Freitag, 28. August 2015
Wissenschaft als Aufmacher
Die zweite Meldung auf der Startseite des Belgischen Rundfunks auf Niederländisch beruht heute auf einem Paper bei Nature Cell Biology vom 24. August 2015. Mit direktem Link zum Volltext. Wissenschaft als Aufmacher: Bei tagesschau.de oder heute.de wäre das unvorstellbar, aber auch bei den „Online-Ausgaben“ der kommerziellen Zeitungen.
Mittwoch, 26. August 2015
Medieval Hackers
Lesen:
Rezension von John C. Ford, Champollion University, in der Medieval Review: The basic premise of Kathleen E. Kennedy's intriguing volume Medieval Hackers is that modern computer hackers are essentially the inheritors of the medieval copyist and translators who sought to freely disseminate information from original sources through their "derivative texts," which often also abridged, expanded, or altered information in their exemplars. … (via Nettime-l).
Leslie Lamport in Heidelberg
Über TeX-D-L erreicht uns der Hinweis auf einen Vortrag, den der LaTeX-Erfinder Leslie Lamport am 24. August 2015 beim Heidelberg Laureate Forum gehalten hat: A Mathematical View of Computer Systems. Hier einbinden kann ich das Video leider nicht. Wer den HTML5-Player der dortigen Website auf seinem System nicht nutzen kann (es wurden Probleme unter Linux berichtet), möge sich die mp4-Datei direkt herunterladen.
Dienstag, 25. August 2015
All browsers suck
Während Firefox 40 das System auch im Leerlauf ziemlich belastet, soll Google Chrome 46 auf dem Mac sparsamer mit dem RAM umgehen. Nach Hause telefonieren beide, irgendwie, irgendwas – insoweit also kein wesentlicher Unterschied. – Im Zweifel: Safari.
Arctic Sunrise Arbitration
Rußland ist nicht nur wegen der Beteiligung an dem Krieg in der Ukraine Vorwürfen ausgesetzt, das Völkerrecht verletzt zu haben (ob das der Fall ist bzw. war, ist durchaus streitig). Es hat gerade auch den zweiten Prozeß im Zusammenhang mit einer Aktion von Greenpeace im arktischen Meer im Jahr 2013 verloren. Der Fall hat durchaus das Potential, bald zu einem der modernen Klassiker des Völkerrechts zu zählen.
Damals hatte Greenpeace mit seinem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff „Arctic Sunrise“ eine Ölbohrplattform von Gazprom in der Barentssee zu erklettern versucht, um auf die Gefahren des Rohstoffabbaus in der Arktis hinzuweisen. Die Aktivisten waren dabei aber auf den Widerstand der Russen gestoßen, die die „Arctic Sunrise“ kaperten und die Besatzung verhafteten.
Schon zwei Monate später, im November 2013, mußten die Greenpeace-Leute in einem Eilverfahren auf Antrag der niederländischen Regierung beim Hamburger Internationalen Seegerichtshof gegen Kaution freigelassen werden. Das weitere Verfahren findet vor dem Ständigen Schiedshof in Den Haag statt, der – auf weiteres Betreiben der Niederlande – nun die Rechtswidrigkeit des russischen Vorgehens festgestellt hat. In einem weiteren Schritt wird über den Schadensersatz zu entscheiden sein, den Rußland zu leisten hat.
Die russische Regierung ist den verhängten Auflagen bisher zwar nachgekommen, erkennt aber keine der Entscheidungen an und bleibt auch den Verhandlungen aus Protest fern, weil sie das Gericht nicht für zuständig halte.
Permanent Court of Arbitration, Arctic Sunrise Arbitration, Niederlande vs. Rußland, Case No. 2014-02, vgl. auch die Pressemitteilung vom 24. August 2015.
Montag, 24. August 2015
The unending chase for money
Der amerikanische Verfassungsrechtler Lawrence Lessig ist zum Exponenten einer Bewegung in den USA geworden, die sich gegen die Schieflage in der Finanzierung des politischen Betriebs wendet. Lessig hat angekündigt, bei den Präsidentschaftswahlen 2016 anzutreten, wenn es ihm gelinge, genügend Mittel per Crowdfunding einzusammeln. Democracy Now hat ihn hierzu interviewt.
