016.. Dort wird behauptet, das Problem liege nicht bei der Onleihe, sondern bei Apple oder Adobe. Der Benutzer möge sich deshalb an diese Firmen wenden.

Man empfiehlt als Workaround ein Downgrade auf Digital Editions 1.7 – das ändert hier aber nichts, zumal die Schrift in den Menüs in dieser Uralt-Version auch kaum noch zu lesen ist. Was bleibt, ist nur die „Lösung“, Digital Editions 4 beim Laden des EPUBs durch „Sofort beenden“ abzuschießen und die Datei danach händisch aus dem ADE-Ordner zu öffnen.

Die Onleihe bedient sich proprietärer Technik, die funktioniert dann jahrelang nicht, und zwar nicht mit irgendwelcher Vintage-Software, sondern mit aktuellen Systemen. Es wird ein Downgrade auf eine Uralt-Version von ADE empfohlen, die schon längst nicht mehr gepflegt wird, der Downloadlink führt zu einer obskuren Drittplattform, nicht zum Hersteller Adobe, und dann wird zur Abhilfe dem Benutzer nahegelegt, bei diesen Firmen vorstellig zu werden.

Um es einmal sehr deutlich zu sagen: Meine Bibliotheken zahlen beträchtliche Beträge an die Divibib, die es über einen so langen Zeitraum hinweg nicht geschafft hat, ihre Ausleihe ordentlich auf dem Mac zum Laufen zu bringen, und ich würde schon erwarten, daß die Onleihe unter diesen Umständen bitte bei Adobe und Apple vorstellig wird, denn sie nutzt Adobes Software, zwingt mir deren DRM auf und zahlt für die Lizenzierung. Stattdessen zuckt man mit den Schultern und tut so, als wasche man seine Hände in Unschuld.

Wenn man ausweislich der FAQ zwei Betriebssystem-Versionen nacheinander – Yosemite kam im Oktober 2014 auf den Markt, El Capitan ein Jahr später – keine Lösung bereitstellt, sich aber nun schon zwei Jahre lang weiter für den Dienst bezahlen läßt, ist das schon bemerkenswert. Verwunderlich auch, daß unsere Bibliotheken das mitmachen.

USB-Probleme bei El Capitan

Heise online hat über Probleme berichtet, die aus der Änderung des USB-Stacks bei Mac OS X entstanden sind. Ältere Hardware wird möglicherweise nach einem Upgrade auf OS X 10.11 nicht mehr unterstützt. Betroffen sein können alle USB-Geräte, auch einfache USB-Sticks.

Schön, daß das in dem Bericht ausdrücklich angesprochen wird, denn ein ähnliches Problem war mir auch schon beim Umstieg von System 10.6.8 auf 10.9.5 unterlaufen: Einige meiner USB-Sticks funktionierten danach nicht mehr. Ich konnte die Sticks nur noch lesen, so kam es zumindest zu keinem Datenverlust. Zum Speichern waren sie aber nicht mehr zu gebrauchen.

Das Fazit des Berichts ist zutreffend:

Letztlich muss sich aber auch der Mac-User die Frage stellen, was er erwarten darf. Sicher, neue Versionen von OS X mit spannenden neuen Features bekommt er seit einigen Jahren kostenfrei – das macht sie aber noch lange nicht zu Pflicht-Updates. Es besteht eben jederzeit die Gefahr, dass Apple tiefgreifende Veränderungen am Betriebssystem vornimmt, die bestimmte Funktionen deaktivieren oder anders interpretieren und damit Hard- oder Software unbrauchbar machen.

Das kann man wohl nicht deutlich genug sagen. Meine Beiträge über die Probleme beim Einsatz meines LaserJet-Druckers unter System 10.6 gehören übrigens auch heute noch zu den am häufigsten abgerufenen Beiträgen in der schneeschmelze.

