Aufheben III
„Als das passierte, war es Juni.“
„Als das passierte, war es Juni.“
Nach so langer Zeit ist es Kersch nicht mehr möglich zu sagen, wer zuerst da war: Karsch oder Korsch. Kirsch aber trat erst später hinzu.
„Bemerken Sie, daß die Morgendämmerung jetzt schon wieder früher einsetzt?“ fragte mich Korsch bei seinem letzten Anruf. – „Natürlich.“ – „Auch die Vögel beginnen schon lange vor sechs Uhr morgens zu zwitschern, auch in der Stadt. Trotz allem.“ – – ?
„Haben Sie bemerkt, daß die Uhr heute schneller geht als man erwarten würde? Auch wenn es jetzt schon 9 ist, meint man, es wäre erst 6.“ – „Stimmt“, sagte Karsch. „Ihnen fehlen gute drei Stunden. Wo haben Sie die denn hingetan?“ – „Ich?“ – „Wer sonst?“ – „Ich nicht. Das Leben.“ – „Aber Sie können nicht das Leben für alles verantwortlich machen.“ – „Tue ich auch gar nicht. Ich ziehe es nur in Erwägung“, sagte Kersch.
„Soviel Leichtigkeit, wie der Schnee, der im Licht der Straßenlaterne fällt, schwebend, wie von ganz weit her und doch ganz hier.“ – „Ja.“
„Haben Sie gesehen, wie es heute nachmittag zum zweiten Mal Tag geworden ist?“ fragte Karsch. „Wie bei Edward Hoppers ‚People in the sun‘. Genau so war das Licht, und die Menschen haben sich der Sonne zugewandt und geträumt.“ – „Ja, so war es“, erwiderte Kersch nachdenklich. „Als hätten sie eine bessere Welt gesehen, die von außerhalb in unsere hineingeschienen hätte.“ – Sogar Korsch horchte auf. Wie schön. „Und die Blaumeisen spielten im mittagshellen Sonnenlicht auf dem Balkon.“ – „Aber im Odenwald lag an manchen Stellen noch Schnee.“
Kersch steht zentral. Korsch korrespondiert. Karsch interveniert. Derweil gelangt Kirsch zunehmend ins Blickfeld.
Kersch war praktizierender Pressimist.
Vier oder fünf Jahre später.
„Als das passierte, war es Mitte März.“