Pikantes Detail am Rande: Die Mainstream-Medien hatten zwar darüber berichtet daß vor ein paar Monaten eine Drohne auf dem Rasen des Weißen Hauses gelandet war, der Hintergrund hierfür wurde aber zurückgehalten. Es war eine Aktion von Dough Hughes, und der Quadrocopter transportierte eine Ladung mit Briefen an alle Kongreßabgeordneten, in denen diese dazu aufgefordert wurden, die Wahlkampf-Finanzierung zu reformieren. The letter began with a quote from John Kerry’s farewell speech to the Senate: quote, "The unending chase for money I believe threatens to steal our democracy itself," Kerry wrote.
Sonntag, 23. August 2015
Social Networking and Ethics
Mit einem Update vom 21. August 2015:
Freitag, 21. August 2015
Ein Jahr Digitale Agenda
Eine ernüchtende und differenzierte Ein-Jahres-Bilanz der Digitalen Agenda der deutschen Bundesregierung – am ehesten anzusiedeln im Bereich der Groteske – geben Vera Bunse und Christian Heise bei Zeit Online: Deutschland verpasst den Anschluss (via).
Es ist soviel „von oben“ liegengeblieben und verhindert worden. Aber auch die Netzgemeinde hat sich immer mehr zurückgezogen, indem der Schritt vom Netz in die Politik endgültig gescheitert ist und alles seitdem den etablierten Parteien überlassen wurde.
Dienstag, 18. August 2015
Der lange Marsch durch die Blogs
Mein Feedreader meldet, daß schon zwei Jahre nach dem Neuland-Zitat der Kanzlerin Blogger im mainstreamigsten der Mainstream-Medien angekommen sind: Philip Banse, Miriam Meckel, Marina Weisband und Mario Sixtus saßen am vergangenen Sonntag (von links nach rechts) im ARD-Presseclub und sprachen dort am Beispiel des Google-Alphabet-Umbaus über eigentlich alle Themen, die wir vor vier, fünf Jahren in der Blogosphäre entwickelt hatten. Einen langen Marsch durch die Blogs und durch die sozialen Netzwerke haben sie hinter sich, werden jetzt als Publizisten bezeichnet und sind die Experten, die „Digitales“ live, ausreichend liberal gefärbt und auf den Punkt sonntagmittags im Fernsehen liefern können. Das Feld ist bereitet, der Markt existiert nun, und jetzt wird die Ernte eingefahren.
Montag, 17. August 2015
Die Onleihe und das Neue Deutschland
Über die Onleihe hatte ich schon öfter geklagt. Insgesamt halte ich das ganze System weiterhin für den falschen Weg. Gerade was die digitale Versorgung mit Zeitungen angeht, hat sich der Zugriff über ein Pressearchiv als wesentlich flexibler erwiesen, und viele öffentliche Bibliotheken bieten ihren Benutzern schon lange solchen Zugriff an. Andere hatten sich für die E-Papers in der Onleihe entschieden.
Vor ungefähr zwei Wochen bemerkte ich, daß die Onleihe meiner Stadtbibliothek neuerdings auch das Neue Deutschland als E-Paper anbietet. Genauer gesagt: Die Onleihe bietet das ND grundsätzlich an, es kann dort aber nicht abgerufen werden. Insoweit unterscheidet sich das Angebot beispielsweise von dem der FAZ, der taz oder der Süddeutschen Zeitung, die stets aktuell vorhanden sind.
Also reklamierte ich bei der Onleihe. Kontaktadresse in der linken Sidebar. Die Digiauskunft meldete sich postwendend und versprach, mein Monitum weiterzuleiten. Das war, wie erwähnt, vor zwei Wochen. Es ging noch mehrmals per E-Mail hin und her, jedoch es änderte sich nichts.
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Mal war eine Ausgabe vom selben Tag abrufbar, mal war sie wieder verschwunden.
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Auch Ausgaben, die daraufhin zwischenzeitlich schon einmal abrufbar waren, verschwanden kurz darauf wieder aus der Übersicht.
Heute wird dort jede Ausgabe als „nicht verfügbar“ angezeigt. Und die Digiauskunft meldete mir bei meiner letzten Nachfrage zum Ende der vergangenen Woche, ein konkreter Zeitpunkt für die Behebung des Fehlers sei nicht absehbar.
Meine öffentliche Bibliothek reagierte in Bezug auf solchen Service schon routiniert: Man wisse bereits, daß vieles bei der Onleihe nicht funktioniere. Ohjemine.
Nun ist natürlich auffällig, daß es ausgerechnet das Neue Deutschland trifft. Durch solche technischen Mängel kann man auch die Abrufzahlen niedrig halten, konkret: Bei null. Aber das wollen wir doch nicht annehmen, nicht wahr? Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.