Mozilla II

Das Interesse an Thunderbird schwindet immer mehr. Vom 15. April datiert eine Meldung auf MacGadget (sic) über die Veröffentlichung von Thunderbird 45. Gestern traf dann die Mail von Bürgert-CERT ein, und heute bringt der Schockwellenreiter einen Hinweis. Die üblichen Technik-Portale, die ansonsten jeden Pieps von Microsoft oder Apple transportieren, schweigen sich aus.

Berliner Zeitung und SPD ohne RSS-Feeds

Nachdem ich gestern darüber geschrieben hatte, wie Juris gerade erst einige seiner RSS-Feeds kaltgestellt hat, lese ich bei Jörg Kantel, daß die Berliner Zeitung beim Relaunch ihrer Website stillschweigend die RSS-Feeds gleich ganz abgeschafft hat. Wozu auch?

Die Berliner Zeitung folgt damit der SPD-Bundespartei, deren Website sich schon vor Weihnachten in die Bedeutungslosigkeit katapultiert hatte, indem sie ebenso verfuhr. Kein Feed mehr auffindbar. Meine Anfrage als Blogger wurde nicht beantwortet – im Gegensatz zur Kreis-SPD. Die haben zwar auch keinen wahrnehmbaren Feed mehr, sie teilen ihn aber auf Anfrage mit, und zwar innerhalb von vier Stunden am Vormittag. Soviel zum Unterschied zwischen der Kreisstadt Dietzenbach und der Berliner Provinz. Wie ich darauf komme? Übermorgen ist Kommunalwahl in Hessen.

For the record: Ich surfe nicht einfach so im Netz herum, sondern lese Neues weiterhin über wenige ausgewählte Kanäle in meinem Feedreader, weshalb ich Jörg zustimme: No Feed, No Read! Es ist ja nicht so, daß man darauf angewiesen wäre. Wir haben Möglichkeiten.

Übernächste Woche ist übrigens Landtagswahl in Baden-Württemberg. Bei einer Umfrage unter den Unter-18-Jährigen kam die Linke dort auf 35 Prozent.

Ein bißchen Jazz

Auf Max Scharniggs Reflexion Über das Ende der Plattensammlung hatte ich schon hingewiesen. Klagefall hat den Beitrag gerade noch einmal aus seiner Sicht aufgegriffen. Er bleibt bei der Audio-CD, befürchtet aber, daß sie eines Tages verschwinden könnte, weil sie einfach keine CD-Player mehr herstellen, wie ja auch die Kurzwelle, die Langwelle und die Mittelwelle in den letzten Jahren einfach eingestellt worden sind – übrigens ohne daß sie von DAB+ ersetzt worden wären, jedenfalls nicht in der Breite. Und jetzt diskutieren sie über die Abschaffung von Bargeld. Obwohl ein Staat, der den Bürgern sein Geld nimmt, sich selbst in einem sehr wesentlichen Sinne entbehrlich machen würde. Die Ausweichbewegungen sind absehbar. Und die vorgeschobenen Begründungen sind fadenscheinig und genauso abwegig wie anderswo auch, wo der Leviathan als Überwacher auftritt. Es trifft niemals die Straftäter, sondern unterwirft alle Bürger einem Generalverdacht, Straftäter zu sein, nur weil man von einer verfassungsmäßig verbürgten Freiheit Gebrauch macht.

