albatros | texte
Samstag, 28. September 2013

Das Spiel ist aus

Es ist kühl geworden, und der Herbst setzt gelbe, braune und rote Tupfen in die Bäume. Wenige Spinnennetze. Und überall liegen Eicheln umher. Ab und an ein Pilz im Gras, und das erste welke Laub ist zu Boden gefallen.

Der kleine Elfmeterschütze läuft an, schießt und trifft ins Tor. Er hebt die Arme in die Höhe, als hätte er die ganze Welt besiegt. Der unterlegene Tormann wirkt wütend. Er läuft aus dem Tor heraus und zieht sich die Handschuhe aus, er wirft sie weg. Die kleinen Fußballer wechseln die Rollen, jetzt steht der andere im Tor, der Trainer legt erneut den Ball zurecht. Anlauf, Kick und – Tor. Applaus. Dann räumen die Zuschauereltern alles zusammen, man geht.

Das Spiel ist aus. Nur wir bleiben auf der Bank sitzen und schauen ihnen nach. Wind kommt auf.

Freitag, 27. September 2013

Kersch, Karsch, Korsch und Kirsch XI

Kersch freute sich über den Herbst, obwohl er dieses Jahr etwas zu früh begann, wie er meinte. Kühle Luft, in der Sonne war es aber weiterhin warm. Auf dem Rückweg hatte er mehrere schwarze Käfer, die mit zappelnden Beinen auf dem Rücken umherlagen, umgedreht – und dabei natürlich an Kafka gedacht. Die Käfer schienen dankbar zu sein für seine Hilfe. Sie krabbelten sofort weiter in Richtung Wegrand, um nicht länger auf dem Waldweg zu bleiben, wo schon viele von ihnen von Radfahrern und Spaziergängern überfahren und plattgetreten worden waren.

Samstag, 7. September 2013

Jetzt

Seit etwa drei Wochen wußte sie, daß sie eine andere Bibliothek brauchte, keine völlig andere als bisher, aber eine, die besser zu ihrem derzeitigen und ihrem künftigen Leben passen würde. Sorgsam sah sie jedes Bücherbord durch, prüfte die Bände auf ihre weitere Brauchbarkeit, las in das eine hinein, durchblätterte andere und sortierte aus, was sie nicht mehr benötigen würde auf ihrem Weg, den sie für sich gewählt hatte. Das Weglegen, Weggeben, Wegwerfen erleichterte sie. Sie fühlte sich leichter mit jedem Buch, mit jedem Leitzordner, dessen sie sich entledigte. Es erinnerte sie an einen Ballon, dessen Besatzung Sandsäcke abwarf, um leichter steigen zu können, und das gefiel ihr. Es fühlte sich gut an, leichter zu werden und sich darauf vorzubereiten, möglichst weit davonzufahren. Neue Ziele anzupeilen, die Segel zu setzen und neue Welten zu erfahren, die noch vor kurzem in unerreichbarer Weite schienen. Jetzt waren sie immer noch genausoweit weg wie je, aber sie schienen leichter erreichbar zu sein als bisher. Wer wollte sie noch festhalten, jetzt?

Dienstag, 27. August 2013

Kersch, Karsch, Korsch und Kirsch X

Bisweilen erinnerte sich Kersch an seine Zeit mit Karsch, von dem er schon länger nichts mehr gehört hatte. Aber manchmal dachte er auch an Kirsch zurück. Kirsch hatte sich anderweitig entschieden, man traf sich schließlich immer seltener, am Ende gar nicht mehr. Jeder ging seines Wegs. Zu Anfang war Kersch darüber auch ein bißchen traurig, aber es hatte schon seine Richtigkeit damit. Kirsch brauchte die ständige Veränderung zum Leben, die Kersch in diesem Umfang, in dieser Weise nicht ertrug. So zog Kirsch davon, und Kersch blieb zurück.

Samstag, 29. Juni 2013
Dienstag, 4. Juni 2013
Mittwoch, 24. April 2013
Dienstag, 23. April 2013

Als es anfing II

In der kalten Sonne ein Paddelboot, das ruhig seine Kreise zieht und dann wieder heimkehrt. Der Tisch gedeckt mit Krustenbibeln. Matschig und tiefrot in Salami getränkt. Niemand kennt den Weg zu der großen Bar, aber alle wollen ihn gehen. Was kann man denn da machen? Die Brücke ist wackelig, und sie schwankt im Wind der blaubemoosten Lupinen. Wer es besser wüßte, würde er anders laufen als wir? Tanzen oder stolpern? Am Ende doch wieder schön, nicht wahr. Sehr schön. Aber was kann schon passieren, wenn man die Aufkleber mitnimmt? Wozu? Wenn man ankreuzt, was man für richtig hält? Und wer reitet schließlich mit der Schönen um das große blaue Haus herum, das am See steht, bevor der große Zug abfährt?

Freitag, 19. April 2013

Kersch, Karsch, Korsch und Kirsch VII

„Sie sollten loslassen“, sagte Karsch nachdenklich. „Freitagnachmittag. Ganz große Pause. Es ist soweit.“ – Kersch sah es ganz genauso. „Reisende soll man nicht aufhalten. Wer lieber mit sich allein ist, möge das sein.“ Er wandte sich ab und schenkte sich noch einen Tee ein.

Dienstag, 16. April 2013

Als es anfing

Man muß sich diese Schwelle als etwas Hügeliges vorstellen, das sich leicht erhebt, um dann gleich wieder sich abzusenken. Als einen Übergang in eine Enge hinein, dunkel und stickig. Draußen graue Wolken. Und Kaffeetassen zum Teetrinken. Kerzenlicht aus Projektoren fließt samtartig an den Wänden herab. Aufkleber und so. Als eine Enge, die sich dann wieder weitet am dritten Tag. Gut geerdet beginnt der Morgen mit einem Müsli aus Glasscherben und dem Blick auf den zugefrorenen See, vom Morgenwind bewegt, schlagen die Wellen gegen den Steg. Keine Reise zu weit, kein Weg zu holprig. Immer nur nehmen? Warum nicht, sagt die Schlange, die nichts zu geben hat. Der letzte Tisch ist sparsam gedeckt. Wenn Marie das gewußt hätte, hätte sie ganz bestimmt die Flamme für sich behalten. Ein Kartenhaus aus lauter Backsteinen errichtet, mitten im November, als der Frühling gerade einsetzte. Die kalte Sonne brennt auf die bewollte Haut, und der Sand weht überall hin, wo eben noch die Krokusse saßen und strickten.

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