Aber zurück zur Musik. Wie war das eigentlich damals bei mir? Eigene Schallplatten hatte ich nur wenige. Meine Eltern hatte einige, ich habe sie bei der vorletzten Wohnungsräumung entsorgt, samt der Stereoanlage von Dual aus den 1970er Jahren. Meine Musik kam immer aus dem Radio, seit Anfang der 1980er Jahre auch in Stereo, natürlich hörten wir damals SWF3, und die Musik wurde auf Kassette aufgenommen. Dann kam der Walkman, natürlich ein Sony DD II. Man hörte immer und überall. Und nach dem Abitur kaufte ich mir einen schönen CD-Spieler von Sony, aber nicht mit einer umfangreichen Anlage, sondern mit einem elektrostatischen Kopfhörer von Stax, einem Lamda Pro. Mit dieser Kette hörte ich solange, bis der Player kaputtging. Dann kam das Internet, dann kam die Internet-Flatrate zusammen mit DSL. Und dann kamen Apple, iTunes und iPod, und die Musik kam nicht nur von den CDs, sondern auch aus dem Internet. Podcasts sorgten für zeitversetztes Hören von Sendungen aus Kultur- und Nachrichtenkanälen. Das erste, was ich mit meinem weißen MacBook tat, war Radio übers Netz hören – hätte ich vorher nicht gedacht. Und man konnte auch wieder Radio aufnehmen, alles digital diesmal. So kam das Mixtape wieder zu Ehren, diesmal als Playlist im iPod, aber gleichzeitig wandte ich mich von den Produkten der Audio-Industrie immer mehr der Musik unter freier Lizenz zu. Die Webmusikportale nutze ich heute regelmäßig, und ich habe eine kleine Sammlung an CC-lizenzierter Musik, die auch den jüngsten Umzug von einem Rechner auf den nächsten mitgemacht hat. Sie ist gleichwertig neben die kommerziellen Angebote getreten.

Aber meine CD-Sammlung – Schwerpunkte: Klassik, ein bißchen Jazz von Miles Davis, Nina Simone, Ella Fitzgerald, Keith Jarrett, Paolo Conte und Michel Petrucciani, Popmusik der 1970er und 1980er Jahre – habe ich behalten. Auch mein neuer Laptop hat wieder ein optisches Laufwerk. Ich habe die CDs nicht in mp3 konvertiert oder sonst auf eine Festplatte gepackt, sondern sie stehen immer noch im Schrank. Und als Face Value einmal herunterfiel und dabei kaputtging, ersetzte ich sie natürlich sofort. Neukäufe hat es seitdem zwar nur noch selten gegeben, vor allem ältere Jazz-Aufnahmen, aber auch meine High-End-Zeit ist endgültig vorbei. Zuletzt kaufte ich etwas Schubert, hervorragend erhaltene CDs vom Flohmarkt. Wenn sich etwas verändert hat, dann wäre es, daß Musik heute nicht mehr knapp ist. 30 DM für eine Klassik-CD zu verlangen, wäre heutzutage sehr begründungsbedürftig. Aber Streaming ist kein Ersatz für die CD, denn die spiele ich nur hier in diesem Zimmer, und nur ich weiß, was gerade in meinem Player läuft; das ist so ähnlich wie beim Bargeld, das wird auch nicht verschwinden. Nur den iPod könnte es demnächst erwischen, er verschwand schon vor einem Jahr aus der Navigationsleiste der Apple-Website. Ich mag keine Kombigeräte, egal wie. Vielleicht sollte ich mir noch einen iPod kaufen, solange es ihn noch gibt.

Der rasende Reporter 2016

Deutschlandfunk-Wissenschafts-Redakteur Maximilian Schönherr berichtet über den derzeitigen Stand der mobilen Produktionstechnik beim Hörfunk. Von der Smartphone-App ins Studio. Er schließt: dieser blogeintrag wird sich in zwei jahren voll retromäßig lesen. die entwicklung ist rasend schnell. Siehe auch den Beitrag zum Podcasting gestern bei den Netzpiloten.

MetaGer obsiegt im Eilverfahren

Die gemeinnützige Metasuchmaschine MetaGer hat, wie der Betreiber SUMA e.V. mitteilt, beim Landgericht Hannover einen „Ettappensieg“ erzielt.

Der Verein war Ende 2015 von einer Rechtsanwältin in Anspruch genommen worden. Die Klägerin hatte im Eilverfahren verlangt, alle URLs aus MetaGer zu löschen, die ihrem Namen ähnlich sind. Sie stützte sich dabei auf das sogenannte „Recht auf Vergessenwerden“, das der Europäische Gerichtshof am 13. Mai 2014 in der Rechtssache C–131/12 – Google Spain SL, Google Inc. ./. Agencia Española de Protección de Datos verkündet hatte.

Das Landgericht Hannover lehnte den Erlaß einer einstweiligen Verfügung mangels Eilbedürftigkeit ab. Das Gericht hat sich in der Entscheidung aber nicht zum Verfügungsanspruch geäußert. Das Klageverfahren in der Hauptsache dürfte nach alledem noch anhängig sein.

Unklar bleibt, wie das Recht auf Vergessenwerden mit dem Anliegen der Klägerin in Verbindung zu bringen wäre.

Wenn die Antragstellerin bzw. Klägerin die Löschung von Seiten aus dem Suchindex begehrt, die ihrem Namen nur ähnlich sind, so unterscheidet sich ihr Begehren von dem Verfahren, das dem Urteil des EuGH aus dem Jahre 2014 zugrunde lag. Der Europäische Gerichtshof hatte über Suchtreffer entschieden, die von dem damaligen Kläger handelten. Das Recht auf Vergessenwerden umfaßt nicht eine bloße Namensähnlichkeit.

Weiterhin fehlt es an der Bestimmtheit der Begehr, denn es wird die Löschung einer Vielzahl von Suchtreffern verlangt, ohne diese konkret zu benennen oder einzugrenzen. Soweit der SUMA e.V. über das Verfahren berichtet hat, ist nicht ersichtlich, was einen „ähnlichen“ Suchtreffer auszeichnen sollte.

Dabei ist auch zu bedenken, daß es gerade ein Merkmal moderner Suchmaschinen ist, „ähnlich“ lautende Suchbegriffe einschließlich Tippfehlern tatsächlich vorliegenden Treffern gegenüberzustellen. Solche Vorschläge sind auch Grundlage für die Suchfunktion moderner Bibliothekskataloge (Discovery-Systeme). Auch Wikipedia erprobt derzeit solche Features als Beta-Funktion; eine Erweiterung der Suche ist gerade angekündigt worden. Je größer der Suchraum und je „intelligenter“ der Suchalgorithmus, desto komfortabler und desto leistungsfähiger ist die Suchfunktion. Das Ansinnen der Klägerin würde daher den Einsatz innovativer Suchtechnik unmöglich machen, ohne daß auch nur im Ansatz ersichtlich wäre, wie und wodurch dabei ihre Rechte insoweit berührt sein sollten.

Mozilla II

Man kann ja doch noch was bewegen als Blogger: Die Süddeutsche Zeitung hat meinen Beitrag über Mozilla als Steilvorlage zu einem längeren Text offenbar als Anstoß aufgefaßt ;), und anmut und demut hat diesen Text wiederum kommentiert. Ernsthaft: Lesenswert sind vor allem die Kommentare. Tenor: Wir sind mit Mozilla alt geworden, sind der Marke treu geblieben, und nun fühlen wir uns gemeinsam mit der Firma angesichts der Entwicklung ziemlich alt. Was kann man denn da machen? (via wirres.net).

Nachdenken über Literaturverwaltungen

Zwei aktuelle Diskussionen zum Thema Literaturverwaltung:

(1) In der c't 1/2016, S. 158–161 empfahlen Peter Schüler und Herbert Braun BibTeX als Datenbankformat für Microsoft-Word-Nutzer. (sic!) Neben dem Import von Daten aus verschiedenen Online-Datenbanken (vgl. meinen Beitrag in der DTK 4/2006) sowie JabRef als BibTeX-Editor wurde das Makro BibTeX4Word empfohlen, um die Daten in der Textverarbeitung zu benutzen. Die engagierten Kommentare auf der Projektseite sprechen für sich: Es hat sich etwas getan in Sachen Literaturverwaltung. Der Platzhirsch Citavi hat mit Campuslizenzen den Markt erobern können, weil die Plattformunabhängigkeit von Anwendungen an deutschen Hochschulen keine Rolle spielt. So gab man vor ein paar Jahren sang- und klanglos die Pläne auf, eine Version für den Mac bereitzustellen. Die nahtlose Integration in Winword war wichtiger. Wer außer seiner Textverarbeitung keine andere Software zum Schreiben kennengelernt hat und Citavi geschenkt bekommt, ist in der Regel für andere Lösungen nicht mehr zu begeistern.

(2) Das zeigt auch der Erfahrungsaustausch zwischen zwei den Bibliothekaren auf infobib.de: Zotero ist bei den meisten Benutzern außen vor. Auch der Einwand von Klaus Graf, nur Cloudlösungen, die gemeinsam genutzt werden können, seien „zukunftsfähig“, geht fehl, denn nirgends ist man als Autor bekanntlich einsamer als im Studium. Es gibt nur eine Steigerung dazu: Die Promotion, in ihrer juristischen Spielart. Nicht erwähnt wird dort BibSonomy, das ebenfalls vorzüglich mit LaTeX umgehen kann. Ich verwende den Dienst seit vielen Jahren und möchte ihn nicht mehr missen. Aber auch hier punktet die Cloud in der Regel nicht, sie wirft für die meisten Benutzer mehr Fragen auf als daß sie die Neugier weckt. Für Citavi spricht vor allem die Usability. Und wem die bei Word schon nicht gefallen hat, der wird sie bei Citavi nicht vermissen und lieber eine vernünftige Lösung auf der Grundlage von BibTeX und LaTeX wählen.

Natürlich habe ich auch Erfahrungen zu dem Thema beizusteuern: In einem LaTeX-Kurs, den ich im Dezember hielt, waren insbesondere die Mathematikstudenten an Literaturverwaltungen überhaupt nicht interessiert. „Die fünf Quellen zu meiner Arbeit kann ich auch noch händisch aufzählen.“ Literatur in einer Literaturverwaltung sammeln, Notizen hinzufügen, ein vollständig digitaler Workflow? Nein, eher nicht. Bei Psychologen und Sozialwissenschaftlern und den Juristenkollegen sah es anders aus. Sie freuten sich über Biblatex und Biber.

Mozilla

Das freie Web schwindet in dreifacher Hinsicht: Zum einen, indem sich die Benutzer geschlossenen Plattformen zuwenden. Weiterhin, indem die Inhalte der Anbieter zunehmend in Datensilos landen; und schließlich, indem universell zu nutzende Programme durch Apps ersetzt werden. Letztere greifen nicht mehr auf frei verfügbare Ressourcen zurück, sondern auf einen walled garden, der nur für die jeweilige App geschaffen wurde. Jörg Kantel hat Ende des vergangenen Jahres darüber geschrieben.

Es gibt aber auch ein Sterben der freien Software zu beklagen. Das Paradebeispiel dafür ist Mozilla. Die amerikanische Stiftung hatte bisher im wesentlichen zwei Produkte am Markt, die plattformübergreifend eingesetzt werden konnten: Den Webbrowser Firefox und den Mail-Client Thunderbird. Letzterer ist von der Hauptseite des Unternehmens mittlerweile verschwunden. Dort findet man nur noch den Browser. Die Startseite von Thunderbird ist von dort auch schon längere Zeit nicht mehr verlinkt.

Wenn man sich auch bereits 2012 aus der aktiven Weiterentwicklung von Thunderbird zurückgezogen hatte, so gab es doch immer weiter Bugfix-Releases und Anpassungen an neue Betriebssystem-Versionen. Im November 2015 verkündete dann die Mozilla-Chefin Mitchell Baker in einer Mail auf der Governance-Liste des Projekts, die bezeichnenderweise bei Google archiviert wird, es sei überhaupt besser, Thunderbird gäbe es nicht. Jedenfalls nicht bei Mozilla. Der Webbrowser und der Mail-Client behinderten sich gegenseitig bei der Entwicklung. Die einen müßten auf die anderen immer Rücksicht nehmen. So könne das nicht weitergehen. Es wäre besser, man ginge getrennte Wege.

Die Reaktion der etwas kritischeren Szene im Netz war entsprechend verstört. Man brauche doch Thunderbird zum allseitigen Verschlüsseln von Mails. Man kann sagen, die Kombo aus Thunderbird, Enigmail und GnuPG ist die einzige Toolchain, die auf allen Rechnern von den meisten Menschen bedient werden kann – wenn man davon ausgeht, daß die PGP-Verschlüsselung ein allgemein durchzusetzendes und anzustrebendes Ziel sei. Die Zukunft all dessen ist aber offen. Bei einem Test Ende 2014 funktionierte die Verschlüsselung mit diesen Programmen in unserem Test (jeweils dieselben Versionen) nur zwischen zwei Macs (einer unter Mavericks, der andere unter Yosemite), nicht jedoch zwischen Mac und Windows. Da uns der Leidensdruck fehlte, gingen wir dem nicht weiter nach, sondern ließen es gut sein.

Auf der Mozilla-Governance-Liste berichteten jedenfalls Berater und Entwickler vom Rückzug ihrer Kunden angesichts der Unsicherheit, in der sich das Projekt bewegt. Am Rande dieser Diskussionen kam nebenbei zur Sprache, daß die Integration des Dienstes Pocket in Firefox wohl auch einen finanziellen Hintergrund gehabt haben dürfte, was Mozilla stets bestritten hatte.

Entscheidend wird aber sein, daß auch Firefox immer weniger Bedeutung im Web hat. Der Marktanteil ist insgesamt auf etwa 20 Prozent gesunken, nur auf deutschsprachigen Websites liegt er wohl etwas darüber. Viele Benutzer sind zu Google Chrome abgewandert. Es ist ihnen egal, an welches Zuhause der Browser ihre Daten telefoniert. Und eine mobile Nutzung ohne Nachhausetelefonieren gibt es sowieso nicht. Je mehr Traffic vom Desktop auf Smartphone und Tablet wandert, desto weniger relevant ist der Begriff der Privatsphäre beim Surfen überhaupt. Hauptsache, die Website, die man nutzen möchte, kann dargestellt werden. So wurden Google Chrome und Safari immer wichtiger. Mozilla reagiert, indem Firefox nun auch Webkit-Präfixe in CSS verstehen soll. Mittlerweile werden viele Websites für Firefox gar nicht mehr getestet. Man merkt es spätestens, wenn man eine Seite ausdrucken will, und sei es nur zur Archivierung eines Texts. Gerade die Zeitungs-Websites sparen sich ganz offenbar die Kompatibilität mit dem Mozilla-Browser. Jüngstes Beispiel heute abend: profil.at.

Das gilt zumindest auf dem Mac, wo die Erfahrungen mit Firefox ohnehin eher ernüchternd verlaufen sind. Der Browser hängt praktisch bei jedem Beenden, so daß der „Absturzmelder“ aufgeht. Kehrt der Rechner aus dem Ruhezustand zurück, ist Firefox erst einmal eingefroren und braucht als einziges Programm fast zwei Minuten, bis es überhaupt Eingaben entgegennimmt. Es ist auch nicht möglich, die Symbolleiste anzupassen. Spätestens beim nächsten Neustart der Anwendung sind alle Icons, die vom Standard abweichen, wieder woanders platziert oder sie sind ganz verschwunden und es verbleibt nur noch die Adreßzeile. Mit der ESR-Version für den Firmeneinsatz ist es nicht ganz so schlimm, deshalb bevorzuge ich diese seit einiger Zeit. Aber man kann festhalten, daß Firefox auf dem Mac offenbar nicht sorgfältig getestet wird. Hinzu kommt die merkwürdige Oberfläche, die sich nicht in den Desktop einfügt. Unter OS X gibt es zu jedem Fenster ein Drop-Down-Menü am oberen Bildschirmrand. Es ist daher nicht sinnvoll, eine Bedienung über das Menüfeld am rechten Rand der Symbolleiste zusätzlich vorzusehen, das man zudem erst aufklappen muß – und das man natürlich aus den eben erwähnten Gründen dort auch nicht entfernen kann.

Firefox als Browser, der vor Tracking schützt? Das war der jüngste Werbespruch. Auch hier: Fehlanzeige. Schützt vor Tracking, aber nicht so sehr. Denn von irgendwas muß ja Mozilla ja denn doch weiterhin leben, also arrangiert man sich mit der Werbewirtschaft, und die IT-Medien transportieren brav die Pressemitteilung und tragen zur Desinformation bei.

Der stabilste Firefox ist derzeit auf dem Mac der TorBrowser, also ausgerechnet ein Produkt, das in der kleinsten denkbaren Nische spielt. Ein echtes Außenseiter-Tool, so sehr man es bedauern mag.

So nutze ich Thunderbird vorerst weiter als lokales und plattformübergreifendes E-Mail-Archiv – aber wohl nicht mehr für die Langzeitarchivierung… Auch wenn ich nach jedem Update den kruden Kalender Lightning stets aufs neue abschalten muß. Das Add-on wird immer wieder aktiviert. Ein Add-on, das sage und schreibe den Speicherbedarf des Programms verfünffacht, was doch ziemlich grotesk ist. Auch hier offenbar keine ausreichenden Tests, wahrscheinlich Gleichgültigkeit der Entwickler, die sich möglicherweise gar nicht mehr vorstellen können, wie sorgsam der Mac mit dem Arbeitsspeicher gewöhnlich umgeht. Erst dadurch fällt das ja auf.

Und ich schaue Mozilla weiterhin beim schrittweisen Verschwinden in die Bedeutungslosigkeit zu.

Lohnt sich der Umstieg auf Linux, wenn es keine plattformübergreifenden Lösungen für Mail und Web mehr gibt, die nicht in der Konsole spielen – abseits von Google? Zweifel sind angebracht.

25 Jahre ohne CMS

Derzeit würden 25 Prozent aller Websites unter WordPress betrieben liest man. Es folgten Joomla mit 2,8 Prozent Marktanteil, Drupal mit 2,1, Magento und Blogger mit je 1,2 Prozent. Alle weiteren blieben unter einem Prozent. Und: 57,4 Prozent laufen – der Statistik zufolge – ganz ohne ein CMS, also mit statischen Seiten (via VB via Fefe).

Die erste Website überhaupt – info.cern.ch – wird am 13. November 2015 25 Jahre alt, so alt wir das ganze World-Wide-Web-Projekt insgesamt (via MacTechNews, dort auch Screenshots der WWW-Browser von 1991 und 1993 unter NeXtSTEP).

On the track II

Lena Sundström hat Edward Snowden interviewt (via cryptome.org), fünf Stunden lang. Und Lotta Härdelin hat ihn photographiert. Ein Leben auf Abruf. Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont, könnte man sagen.

Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hat es abgelehnt (Entscheidung, via Goldstein Report), die Einstellung Do not track im Webbrowser als ein Verbot jeglichen Benutzer-Trackings auszulegen. Der Artikel in der Washington Post weist darauf hin, daß das Feature ohnehin technisch überholt sei, weil dazu längst schon keine Cookies mehr, sondern der Browser-Fingerprint verwendet werde.

Firefox 42 schützt vor Tracking?

Heise Online vermeldet heute, der neue Firefox 42 schütze vor Tracking. So hätten sich das jedenfalls die Entwickler gedacht, heißt es. Also habe ich mal den Test bei anonym-surfen.de gemacht. Hier das Ergebnis (in den wesentlichen Teilen):

Firefox 42 schützt vor Tracking?

Beim Tor-Browser sind die roten Felder grün bzw. orange, je nach Konfiguration (um den Referrer hatte ich mich auch hier bereits händisch gekümmert, normalerweise ist das Feld ebenfalls rot).

Es bleibt abzuwarten, wie es mit Firefox (nur mit „privatem“ Fenster) weitergehen wird.

Bei Panopticlick schneidet Firefox übrigens noch relativ gut ab. Es gibt zwei Browser, die einen eindeutigen Fingerprint hinterlassen: Safari und Google Chrome. Honni soit qui mal y pense.